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Parlamentarischer Abend zum Kulturgut Alleen

Parlamentarischer Abend zum Kulturgut Alleen

Auf Einladung von fünf Parlamentariern in Verbindung mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. kamen am 14. April 2016 in Berlin Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Vertreter des Bundesverkehrsministeriums und Experten aus den Verbänden zusammen, um über die Zukunft der deutschen Alleen zu diskutieren.

„Unsere Alleen sind als Kulturgut landschaftsprägend und geben unseren Verkehrswegen ein einzigartiges Gesicht. Diesen wichtigen kulturellen Schatz argumentativ gegen die Verkehrssicherheit auszuspielen, um Alleen künftig zu beseitigen, ist der absolut falsche Ansatz“, so der Präsident des Bundes deutscher Baumschulen, Helmut Selders.
Dr. Wolfgang von Geldern, Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), erläuterte das Engagement seines Verbandes: „Wir wollen Bewegung in die Änderung der RPS-Richtlinie bringen und hoffen, mit der Bildung der Arbeitsgruppe Kulturgut Alleen dieses Ziel schneller zu erreichen.“
Dr. von Geldern und Helmut Selders machten in ihren Statements darauf aufmerksam, dass Alleen nicht allein eine ästhetische Funktion im Straßenraum erfüllen. Auch die Gliederung des Straßenraumes und die damit verbundene optische Linienführung für den Verkehrsteilnehmer ist von großer Bedeutung. Nicht zuletzt ist auch die ökologische Brückenfunktion der Alleebäume, insbesondere für die Kleinfauna hervorzuheben. Vor diesem Hintergrund sind monotone Asphaltpisten keinesfalls die Alternative zu den jetzigen Alleen.
 
Die BdB- und SDW-Vertreter waren sich einig, dass eine angemessene Fahrweise und Schutzmaßnahmen durch Leitplanken an besonderen Gefährdungsstellen nötige Elemente sind, um ein Höchstmaß an Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Die vom Bundesverkehrsministerium vorgesehenen neuen Abstandsregeln von Bäumen an Straßen lehnten die Verbände ab, da dies faktisch das Aus für die Alleen wäre.
 
Abschließend dankten von Geldern und Selders den Parlamentariern dafür, dem „Kulturgut Allee“ eine interfraktionelle Arbeitsgruppe des Deutschen Bundestages zu widmen, um dieses wichtige Themenfeld politisch auf der Tagesordnung zu halten.
Alleen – Kulturgut versus Verkehrshindernis
Immer mehr Alleen werden aufgrund von Verkehrssicherungsmaßnahmen abgeholzt. Neuanpflanzungen sind praktisch nicht mehr realisierbar, seitdem mit der Richtlinie für Passive Schutzeinrichtungen (RPS) die Abstände für Neupflanzungen von Bäumen an Straßen von 4,5 m auf 7,5 m erweitert wurden. So verschwinden die imposanten Baumreihen nach und nach aus unserem Landschaftsbild. Dabei helfen Alleebäume dabei, das europäische Sicherheitskonzept der „selbsterklärenden Straße“ umzusetzen.
Alleen sind bei angepasster Fahrweise keine gefährlichen Hindernisse, sondern helfen bereits in der Ferne den Straßenverlauf zu erkennen und die Fahrweise anzupassen. Außerdem sind sie ein herausragendes Kulturgut und auch für die Artenvielfalt und den Klimaschutz entscheidend.
Forderungen der SDW zum Alleenschutz:
•  Alleenschutz muss zur Selbstverständlichkeit werden, auch für die Straßenbaulastträger.
•  Es bedarf einer flächendeckenden Kartierung von Alleen.
•  Der Schutz von Straßenbäumen und Alleen muss in alle Naturschutzgesetze integriert werden.
•  Wir brauchen flächendeckende Programme zur Neuanpflanzung und zur Sanierung alter Alleen.
•  Neufassung der RPS unter Hinzuziehung der Naturschutzverbände.
•  Schutzmaßnahmen, wie Leitplanken und Geschwindigkeitsbeschränkungen, sollten erstes Mittel zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sein.
•  Beim Straßenausbau muss der Erwerb von zusätzlichem Land für die Wiederanpflanzung gefällter Alleen vorgesehen werden.
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

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