Holzindustrie, -verbände

Parkettindustrie: Zu wenig Eiche am Markt

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Am europäischen Parkettmarkt herrscht Jubelstimmung. Eigentlich. Der Parkettverbrauch ist 2021 im Vergleich zu 2020 um 6,2 % gewachsen, liegt höher als 2019 und ist auf ein 10-Jahreshoch gestiegen. Die Parkettproduktion ist 2021 ebenfalls gestiegen, um 7 % auf über 82 Mio. m2, so hoch wie seit zu Beginn der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Das meldet der Verband der europäischen Parketthersteller FEP.

Eigentlich könnte also alles so schön sein, wenn das Wörtchen „Versorgungsengpass“ nicht wäre. Denn bereits im ersten Halbjahr 2022, so der FEP weiter, beobachte man Rückgänge in den europäischen Märkten. Fast alle nationale Mitgliedsverbände berichten, dass die Hersteller ihren Aufträgen mit der Produktion hinterherhinken. Die positive Entwicklung seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie, in der offenbar viele Menschen ihre Liebe zum Holzfußboden entdeckten, drohe abgewürgt zu werden. Die Nachfrage nach Parkett – und damit nach Eichenholz – ist groß, die Lieferketten haben schon unter Corona gelitten, die russische Invasion in der Ukraine tut ihr übriges.

Hohe Nachfrage, gestörte Lieferketten

Parketthersteller sind auf Birken-Sperrholz angewiesen, dass vor allem aus Russland kommt, und auf Eichenschnittholz aus der Ukraine, die den europäischen Parkettmarkt zu 30 % versorgt. Beide Materialquellen sind versiegt.

Man sehe deshalb die zwingende Notwendigkeit einer Diversifizierung der verwendeten Rohstoffe. Die Eiche ist so enorm beliebt bei den Fußbodenherstellern, weil sie in jeder beliebigen Richtung gefärbt und strukturiert werden kann. Jetzt müsse man überlegen, auf Holzarten ausweichen, die die gewünschte Farbe bereits haben, statt Eiche zu färben. Das zwinge die Parkettbranche dazu, die gesamte Produktionskette zu überdenken, was teuer, aber langfristig unausweichlich sei.

Parkettindustrie fordert Exportbeschränkungen

Neben diesen eigenen Bemühungen der Branche sei es zwingend notwendig, den Export von Rohstoffen aus Europa zu limitieren. Sonst riskiere man die Existenz europäischer Unternehmen, während man Rohstoffe an Länder und Unternehmen exportiere, die Regeln zu Wettbewerbstransparenz, Handelsverträge sowie Gesetze zum Schutz von Umwelt und Arbeitnehmern nur dann befolgen, wenn es ihren Interessen diene.

Die europäische Parkettindustrie fordert die EU-Behörden daher auf, ein Instrument wie eine Quote zu schaffen, um Eichenstämme in Europa zu halten. Darüber hinaus seien vorübergehende Maßnahmen für eine stärkere Mobilisierung der bestehenden europäischen Holzressourcen im Rahmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung notwendig.

Quelle: FEP