Forstpolitik

Ohne Waldbauern kein neuer Wald!

Bearbeitet von Rainer Soppa

Nach den gescheiterten Versuchen der letzten drei Jahre, ihre Wälder vor Dürre und Käfer zu schützen, fordern die Waldbauern in NRW dringend benötigte Einkommensalternativen zum Holzverkauf – die finanzielle Honorierung der Waldleistungen und den Ausbau der Windenergie auch im Wald.

Der zuvor in seinem Amt bestätigte Vorsitzende des Waldbauernverbandes Nordrhein-Westfalen, Dr. Philipp Freiherr Heereman, machte auf dem Waldbauerntag am 1. Oktober in Werl, im Beisein von Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und mehreren Landtagsabgeordneten, deutlich, dass sich der Wald und die Waldbäuerinnen und Waldbauern nach wie vor in der Krise befinden. Die Waldbesitzer sind dankbar für die bisherige staatliche Unterstützung, von einem angemessenen Krisenmanagement der Politik könne jedoch nicht die Rede sein. Die Krise sei leider viel zu spät als solche erkannt und es sei zu langsam und zu bürokratisch reagiert worden. Im Ergebnis seien 48 % der Fichtenbestände zerstört und viele Laubholzbestände geschädigt.

Damit Waldbesitzer, der Wald und die Waldfunktionen eine Zukunft haben, müssen neue Wälder mit vielen verschiedenen Baumarten etabliert werden. „Die Waldbesitzer stehen bereit für den neuen Wald.“, so Heereman. Um das leisten zu können, brauche es aber Einkommensalternativen zum Holzverkauf, denn bis zur ersten Holzernte dauere es mindestens 30 Jahre. Heereman stellte klar: „Solange können unsere Waldbauern ihre Luft aber nicht anhalten!“ und appellierte an die Politik und Verwaltung: „Wer einen neuen Wald wünscht – und das ist ein existenzieller Wunsch – muss die Leistungen des Waldes den Waldeigentümern honorieren. Hier geht es nicht um eine Subvention, sondern um das Auswerfen eines Rettungsringes und um eine längst überfällige Honorierung der Waldleistungen, die die Waldbesitzer der Gesellschaft seit Jahrzehnten unentgeltlich zur Verfügung stellen. Zusätzlich können Standorte für Windkraftanlagen im Wald helfen, die Einkommenslücke der Waldbaufamilien zu schließen.“

Der Vorsitzende stellte den Teilnehmern und explizit der Umweltministerin seine zwei neuen Stellvertreter, Eberhard Freiherr von Wrede (1. Stellv. Vorsitzender) und Berno Freiherr von Landsberg-Velen (2. Stellv. Vorsitzender) vor. Die Delegiertenversammlung des Verbandes hatte bei den Vorstandswahlen sie am Vormittag in den engeren Vorstand gewählt. Sie folgen auf die langjährigen Vorstandsmitglieder Ferdinand Funke und Hans-Friedrich Hardt. Die Delegierten bestätigten zudem die Vorstandsmitglieder Beatrix Boekstegers, Armin Kuhl und Max Freiherr von Fürstenberg in ihren Ämtern. Theo-Josef Nagel wählten die Delegierten erstmals als Beisitzer in den Vorstand. Er folgt auf Karl-Josef Stratmann, der nicht erneut kandidierte.

Heereman würdigte seine bisherigen Stellvertreter Ferdinand Funke und Hans-Friedrich Hardt für ihre außerordentlichen Verdienste für den Verband mit der goldenen Ehrennadel des WBV NRW. Beide hätten den Verband durch ihr unermüdliches Engagement wesentlich geformt und nach vorne gebracht. Eine Ehrennadel in Silber erhielten Karl-Josef Stratmann (Beisitzer) und Hermann-Josef Freiherr von Hövel (Berater) für ihr langjähriges Engagement im Vorstand.

Kommunalwald

Bürgermeister Christoph Ewers, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes der Gemeinden, Gemeindeverbände und öffentlich-rechtlichen Körperschaften in Nordrhein-Westfalen, ist sich sicher, Sorgen und Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, verbinden private und kommunale Waldbesitzer. Daher sei mehr denn je ein Schulterschluss der Verbände notwendig, unter anderem mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl 2022. Aus seiner Sicht sollte die Bündelung der Kräfte vor allem auf die Stärkung des Eigentums gerichtet sein. „Eigentümer müssen das Sagen haben, müssen akzeptiert und respektiert werden, egal ob Privat- oder Kommunalwald.“

Vergütung der Ökosystemleistungen

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser machte deutlich, dass sie eine Vergütung der Ökosystemleistungen des Waldes unterstützt. Wichtig sei ihr vor allem, dass die geplante Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) finanziert werde, denn die Verursacher des Klimawandels bzw. des Kohlendioxids sollten hierfür aufkommen. Alle Agrarminister und Bundestagsabgeordneten, unabhängig welcher Couleur, stünden bisher hinter diesem Vorschlag. Sie schaut daher optimistisch auf die neue Legislatur des Bundestages. Gleichzeitig müsse man hoffen bzw. sich dafür einsetzen, dass es nicht zu kompliziert werde. Vorschläge aus dem Bundesumweltamt ließen das befürchten.

Abschließend forderte sie die Waldbesitzer auf: “ Bitte bleiben Sie dabei! Wir sind stolz darauf, dass wir in NRW den größten Privatwaldanteil haben. Bitte wenden Sie sich bei Schwierigkeiten an das Ministerium, an den Landesbetrieb oder die Abgeordneten.“

Strategiewechsel

In einem Fachvortrag erläuterte Prof. Dr. Andreas W. Bitter, geschäftsführender Direktor des Institutes für Forstökonomie und Forsteinrichtung der Technischen Universität Dresden und Vorsitzender von PEFC Deutschland e. V. ausführlich ein mögliches Honorierungsmodell für die Klimaschutzleistung der Wälder. Anhand der Schadflächen- und Verjüngungssituation in den deutschen Wäldern zeigte er außerdem, dass es zwar in Zukunft nicht mehr den Brotbaum „Fichte“ geben werde, es aber weiterhin Nadelholz als „Brotbaum“ der Forstwirtschaft geben müsse! Grund dafür seien die besonderen Eigenschaften von Nadelholz für den Holzbau etc., aber auch besonders für den Klimaschutz. Hier sei dringend ein Strategiewechsel erforderlich, so der Referent. Waldbesitzer sollten bei der Wiederbewaldung auf „Mischung, Mischung, Mischung“ setzen. Dabei wäre es gut, wenn jeder Waldbesitzer anders als die benachbarten Waldbesitzer agieren würde. Nur so könne die Vielfalt, die gebraucht werde, um klimastabile Wälder zu erzielen, auch erreicht werden. Er warnte davor, sich für die Zukunftswälder an der potenziellen natürlichen Vegetation bei der Baumartenwahl zu orientieren. Aufgrund des Klimawandels verändern sich die Standortfaktoren langfristig (Standortdrift), so dass das bisher eingesetzte Baumartenspektrum entsprechend erweitert werden müsse.

Quelle: WBV NRW