Waldschutz

Polarforschung untersucht Waldschäden im Harz

Bearbeitet von Carolin Föste

Eine ungewöhnliche Kooperation soll künftig helfen, Satellitendaten vom Wald im Harz abzugleichen und aufzuwerten. Dafür überfliegt ein Flugzeug von Polarforschenden den geschädigten Wald. Eine Idee mit Potenzial.

Die Niedersächsischen Landesforsten (NLF), das Institut für Optische Sensorsysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) und das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) kooperieren in einem neuen Versuch: Polarforschende nutzen Testflüge, um Daten über Klimaschäden zu ergänzen.

Waldschäden möglichst genau erfassen

Die Testflüge müssen standardmäßig durchgeführt werden. Dr. Thomas Krumpen, AWI-Meereisforscher und Leiter der Kampagnen beschreibt: „Die ständig wechselnden Sensoren, die im Flugzeug verbaut werden, sind anspruchsvoll in der Bedienung, und in der Arktis muss jeder Handgriff sitzen.“ Mit den Testflügen wird die Funktionsfähigkeit der Technik sowie die Handhabung durch die Mitarbeitenden für jährlich anstehende Arktis-Expeditionen erprobt. In diesem Jahr wurden die hochauflösenden Kamerasysteme erstmals über dem Harz getestet und brachten Daten über die Waldschäden mit. Mit dem Austausch zwischen Polarforschenden des AWI und Förstern der NLF sollen Satellitendaten ergänzt werden. Oft seien diese nicht hochauflösend und damit genau genug. Die neuen Daten, die erstmals am 13. Juli zusätzlich aus der Luft gesammelt wurden, gleichen damit das Wissen über den Umfang der Schäden sowie die Erfolge der Aufforstungsmaßnahmen der vergangenen Jahre ab.

Denn die Fichtenwälder des Harzes sind in den letzten Jahren nicht nur besonders stark durch Klimawandel-Folgen wie den Borkenkäfer geschädigt worden – die Forstleute der NLF wollen neben den Schäden auch einen Überblick über Erfolge schaffen.

Borkenkäfer-Schäden im Harz, Luftbildaufnahme
Vom Sturm, Trockenheit und nachfolgenden Borkenkäferbefall stark geschädigter Wald in der Nähe der Okertalsperre (Harz). Die Luftbildaufnahme wurde aus dem Arktis-Flugzeug „Polar 6“ aus rund 700 m Höhe mit einer Kamera des DLR aufgenommen.
Foto: M. Gessner

Klimaforschung vom Harz bis in die Arktis

Damit habe der Einsatz von Testflügen über Wäldern das Potenzial, Wissen aus Forstinventuren und Biomassen- und Kohlenstoffhaushaltabschätzungen und für die klimastabile Wiederbewaldung zu ergänzen. Auch sollen die im Rahmen der Befliegung gesammelten Informationen laut Wolf Kleinschmit, Leiter des Niedersächsischen Forstplanungsamts, eine Grundlage für neue Entwicklungen im Bereich der Waldinventur und Baumartenerkennung liefern. Er sagt: „Anhand der erhobenen Daten lassen sich Baumarten und ihre Schädigungsgrade herleiten und überprüfen, wie zuverlässig die automatisierte Auswertung von Satellitenfotos ist. Zusammen mit den ebenfalls abzuleitenden lokalen Bodenverhältnissen zeigen uns die Daten den Erfolg der Wiederbewaldung und helfen uns hierdurch auch bei der weiteren Entwicklung klimastabiler, resilienter Mischwälder.“ Auch dreidimensionale Aufnahmen des Waldes werden von Laser-Systemen aufgezeichnet.

In den kommenden Wochen soll das Material ausgewertet werden. Die Projektpartner wollen die Testflüge weiterhin für ihre Kooperation nutzen. Das sei ohnehin nachhaltiger, da die Polarflugzeuge während der Tests ansonsten im jährlichen Rhythmus über der Nordsee kreisen. Seit dem 20. Juli ist die Maschine nun aber erst einmal auf Expedition in der Arktis. Das eigentliche Ziel der hochtechnisierten Flugzeuge ist eine andere Klimaforschungs-Stätte: Das immer dünner werdende Packeis.

Quellen: NLF, AWI