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Pfeils Ansichten zur Behandlung der Kiefer aus gegenwärtiger Sicht

Im Archiv für Forstwesen und Landschaftsökologie Heft 4/2011 vom 30.12.2011 kommt Prof. Joachim-Hans Bergmann dem Wunsch aus der Forstpraxis nach, die Ansichten Wilhelm Pfeils zur Behandlung der Kiefer aus dem Jahre 1856 in gedrängter Form noch einmal darzustellen. Grundlage ist die Broschüre mit dem Titel: „Wilhelm Pfeil und die Kiefer. Eine Kommentierung aus gegenwärtiger Sicht“, herausgegeben vom Brandenburgischen Forstverein (2009).

In der Broschüre wurde die in den Kritischen Blättern 1856, Bd. 37, Heft 1 S. 55 bis 123 und Heft 2 S. 65 bis 149 veröffentlichte Kiefernmonographie von Pfeil wörtlich wiedergegeben und aus gegenwärtiger Sicht kommentiert. Dem Leser bietet sich eine Fülle von forstlichem Grundwissen zu dieser Hauptbaumart des Nordostdeutschen Pleistozäns, von dem leider einiges in der Vergangenheit vergessen oder falsch interpretiert wurde.
Bei allem Respekt vor Pfeils beinah universellen Wissen, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass er auch ein Kind seiner Zeit war und seine Gedanken noch sehr stark in den Vorstellungen des schlagweisen Hochwaldes verhaftet waren. So fehlen in seiner Monographie Vorstellungen über die Mischung der Kiefer mit anderen Baumarten, speziell Laubhölzern. Es blieb seinen Nachfolgern vorbehalten, die Kiefer als Schirmbaumart für den Unterbau mit Buche und Eiche zu empfehlen. Hierbei ist zu bedenken, dass solche unterbaufähigen Kiefernbestände zu Pfeils Zeiten außerordentlich selten waren, wenn man sich den bei Neinas (1957) zitierten Waldbereitungsbericht von 1786 über die Biesenthaler Heide bei Eberswalde deutlich vor Augen führt. Dort heißt es: „Nach dreitägigem Beritte keinen Baum gefunden, um einen Förster daran aufzuhängen.“ Es handelte sich hier um riesige Räumden, die im 19. Jahrhundert – zu Pfeils Zeiten – mit Kiefer aufgeforstet wurden. Pfeil sah daher nicht den Schwerpunkt seiner Arbeit in der Pflege von Kiefernbeständen, sondern in der Wiederbewaldung dieser großflächigen Räumden.

War die Kultur oder Naturverjüngung gelungen, sah er für sie keine weiteren Pflegemaßnahmen vor. Sie sollten dunkel bis zum Abtrieb gehalten werden, wie dies Hartig für die preußischen Forsten vorgesehen hatte. Er schlug lediglich vor, wenn es die Absatzfrage erlaubte, die zurückbleibenden und absterbenden Stämme zu nutzen und nicht im Bestand vermodern zu lassen. Seine vor dem Abtrieb empfohlenen Hiebe hatten eine rein ökonomische Nutzungsfunktion und dienten nicht der Pflege des verbleibenden Bestandes. Pfeils Auffassungen sind in diesem Punkt mit denen von Hartig nahezu identisch.

Begründung von Kiefernbeständen

Ganz anders sind dagegen seine Ausführungen über die Begründung von Kiefernbeständen zu werten, wo er neue Wege beschritt. So bei der Naturverjüngung, wo er erkannte, dass diese nach dem Auflaufen zügig freigestellt werden muss, da sonst irreversible Wachstumsschäden auftreten. Die edle Halbschattenform der Kiefer, wie sie später von den Dauerwaldanhängern angestrebt wurde, war niemals ein Ziel Pfeils, denn er hatte dies als eine Schädigung der Kiefer erkannt. Die weitere Entwicklung der nach den Prinzipien des Dauerwaldes bewirtschafteten Kiefernnaturverjüngungen hat Pfeil nachträglich Recht gegeben. Nur aus ganz wenigen Kiefern der 2. Schicht entwickelten sich wüchsige Kiefernbestände, so zum Beispiel im Kieferndauerwaldblock Groß-Ziethen (Oberförsterei Chorin). Ende der 1940iger Jahre hatte dieser Bestand eine geschlossene 2. Schicht von jungen Kiefern aus Naturverjüngung. Trotz aller Bemühungen der Praktiker und Wissenschaftler existieren heute nur noch vereinzelte Kiefern aus dieser Schicht.

Wind und Nassschnee haben zur Auflösung dieser Bestandesschicht geführt (Bergmann 1996). Wird dagegen die aufgelaufene Kiefernnaturverjüngung sofort vom Kiefernoberstand geräumt, wie dies Hinz, der Schöpfer des Seelensdorfer Verfahrens, im Sinne Pfeils empfiehlt, entstehen wüchsige, stammzahlreiche Kiefernnaturverjüngungen.

Kritisch setzt sich Pfeil in seiner Monographie mit der damals üblichen Zapfensaat auseinander. Sie misslingt besonders in nassen und regenreichen Frühjahren, weil sich dann die Zapfen nicht öffnen und der Samen nicht entlassen wird. An ihrer Stelle empfiehlt er den Einsatz von geklengtem und entflügeltem Saatgut, das gegen Vogelfraß dünn mit Sand abgedeckt werden sollte. Da Pfeil in Eberswalde eine für die damalige Zeit hochmoderne Darre hatte bauen lassen und mit diesem Saatgut viel experimentiert hatte, konnte er den Praktikern genaue Empfehlungen für den Saatgutbedarf entsprechend dem gewählten Reihenabstand für einen preußischen Morgen geben. Mit geringen Abweichungen sind diese Empfehlungen noch heute gültig.

Sehr ausgiebig hat er sich mit der Kiefernpflanzung beschäftigt, die damals hauptsächlich als Ballenpflanzung oder unter der Verwendung von mehrjährigen, nacktwurzeligen Pflanzen erfolgte. Pfeil stand beiden Verfahren sehr kritisch gegenüber, weil diese Pflanzen beim Ausheben den größten Teil ihrer Pfahlwurzel verlieren. Wie von Alemann (1851) bei den Eichen, erkannte Pfeil, dass auch beim Verpflanzen der jungen Kiefern die Pfahlwurzel erhalten bleiben muss. Deshalb empfahl er die Verwendung von einjährigen Kiefernsämlingen, deren Pfahlwurzeln bei der Pflanzung senkrecht in den Boden gebracht werden müssen.

Diese Erkenntnisse haben sich in den vergangenen 150 Jahren immer wieder als richtig erwiesen. Ihre Missachtung führt dagegen zu Ausfällen und finanziellen Verlusten. So auch bei der nachlässigen Kulturbegründung der Kiefer mit dem Huf’schen Spaten, bei der die Pflanzen nicht senkrecht sondern schräg in die Erde kommen.

Wir stellten in den 1980iger Jahren in den mit dem Huf’schen Spaten begründeten Kiefernkulturen der Oberförsterei Eberswalde einen starken Befall mit Hallimasch fest. Unsere Untersuchungen ergaben, dass die Pflanzung sehr nachlässig ausgeführt worden war und die Wurzeln vieler Kiefern schräg in die Erde gekommen waren. Noch nach fünf Jahren konnten diese Pflanzen ohne Schwierigkeit mit einer Hand aus dem Boden gezogen werden. Ihr Wurzelwachstum war stark gestört. Gerade diese Kiefern litten besonders stark unter dem Hallimasch. Auffällig war jedoch, dass die zahlreich angeflogenen Kiefern nahezu immun gegen den Hallimaschbefall waren. Obwohl sie im Durchschnitt jünger als die gepflanzten Kiefern waren, ließen sie sich nicht mehr aus dem Boden ziehen.

Bezüglich der einzusetzenden Pflanzensortimente haben sich im Nordostdeutschen Pleistozän die Vorstellungen Pfeils durchgesetzt; der einjährige Sämling kommt vorrangig zum Einsatz.

Dennoch hat es nicht an Versuchen gefehlt, ältere und stärkere Pflanzen einzusetzen. So zu Beginn der 1980iger Jahre im Institut für Forstwissenschaften in Eberswalde. Hier war die Erprobung der Räumpflanzkombine (RPKM) mit nacktwurzeligen älteren Lärchen, Douglasien und Laubhölzern erfolgreich abgeschlossen worden. Nun forderten die Konstrukteure ihren Einsatz mit älteren Kiefernpflanzen. Entgegen den Einwänden des Waldbaus, insbesondere von Prof. Flöhr, beschloss das Direktorium des Instituts, einen 2 ha großen Versuch mit zwei- und dreijährigen Kiefernsämlingen und dreijährig verschulten Kiefern, so genannte 2+1 Kiefern, in der Oberförsterei Chorin anzulegen. Der Versuch endete mit einem völligen Fiasko und wurde in keinem Forschungsbericht beschrieben. Der Ausfall betrug bei allen Pflanzensortimenten über 90 % und kann als Bestätigung der Warnung Pfeils vor der Verwendung von Kiefernpflanzen mit stark gekappter Pfahlwurzel angesehen werden.
 
Gültige Erkenntnisse

Ohne Einschränkung kann festgestellt werden, dass Pfeils Vorstellungen von der Begründung von Kiefernkulturen noch heute gültig sind. Sie lassen sich in folgende Sätze zusammenfassen:
1. Leite eine Naturverjüngung nur in Samenjahren ein und räume den Oberstand zügig und vollständig nach dem Auflaufen der Saat.
2. Führe eine Saat nur zu dem Zeitpunkt aus, wenn die Natur sät (März bis April).
3. Verwende nur geklengtes und entflügeltes Saatgut und schütze es vor Vogelfraß.
4. Nutze bei einer Pflanzung die Winterfeuchtigkeit aus und pflanze nur im Frühjahr.
5. Verwende nur einjährige Kiefernsämlinge und achte darauf, dass die Pfahlwurzel senkrecht in den Boden kommt.

Literatur

[1] Alemann, F. A. von,1851: Über Forst-Culturwesen. Emil Baensch Verlag Leipzig.
[2] Bergmann, J.-H., 1999: Der Dauerwaldblock Groß-Ziethen – Hausendorff’s Vorstellungen und das gegenwärtige Ergebnis. Beiträge für Forstwirtschaft und Landschaftsökologie, Bd. 33, Heft 1, S. 21–23.
[3] Bergmann, J.-H., 2009: Wilhelm Pfeil und die Kiefer. Eine Kommentierung aus gegenwärtiger Sicht. Herausgeber: Brandenburgischer Forstverein e.V.
[4] Neinas, E., 1957: Beitrag zur Reviergeschichte der Lehroberförsterei Eberswalde unter besonderer Berücksichtigung der waldbaulichen Maßnahmen und deren Erfolg in den letzten 150 Jahren. Dissertation an der Forstwirtschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin in Eberswalde (unveröffentlicht).
[5] Pfeil, W., 1856: Die Kiefer (Pinus sylvestris) und ihre Erziehung. Kritische Blätter Bd. 37, Heft 1, S. 55–123; Heft 2, S. 65–149.

 
Joachim-Hans Bergmann

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