Baumpflege

Pappeltorso in Gauting mit Stützrahmen aus „Upcycling“-Carbon

Bearbeitet von Jörg Fischer

Der Pappeltorso im Ledererpark von Gauting an der Würm hat einen Stützrahmen aus Carbon erhalten. Damit soll sichergestellt werden, dass der Baum auch in Zukunft weiterhin seinen ökologischen Wert behalten und gleichzeitig die Gemeinde ihre Verkehrssicherungspflicht erfüllen kann. Das Autorenteam um Andreas Detter beschreibt in seinem Beitrag in AFZ-DerWald 20 2021 das Verfahren und erklärt die Hintergründe dieser Maßnahme.

Das Konzept zur Abstützung von Bäumen mit wiederverwerteten Carbonstäben wurde erstmalig im Siebentischwald von Augsburg erprobt. Die ursprüngliche Idee für solche Exoskelette geht zurück auf die Zusammenarbeit zwischen Franz Weißgerber von der Innovationsschmiede „iii-carbon Weißgerber GmbH & Co. KG“, Weimlingen, und Dr. Michael Heine aus All-mannshofen im Landkreis Augsburg, Carbon-Sachverständiger und Innovationsmentor des Branchenverbands Composite United (CU). Dieser hatte seinerzeit die Idee aufgebracht, die abgestorbene Napoleons-Tanne bei Wertingen mithilfe der ausgedienten Rotorblätter einer Windkraftanlage abzustützen, und sich daher an den Baum-Sachverständigen Andreas Detter vom in Gauting ansässigen Büro „Brudi & Partner TreeConsult“ gewandt. Aus dieser Anfangsidee bildeten die Beteiligten in der Folge gemeinsam mit Robert Dettenrieder von der Stadt Augsburg ein Projektteam, das zunächst im Jahr 2020 ein exemplarisches Exoskelett für einen abgestorbenen Buchentorso im Siebentischpark in Augsburg realisierte.

Für die umgesetzte Aufgabe, den noch lebenden Torso einer großen Pappel im Gautinger Ledererpark zu sichern, wurde dieses Verfahren vom Projektteam modifiziert und nach Entwürfen des Büros Brudi & Partner TreeConsult für eine neue Konstruktion verwendet. Dafür hat Franz Weißgerber eine neue Form des Upcyclings für Reststücke aus der regulären Fertigung von Rotorblättern für Windenergieanlagen entwickelt. Da der schräg stehende, noch immer durch Neuaustriebe begrünte Pappel-Reststamm wesentlich größere Belastungen auf das Exoskelett ausübt als der vollständig abgestorbene Buchentorso in Augsburg, wurden stärker dimensionierte Carbonstäbe mit speziellen Schraubfundamenten im Boden verankert. Durch diese Bauweise ist das Stützgerüst nach Ende seiner Einsatzzeit wieder vollkommen rückstandslos rückbaubar. Um die Schraubfundamente verletzungsfrei im Wurzelbereich einbauen zu können, wurde deren geplanter Standort zunächst Mitte Mai 2021 mit einer Druckluftsonde schonend bis in etwa 50 cm Tiefe freigelegt.

Aber warum eigentlich Carbon? Carbon besteht aus Kohlenstoff-Fasern mit einem Durchmesser von ca. sieben Mikrometern, die durch hochwertige Polymere fixiert werden. Dabei ist Carbon um bis zu 80 % leichter als Stahl bei mindestens gleicher Festigkeit. Neben seiner extrem hohen Steifigkeit bietet Carbon zusätzlich eine hervorragende dauerhafte Temperaturbeständigkeit, eine extrem niedrige Wärmeausdehnung und eine sehr hohe Korrosionsbeständigkeit. Es ist zudem um ein Vielfaches belastbarer bei deutlich geringerem Gewicht als z. B. Aluminium, vor allem gegenüber dynamischen Lastwechseln und Schwingungseinflüssen. Wenn irgendwann die Stützen nach dem Ende ihres Einsatzes zurückgebaut werden sollen, können die verwendeten Schraubfundamente rückstandslos wieder entfernt und das Carbonmaterial erneut für ähnliche oder andere Zwecke eingesetzt werden.

Den Beitrag in voller Länge lesen Sie in der Printausgabe 20 von AFZ-DerWald oder in unserem Digitalmagazin.

Text: Andreas Detter, Michael Heine