Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service
PEFC-Deutschland stellt am 26. August in Berlin den ersten Entwurf des neuen Standards vor. Ein Blick in den Sitzungssaal im Hotel Maritim

PEFC-Revision: Die öffentliche Konsultation beginnt

Will man den ersten Entwurf des neuen PEFC-Waldstandards mit Schlagworten charakterisieren, dann müssten sie lauten: Klimawandel, Jagd und Forstunternehmereinsatz.

Das machte die Konferenz am 26. August in Berlin deutlich, auf der PEFC Deutschland die vorliegenden Überarbeitungsvorschläge vorgestellt hat. Erarbeitet haben sie seit dem Beginn der Revision im Sommer 2019 fünf Abeitsgruppen, deren Ergebnisse die „Große Arbeitsgruppe PEFC-Standardrevision“ Ende Juli abgesegnet hat.

Stichwort Klimawandel

Dass der neue Standard den Klimawandel berücksichtigen muss, dafür reicht ein Blick in unsere Wälder. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Schreckenszahlen erst kürzlich nach oben korrigiert: Die offizielle Schadholzfläche beträgt jetzt 285.000 ha, und die geschätzte Schadholzmenge stieg von 160 Mio. m³ auf 178 Mio. m³. Der PEFC-Vorsitzende Prof. Andreas W. Bitter spricht angesichts dieser Zahlen von einer Dauerkrise, wie sie die Forstwirtschaft noch nicht erlebt hat. „Das widerfährt aber nicht nur den Waldbesitzern, sondern der ganzen Gesellschaft“, betont er.

Wenn das Land Nordrhein-Westfalen dieses Jahr erneut 15 Mio. Fm Schadholz aufarbeiten müsse, werde es 50 % seines ursprünglichen Fichten-Holzvorrates verloren haben. Diese Dimension ist seiner Überzeugung nach noch nicht in der Bevölkerung und bei den Politikern angekommen. Für ihn ist daher klar: „Wir haben eine Verpflichtung, uns beim PEFC-Standard sachgerecht und intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.“

In der Einführung des neuen Standards spiegelt sich diese Sicht auch tatsächlich wider. Sie spricht von einem Klimawandel, dessen Richtung unbekannt ist und nimmt die Waldbesitzer in die Verantwortung. Der Standard fordert die Waldbesitzer zum Beispiel dazu auf, die Bewirtschaftungspläne dem Klimawandel anzupassen (Standard 1.1). Man kann diese und andere Änderungen als adäquate Reaktion auf den Klimawandel bezeichnen. Eine andere Neuerung erscheint allerdings weniger ehrgeizig. So empiehlt der Entwurf jetzt zwar einen Mischbaumartenarteil von mindestens 20 %, spricht aber auch weiterhin schon bei 10 % von einem Mischbestand (4.1).

Stichwort Jagd

Ein zweiter Schwerpunkt des Revisionsprozesses ist die Jagd. Das ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens, weil sie Voraussetzung für den klimagerechten Waldumbau ist, und zweitens, weil in den Audits der Waldbesitzer nicht-angepasste Wildbestände seit Beginn der PEFC-Zertifizierung zu den häufigsten Verstößen zählen. Die Arbeitsgruppe Biodiversität & Wild schlägt dementsprechend eine Reihe von Änderungen vor. Der Standardtext selbst verpflichtet den Waldbesitzer zwar schon bisher dazu, im Rahmen seiner Möglichkeiten auf angepasste Wildbestände hinzuwirken (4.11). Das wird nun aber konkretisiert und durch einen erweiterten Leitfaden 6 ergänzt.

Letzterer führt beispielsweise für verpachtete Jagdbezirke strengere Kriterien für den gemeinsamen Waldbegang ein, der nun mindestens einmal jährlich stattfinden und auch dokumentiert werden soll. Zudem soll der Waldbesitzer nun nicht nur die Hauptbaumarten festlegen, sondern auch seine waldbaulichen Ziele beschreiben.

Seine Prämisse ist dabei ein partnerschaftliches Vorgehen von Waldbesitzer und Jäger bei der Abschussplanung. Klare Kennzahlen für tolerierbare Wildschäden legt der Entwurf dagegen nicht fest. Das hatte ein Dialogforum im Juni 2019 zu Beginn des Revisionsprozesses als wichtige Priorität bezeichnet. Auch härtere Sanktionen waren damals eine Forderung. Davon ist in dem Entwurf ebenfalls nicht viel sehen. Da aktuell die Abstimmung zur Novelle des Bundesjagdgesetzes läuft, bleibt offen, ob in diesem Kapitel nicht ohnehin Anpassungen nötig werden.

Stichwort Forstunternehmer

Die größten Änderungen des Standards finden sich beim Themenkomplex Bodenschutz und Forstunternehmereinsatz. Das drückt sich im neu gefassten Leitfaden 3 und einen komplett neuen Leitfaden 9 aus. Beide Leitfäden hat die große Arbeitsgruppe PEFC-Revision aber noch nicht diskutiert.

Anlass für die Änderungen beim Bodenschutz (2.5 und 2.6) war der Wunsch, die Inhalte des KWF-Berichtes „Bodenschonende Holzernte“ aus dem Jahr 2010 in den Standard einzuarbeiten. Diesem Wunsch ist die „Arbeitsgruppe Arbeitsverfahren/-technik“ gefolgt. Wie Christian Kaul vom Bayerischen Waldbesitzerverband berichtete, gab das Dokument allerdings nicht genug für den Standard her. Man habe deshalb die wichtigsten Kriterien zur Feinerschließung, zum Bodenschutz und zur Vermeidung der Gleisbildung selbst zusammengestellt.

Beim Unternehmereinsatz wird der neue Standard die Zertifizierungspflicht für den Unternehmereinsatz verschärfen. In Zukunft müssen im PEFC-Wald auch bei der Aufarbeitung von Kalamitäten zertifizierte Unternehmen beauftragt werden (6.4). Das gilt vordergründig nur für die hochmechanisierte Holzernte, bei der es Billiganbieter ohne Zertifikat in Zukunft also schwerer haben dürften. Aber auch für motormanuelle Arbeiten und die damit verbundene Rückung gibt es eine Lösung. Den Waldbesitzern obliegt in diesen Fällen zukünftig eine erhöhte Dokumentationspflicht. Sie müssen die Erfüllung der Standards selbst prüfen und sich von den Unternehmen die nötigen Bescheinigungen besorgen. Die Forstunternehmer hoffen, dass sie sich diese Mühen sparen werden und doch auf ein Unternehmerzertifikat bestehen.

Die umstrittene Ausnahme für Kleinstunternehmer bleibt allerdings bestehen: Betriebe, die nach § 19 UStG „Besteuerung der Kleinunternehmer“ keine Umsatzsteuer leisten, benötigen weiterhin kein Zertifikat.

Während die große Arbeitsgruppe diese Punkte bereits akzeptiert hat, fehlt ihr Votum noch bei zwei weiteren Themen. Wie bereits erwähnt gilt das für den neuen Leitfaden 9, der im Anhalt an das KWF-Merkblatt „Dienstleistungen in Holzernte und Holzbringung“ die Grundsätze für die Auftragsvergabe öffentlicher Waldbesitzer beschreibt. Offen ist außerdem das Thema biologische abbaubare Hydrauliköle und Schmierfette. Die Arbeitsgruppe konnte sich hier nicht über die geeigeten Testverfahren einigen. PEFC Deutschland hat daher einen unabhängigen Gutachter der Universität Duisburg damit beauftragt, Licht in die Angelegenheit zu bringen.

Wie geht es weiter?

PEFC Deutschland hat den Entwurf für den Waldstandard zusammen mit dem ebenfalls überarbeiteten Standard für den Erholungs-, Kur- und Heilwald sowie allen begleitende Dokumente am 26. August auf seiner Webseite veröffentlicht. Wer will, kann sich nun im Zuge der öffentlichen Konsultation bis zum 25. Oktober an der Revision beteiligen und weitere Änderungswünsche einbringen.

Am 27./28. Oktober kommt voraussichtlich ein letztes Mal die „Große Arbeitsgruppe PEFC-Revision“ zusammen und beratschlagt abschließend über die Dokumente und die neu eingegangen Diskussionsbeiträge. Der Abschluss des Revisionsprozesses obliegt dann dem Deutschen Zertifizierungsrat des PEFC, der die endgültige Fassung des neuen PEFC-Standards bis Ende dieses Jahres beschließen wird. In Kraft treten kann er allerdings erst, wenn im Laufe des nächsten Jahres auch PEFC International sein Einverständnis erteilt hat.

Oliver Gabriel

Auch interessant

von