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Pilzliche Schäden an Bergahorn

Seit 2009 werden in Nordwestdeutschland zuweilen Schäden an Stämmen und Ästen von Bergahorn beobachtet, die durch pilzliche Schaderreger (überwiegend Fusarium-Arten) ausgelöst werden, ist dem Waldschutz Info Nr. 6 der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) vom 8. November zu entnehmen. Oft ist ein Zusammenhang zwischen dem Schadauftreten und dem Befall mit dem Ungleichen Holzbohrer (Anisandrus dispar) zu erkennen. Anisandrus dispar besiedelt bevorzugt Laubhölzer wie Ahorn, Eiche, Esche, Buche und Obstgehölze, insbesondere geschwächte oder gefällte Bäume. Der Käfer kann auch gesunde Pflanzen angreifen und bei starkem Befall zum Absterben führen. Neben den für die Ernährung notwendigen Ambrosiapilzen können mit A. dispar auch pathogene Pilze (z. B. Fusarium) assoziiert sein. Von den nachfolgend behandelten Fusarium-Erkrankungen sind andere pilzliche Schäden wie z. B. die Verticillium-Welke (Verticillium dahliae oder V. albo-atrum), die Rußrindenerkrankung (Cryptostroma corticale) oder Schäden durch den pilzähnlichen Organismus Phytophthora abzugrenzen.
Symptome und Schadbilder der Fusarium-Erkrankungen an Ahorn
Folgendes wird beobachtet:
  • Befall trat bisher hauptsächlich an jüngerem Bergahorn (seltener auch Spitzahorn) im Alter von 3-15 Jahren auf (gelegentlich auch an etwas älteren Bäumen).
  • An Stämmen und Ästen bilden sich zunächst lang gestreckte Streifen leicht eingesunkener, leicht verfärbter oder gerissener Rinde (im Anfangstadium recht unauffällig).
  • Später treten auffällige Rindennekrosen bis hin zu krebsartigen Schäden und Überwallungswülste auf.
  • Oft tritt begleitend stärkerer Befall durch den Ungleichen Holzbohrer (Anisandrus dispar) an den Schadstellen auf.
  • Typisch sind Verfärbungen des Holzes im Stamm- oder Astquerschnitt, meist grünlich bis bräunlich.
  • Im Endstadium kommt es zu Welkesymptomen, Triebsterben, Absterben von Jungpflanzen (oft plötzlich) oder von Kronenbereichen älterer Bäume.
Schadensentstehung, Schadensverlauf
  1. Die untersuchten, befallenen Ahornbäume waren meist durch Trockenstress, Hitze, starke Sonneneinstrahlung oder Stress bei der Pflanzung vorgeschädigt.
  2. Die Bäume hatten häufig Befall durch den Ungleichen Holzbohrer (A. dispar; gelegentlich auch Kleiner Holzbohrer, Xyleborus saxeseni) oder wiesen Spechtringelungen auf (Eintrittspforten für pathogene Pilze).
  3. Es kann davon ausgegangen werden, dass die schädigenden Pilze von den beteiligten Käferarten übertragen wurden. Ein entsprechender Zusammenhang zwischen Käfern und Pilzen wurde nachgewiesen.
  4. Die Infektionen erfolgen durch Mikropilze der Nectria-Verwandtschaft, die Rindennekrosen und Holzverfärbungen verursachen. Meist waren zwei Artenkomplexe an den Schadbildern beteiligt:
    • Fusarium-Arten mit der Hauptfruchtform Gibberella (z. B. Gibberella baccata (F. latericium))
    • Fusarium solani-Komplex
  5. Diese Fusarium-Arten sind als Schaden auslösend und teilweise Toxin bildend zu bewerten. Es ist zu erwarten, dass die geschilderten Schäden nicht ausheilen und sich im Laufe der Zeit verstärken.
Schadpotential der beteiligten Fusarium-Arten

Die Gattung Fusarium enthält neben Pflanzenpathogenen auch Saprobionten und Endophyten. Fusarium/Gibberella-Arten sind als Wundparasiten und Erreger von Fusarium-Welke, Fusarium-Krebsen, Rindennekrosen, Triebsterben, Blattflecken, Zweigbrand oder Wurzelhalsfäulen bekannt. Die Art G. baccata (F. latericium) ist weltweit in temperaten und subtropischen Regionen in holzigen Pflanzen und im Boden verbreitet. F. solani als Artkomplex ist ebenfalls weltweit verbreitet. Stämme dieses Artkomplexes rufen u. a. Wurzelfäulen, Auflauf- und Umfallkrankheiten sowie Stammkrebserkrankungen hervor. Entsprechende krebsartige Schadbilder an Schwarznuss in Nordamerika ähneln z. B. sehr stark den Schadbildern an Bergahorn mit F. solani-Beteiligung. Arten dieser beiden Fusarium-Komplexe wurden als Schaderreger in Nordwestdeutschland auch bereits an anderen Baumarten festgestellt, z. B. an Roteiche, Erle und Pappel (außerhalb des Zuständigkeitsgebietes der NW-FVA auch an Robinie und Walnuss).

Zur Abgrenzung: Verticillium-Welke

Äußerlich ähnliche Schadbilder können auch durch die bodenbürtige sogenannte Verticillium-Welke (pilzlicher Erreger: Verticillium dahliae oder V. albo-atrum) primär hervorgerufen werden. Auch hier sind grünlich-bräunliche bis bläuliche Verfärbungen im Holz typisch, die jedoch als Flecke oder Punkte ringförmig im Splintholz angeordnet sind.

NW-FVA

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