ForstBranche

Online-Karten: Was wächst wo in der Schweiz?

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Wo wachsen ökologisch wertvolle oder seltene Baumarten wie Eichen oder Eiben? Wo gibt es viele Heidelbeeren – und damit gute Auerhuhn-Lebensräume? Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL hat erstmals hochaufgelöste Online-Karten entwickelt, mit denen solche Fragen für 56 Gehölzarten des Schweizer Waldes flächendeckend beantwortet werden können.

Die Karten beruhen auf Daten des von der WSL durchgeführten Landesforstinventars (LFI). Auf den 6500 LFI-Stichprobenflächen werden sämtliche Bäume und Sträucher erfasst.

Statistisches Rechenmodell

Allein mit den LFI-Stichprobenflächen können jedoch keine Aussagen über deren Vorkommen für die ganze Schweizer Waldfläche gemacht werden. Um hochzurechnen, was dazwischen wächst, verknüpften die Forschenden die LFI-Daten mit schweizweiten Karten zum Klima, zur Bodenbeschaffenheit und der Topographie mit einem statistischen Rechenmodell.

Dieses errechnet für jede Gehölzart die für sie geeigneten Waldstandorte und zeigt die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens in einer Karte mit einer Auflösung von 25×25 m an. Die Forschenden haben das Modell ausgiebig getestet, sprich mit Beobachtungen verglichen. Bei insgesamt 56 der 150 vom LFI erfassten Arten war die Vorhersage qualitativ gut genug, um Karten zu erstellen. Diese sind nun auf einem frei zugänglichen WebGIS-Portal abrufbar. Um Missverständnissen vorzubeugen: „Die Karte zeigt das potenzielle, nicht das tatsächliche Vorkommen von Arten an“, sagt Andri Baltensweiler von der WSL-Forschungsgruppe GIS, der Projektleiter.

In Kombination mit Satellitenbildern half die Verbreitungskarte der Buche dabei, die Trockenheitsschäden an dieser Baumart im Sommer 2018 zu erfassen. Foto: Ulrich Wasem, WSL

Karten in Forschung und Naturschutz im Einsatz

Die Karten wurden von Förstern, Naturschutzfachleuten und Ökolgen schweizweit begrüßt. Bisher gab es einzelne Informationen zum potenziellen Vorkommen von Baumarten nur für einige Kantone. Mittlerweile sind die Karten in Forschung und Naturschutz im Einsatz. WSL-Forschende verwendeten die Verbreitungskarte der Buche, um mithilfe von Satellitendaten die Schäden an Buchen durch die Trockenheit 2018 zu erfassen. Die Verantwortlichen des Projekts «Ökologische Infrastruktur Mittelland» (ÖIM), das die Vernetzung von natürlichen und naturnahen Flächen zum Ziel hat, konnte ökologisch wichtige Waldflächen identifizieren.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten könnten sein:

  • Die Verbreitung von Heidelbeersträuchern kann auf potenzielle, schützenswerte Lebensräume für das Auerhuhn hinweisen. Ein WSL-Projekt hat gezeigt, dass im Jura und in den Voralpen die Vorkommen der seltenen Vögel an die der Heidelbeere gebunden sind.
  • Für Allergiker kann die Verbreitung zum Beispiel von Birken von Bedeutung sein; für Forstleute die Vorkommen von Arten, die besonders gefördert werden sollen.

Neu lässt sich zudem dank der Lidar-Technologie auch die Waldstruktur flächendeckend in das Modell einbetten. Lidar (Light Detection and Ranging) kann mit Hilfe von Laserlicht die dreidimensionale Struktur des Waldes erheben. „Für jede Zelle weiß man nun, ob der Wald hoch oder niedrig, dicht oder locker ist“, erklärt Baltensweiler. „Das hilft insbesondere bei der räumlichen Voraussage für lichtliebende Bäume oder Sträucher.“

Potenzielle Verbreitung der häufigsten Gehölzarten des Schweizer Waldes

Quelle: WSL