ABO
Holzbau – der entscheidende Hebel zu mehr Klimaschutz

Perspektiven in der Säge- und Holzindustrie

Unter dem Motto „Raus aus dem Hamsterrad!? Nische oder Rückzug, Perspektiven für die Sägeindustrie“ fand am 6. Juni 2014 das zweite Branchenforum Holz in Unterschleißheim bei München statt.
Über 50 Teilnehmer aus den Bereichen Sägeindustrie, Weiterverarbeitung und Dienstleistung sowie Vertreter aus dem Banken- und Kreditwesen folgten der Einladung der Unternehmensberatung Baker Tilly Roelfs und des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e.V. (DeSH), um über perspektivische Ausrichtungen auf dem Rundholz- und Absatzmarkt zu beraten. Schwerpunkte waren zudem Übergänge und Zäsuren in der Unternehmensentwicklung.
„Die Teilnehmerzahl zeigt, dass wir den Nerv vieler Unternehmer getroffen haben. Die Zukunft wird mit Sorge betrachtet: Der Markt erfordert Anpassungen, doch viele Betriebe sind im Alltagsgeschäft gefangen und scheuen sich vor Reinvestitionen, Produktentwicklungen oder der notwendigen Entscheidung zur Geschäftsaufgabe. Mit dem Branchenforum wollen wir Wege aus dem Hamsterrad aufzeigen, Denk- und Diskussionanstöße liefern und Unterstützung anbieten“, sagte DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt.
Sägeindustrie in der Commodity-Falle
Einführend legte Dr. Franz-Josef Lückge, Inhaber der Beratungsfirma Forst Holz Markt Consulting in Bad Wildbad, die aktuelle Situation der Säge- und Holzindustrie dar und erörterte Anforderungen an zukunftsorientierte Betriebe. Seit Jahren sei die Ertragslage für viele Unternehmen angespannt; Überkapazitäten sorgen für anhaltenden Strukturwandel. Entscheidend für die Marktfähigkeit sei jedoch nicht allein moderne Technik, sondern eine klare strategische Ausrichtung. Über eine solche würden in Deutschland und Österreich nur wenige Sägewerke verfügen. „Die Säger sehen sich zu sehr als reine Schnittholzproduzenten“, bilanzierte Lückge. Eine Kosten- oder Produktionsoptimierung finde kaum statt.
An diesem Punkt knüpfte Andreas Maquet, Geschäftsführender Partner bei Baker Tilly Roelfs, in seinem Vortrag an. Viele Unternehmen würden sehenden Auges in die sogenenannte „Commodity-Falle“ tappen, indem ihr Produkt sich nur mehr über den Preis von der Konkurrenz abheben könne. Die Folge seien stetig sinkende Margen, die auf die ganze Branche wirkten. Dass es aber auch innovative und erfolgreiche Wege aus dieser Negativspirale gibt, zeigte er anhand konkreter Best-Practice-Beispiele. Über Re-Fokussierung der Kunden, neue Technologien und differenzierte Wettbewerbsstragien ließen sich auch in einem traditioenllen Umfeld wie der Sägeindustrie neue Märkte erschließen.
Welche Ausstiegsoptionen bieten sich an?
Im zweiten Veranstaltungsteil wurden alle gängigen Rückzugsoptionen, von der klassischen Unternehmensnachfolge über Fusion und Übernahmen bis zur Liquidation diskutiert.
Besondere Herausforderung der Sägeindustrie sei die familiäre Branchenstruktur. Die interne Nachfolge stelle für viele Unternehmen den Königsweg dar, da das Lebenswerk in der Familie bleibe. Bei familiengeführten Betrieben bestünde jedoch oft die Gefahr, dass die Nachfolge zu lange verdrängt werde und ohne geregelten Ablauf stattfinde. Es gelte daher frühzeitig zu klären, wann, an wen und wie das Unternehmen zu übergeben sei.
Doch auch wer sich gegen eine interne Nachfolge entscheidet, steht vor vielfältigen Problemen. Dr. Thomas Gemmeke von Baker Tilly Roelfs beleuchtete aktuelle rechtliche und steuerliche Aspekte bei Transaktionen. Ein Verkauf des Unternehmens sei in den meisten Fällen wesenentlich attraktiver als eine Liquidierung, so der Berater. Beim Verkauf gelte es aber, bereits im Vorfeld geeignete Strukturen zu schaffen und sich der Motive und des Erwartungshorizontes potentieller Käufers bewusst zu sein. Die Komplexität der Prozesse mache professionelle Hilfe oftmals unentbehrlich.
Verband möchte Unternehmen strategisch begleiten
DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt bekräftigte abschließend, dass man die strategische Unterstützung der Mitglieder weiterentwicklen möchte. Das Branchenforum habe wiederholt gezeigt, dass großes Intresse an enstprechenden Veranstaltungen und Projekten bestehe.
Die Veranstaltung, die sich an Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz richtet, fand zuletzt 2012 in München statt.
DeSH

Auch interessant

von