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Polen und Deutsche gedachten der Opfer des Busunglücks im September 2010

Polen und Deutsche gedachten der Opfer des Busunglücks im September 2010

Es war ein Tag der Trauer, des Erinnerns und des Dankes. Am 25. September 2011 – ein Jahr nach dem schweren Busunglück auf der A10, am Schönefelder Kreuz, bei dem 14 Menschen ihr Leben verloren und 38 weitere verletzt wurden – gedachten Polen und Deutsche gemeinsam der Opfer dieses unvorstellbar schrecklichen Unfalls. In dem Bus saßen damals Mitarbeiter der Oberförsterei Złocieniec, deren Familien und zwei Busfahrer. Sie waren am 26.9.2010 auf der Rückreise aus dem Urlaub in Spanien.
Zu der Gedenkveranstaltung im polnischen Złocieniec waren auch zahlreiche Deutsche angereist. Die Landesregierung Brandenburgs wurde durch die Bevollmächtigte des Landes beim Bund, Staatssekretärin Tina Fischer, vertreten. Den Landkreis Dahme-Spreewald, in dem sich der Unfall ereignete, vertrat Landrat Stephan Loge. Mit ihm kamen die Vertreter der damals vor Ort tätigen Rettungskräfte (Polizeihauptkommissar Peter Feldmann, Kreisbrandmeister Roland Judis, Dolmetscherin Roksana Lewandowska, Rettungssanitäter Thomas Pech, Notfallseelsorger Klaus Scholz). Die unzähligen deutschen Forstleute, die spontan aus der ganzen Republik mit ihren Spenden halfen, wurden durch Stefan Panka, das Mitglied des Brandenburgischen Forstvereins, vertreten.
In einem persönlichen Brief versicherte der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck, dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk zum Jahrestag der Katastrophe erneut seines Mitgefühls. Die Gedanken der Brandenburger seien „in diesen schweren Tagen bei den Angehörigen der Opfer“, schrieb er weiter. Allen Rettungskräften sind die grauenhaften Bilder für immer ins Gedächtnis gebrannt. „Dankbar erinnere ich mich der guten Zusammenarbeit vor einem Jahr, die dazu beigetragen hat, zu helfen und dieses Leid zu lindern.“

Um 12.30 Uhr war die Kirche N.M.P. an der Kościelna Str. 1 in Złocieniec bis auf den letzten Platz gefüllt, so dass viele Menschen auf dem Vorplatz des Gotteshauses stehen mussten, wo die von Bischof Edward Janiak zelebrierte Messe mit Hilfe von Lautsprechern übertragen wurde. Mit zu Herzen gehenden Worten dankte er den Deutschen und vor allem den vielen Helfern für die geleistete Hilfe nach dem Unfall. Inmitten der Menschenmenge spürte man auch ein Jahr nach der Katastrophe noch immer die tiefe Trauer, die die ganze Stadt umfängt. Viele Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche ließen ihrem Kummer über den Verlust von Müttern und Vätern, von Großeltern, Tanten und Onkeln, von Freunden und Bekannten freien Lauf. Es war eine bewegende Stunde.

In seiner Ansprache dankte auch Sławomir Cichoń, Direktor der Forstdirektion in Szczecinek, allen, die dazu beigetragen haben, dass Menschen vor Ort aufopferungsvoll geholfen wurde, dass sich sowohl in Polen als auch in Deutschland unzählige Menschen fanden, die mit ihrer stützenden Hand den Hinterbliebenen selbstlos halfen. Direktor Cichoń dankte ausdrücklich den deutschen Forstleuten und nannte stellvertretend den Vorsitzenden des Brandenburgischen Forstvereins, Professor Klaus Höppner, den Koordinator für den Austausch norddeutscher Forstvereine mit der Polnischen Forstgesellschaft, FOR i.R. Hanno Müller-Bothen sowie Herrn Stefan Panka aus Eberswalde, die eine der größten Spendenaktionen der deutschen Forstvereine in den letzten Jahren eingeleitet und koordiniert hatten. Diese Gelder helfen den Hinterbliebenen, die schwere Zeit nach dem Unfall finanziell zu überstehen, die langwierige Rekonvaleszenz abzusichern und ihren Weg zur Normalität zu finden. Den seelischen Schmerz kann allein die Zeit lindern.

Den Dank der Überlebenden und Angehörigen sprach auch Magda Kiszko aus, die bei dem Unglück vor einem Jahr den Vater verloren hatte.

Im Anschluss an die Gedenkfeier fand im Gemeindesaal, neben der Kirche ein Treffen statt, an dem Überlebende und Helfer ins Gespräch kamen. Auch hier bedankten sich viele der damals Verletzten persönlich bei ihren Rettern, fragten nach den Einzelheiten der Rettungsaktion, nach den Leiden der ihnen nahestehenden tödlich Verunglückten. Immer wieder gab es Umarmungen oder auch einen stillen Händedruck.
 
Stefan Panka, Andrea Müller

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