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Die Bluetooth-Funktechnik eröffnet ein neues Kapitel Foto: H. Höllerl

Pfanner funkt blau

Ein knappes Jahr ist es her, dass man am beliebten Protos endlich Helmfunk anbringen konnte. Nun legt Pfanner nach und pflanzt eine Bluetooth-Kommunikation in die hauseigenen Gehörschutzkapseln. Das lässt aufhorchen, deswegen haben wir die Kombination sofort einem ersten Kurztest unterzogen.Der erste Anblick lässt vermuten, dass die zusätzliche Technik sehr elegant in den Gehörschutz integriert wurde. Auf jeden Fall kann man jetzt die sogenannte „Parkposition“ der Gehörschützer unter der Helmschale wieder nutzen, was mit anderen voluminösen Funkkapseln nicht möglich ist. Die Kontrolle mit der Waage bestätigt das auch. Wenn ein Paar Kapseln mit den zugehörigen Befestigungsgabeln beim Protos 197 g wiegen, kommen wir mit Schwanenhalsmikro, Lautsprecher und der gesamten Elektronik inklusive integriertem Akku auf 233 g. Das ist sensationell und die Differenz von 36 g am Kopf schlichtweg nicht spürbar.Die Erstinbetriebnahme gestaltet sich ein wenig anders, als man es sonst von Funkgeräten gewohnt ist. Die Helme, die miteinander kommunizieren sollen, müssen erst ein mal gekoppelt werden, sich quasi „kennenlernen“. Das ist im Grunde bei allen Bluetooth-Verbindungen so. An diesem Punkt kommen wir auch zur größten Einschränkung des Systems: Bisher können immer nur zwei Partner miteinander sprechen. Das allerdings in einer hervorragenden Klangqualität und vor allem im Duplexbetrieb. Das bedeutet einen Gesprächskomfort wie am Telefon, weil man nicht warten muss, bis der andere seine Sprechtaste wieder loslässt, sondern sich ganz frei unterhält. Über die zentrale Ruftaste wird eine dauerhafte Verbindung aufgebaut und erst beim zweiten Druck wieder beendet. Das Elektretmikrofon besitzt eine ausgesprochene Nahbereichscharakterisitik, d. h. auch bei laufenden Maschinen in der Nähe bleibt die Sprache sehr gut verständlich. Die Lautstärke reicht völlig aus, schließlich stammt die Technik aus dem Motorradbereich und reicht dort auch für Gespräche während der Fahrt. Zusätzlich zur Helmkoppelung kann man noch jeweils sein Smartphone einbinden und das Bluetooth-System als Freisprechanlage nutzen. Dabei sollen dann auch wieder (telefonische) Konferenzschaltungen mit mehreren Teilnehmern möglich sein.Eine weitere Begrenzung liegt in der Reichweite. Bluetooth ist ursprünglich als störungssicherer Nahbereichsfunk erfunden worden. Bisher ist die stärkste Kategorie mit 100 mW zulässiger Sendeleistung für Distanzen bis 100 m gedacht. Zum Vergleich: Analoge Handfunkgeräte senden mit bis zu 5 W! Bei unseren Versuchen konnten wir im freien Gelände gut 200 m überbrücken, je mehr Vegetation dazwischen ist, kann auch schon bei 50 m Schluss sein. Der integrierte Akku soll einen ganzen Arbeitstag locker durchhalten, bei wenigen Gesprächen auch zwei. Zum Aufladen nimmt man die Gehörschutzkapsel aus der Originalgabel und setzt sie in eine spezielle mit USB-Ladestecker ein. Das ist zwar etwas umständlicher als eine USB-Buchse, vermeidet aber Eintrittspforten für Feuchtigkeit oder weiteres Gewicht am Helm.Erster Eindruck: Toller Ansatz und mit 366 € netto auch eine preisgünstige Alternative zum „echten“ Helmfunk. Mit nur zwei Partnern und begrenzter Reichweite noch nicht für alle Einsatzbereiche geeignet.

Heinrich Höllerl
Die Bluetooth-Funktechnik eröffnet ein neues Kapitel Foto: H. Höllerl Protos mit Bluetooth-Funksystem Foto: Werk Die Bluetooth-Funktechnik eröffnet ein neues Kapitel Foto: H. Höllerl

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