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Der Kommunalwald braucht Hilfe!

Der Gemeinsame Forstausschuss der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände „Deutscher Kommunalwald“ informiert anlässlich der Bundestagung am 20.11.2019 in Ruhla (Thüringen) unter der Schlagzeile „Ohne starke Wälder kein Klimaschutz – der Kommunalwald braucht Hilfe!“ über die aktuelle Lage und die Verabschiedung eines Positionspapiers.

Heute, wo wir den Wald als Klimaschützer dringend brauchen, ist der Klimawandel mit voller Wucht in unseren Wäldern angekommen und setzt ihnen schwer zu. Stürme, extreme Dürre, Hitzewellen und massenhafte Vermehrungen von Borkenkäfern haben seit 2018 nationale Schäden mit katastrophalem und unübersehbarem Ausmaß angerichtet.

Die Politik habe den Ernst der Lage erkannt. So habe die Bundesregierung nunmehr 547 Mio. € für die Wiederbewaldung, den klimarobusten Waldumbau und die Förderung der Holzverwendung für die nächsten vier Jahre angekündigt. Jetzt müssen auch die Bundesländer ihren Beitrag leisten und die vom Bund in der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes bereitgestellten Mittel in Höhe von 478 Mio. € zu 40 % kofinanzieren, so der Gemeinsame Forstausschuss der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände „Deutscher Kommunalwald“.

Positionspapier

Auf der Bundestagung wurde ein umfassendes Positionspapier verabschiedet mit weiteren Maßnahmen, die aus Sicht der waldbesitzenden Städte und Gemeinden flankierend auf den Weg gebracht werden müssen:

  • CO₂-Speicherleistung und Ökosystemdienstleistungen der Wälder honorieren. Erlöse aus einem CO₂-Zertifikatehandel für die CO₂-Senkenleistungen des Waldes sollen auch den Waldeigentümern über eine „Klimaschutz-CO₂-Bindungsprämie“ als Kompensation ihrer Minderaufwendungen und Mindererlöse zugutekommen. Die Ökosystemdienstleitungen der Wälder müssen honoriert werden.
  • „Grüne Lungen“: Kommunen bei Verkehrssicherungspflicht entlasten. Der Klimawandel macht auch dem Stadtgrün und den städtischen Laubbäumen schwer zu schaffen. Dies ist nicht nur ein ökologisches Problem und schlecht für den Klimaschutz. Absterbende Stadtbäume verursachen enorme Verkehrssicherungsprobleme und Insekten wie der Eichenprozessionsspinner gefährden die Gesundheit der Menschen. Zudem verursachen sie Schäden in Millionenhöhe. Kommunen fordern personelle und finanzielle Unterstützung für die erhöhten Verkehrssicherungsmaßnahmen entlang öffentlicher Straßen und Wege. Bund und Länder sollen für mindestens zwei Jahre die Verkehrssicherungspflicht für waldbesitzende Städte und Gemeinden übernehmen.
  • Holzbauinitiative als Antwort auf Wohnungsnot in Städten. Die von der Agrarministerkonferenz geforderte Holzbauinitiative mit dem Ziel, die Holzbauquote in den nächsten 15 Jahren von 17 auf 34 % zu verdoppeln, ist ein starkes Signal für das Bauen mit Holz. Der Ausschuss appelliert an Bund und Länder, als Antwort auf die Wohnungsnot in den Ballungszentren, zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums und als wichtigen Beitrag zum Klimaschutz die Holzbauinitiative mit neuen Förderprogrammen und einem CO₂-Bonus zu flankieren. Gleichzeitig muss alles getan werden, damit Laubholz zukünftig eine stärkere Marktberücksichtigung und Unterstützung findet.
  • Windkraft auf Kalamitätsflächen. Durch die temporäre Nutzung von Nadelholz-Kahlflächen für Windkraftanlagen sollen Waldbesitzende sich neue Einkommensmöglichkeiten zur Finanzierung der Wiederbewaldung und des Waldumbaus erschließen können. Das setzt eine Flexibilisierung der raumordnerischen Vorgaben und eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren voraus. Kommunen sollen eigenverantwortlich über die Flächennutzung entscheiden können.
  • Klima-Investitionsfonds Wald. Der Ausschuss befürwortet die Gründung eines „Klima-Investitionsfonds Wald“ durch Wirtschaft, Stiftungen, öffentliche Hand und Verbände. Das Ziel: Der Ankauf von Kalamitätsflächen von Waldeigentümern, die ihren absterbenden Wald aufgeben wollen, und der Aufbau klimastabiler Wälder zur CO₂-Bindung. Die operative Umsetzung der Schadholzbeseitigung und der Wiederbewaldung soll durch die Landesforstverwaltungen erfolgen.
  • Auf die Jagd kommt es an. Eine Neujustierung der Bundes- und Länderjagdgesetzgebung pro Walderneuerung ist erforderlich, denn der Beitrag der Jagd zur Entwicklung klimastabiler Wälder ist entscheidend. Das Ziel ist nicht „Wald ohne Wild“, aber „Wald vor Wild“ und „Wald vor Jägerinteressen“. Wildbestände sind so zu regulieren, dass eine natürliche Verjüngung aller Hauptbaumarten ohne Zaun möglich ist. Die Jagdzeiten auf Bundes- und Länderebene sollen einheitlich auf den früheren Vegetationsbeginn eingestellt werden. Eine Bejagung von wiederkäuendem Schalenwild ab dem 1. April muss bundesweit ermöglicht werden. Koppelung der Waldförderung an waldgerechte Wildbestände und bundesweites Monitoring der Wildbestände durch flächendeckende Verbissgutachten.
  • Personal. Die Forstverwaltungen in den Ländern müssen in die Lage versetzt werden, die großen Herausforderungen auch personell zu meistern. Der stetige Personalabbau im Forstbereich in den letzten Jahren muss gestoppt und umgekehrt werden.
  • PR-Kampagnen. Die aktuellen Diskussionen in den Medien über den richtigen Umgang mit dem Wald sind ein gesellschaftlicher Prozess, der im Bewusstsein vieler Bürger zu einem Zwei-Klassen-Wald führt (gut: Wälder sich selbst überlassen; schlecht: Wälder nutzen). Um diesen gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen, braucht es breit angelegte PR-Initiativen, um die Bürger über die vielfältigen Leistungen des Waldes, der Forstwirtschaft und der Holznutzung zum Klimaschutz zu informieren. Das Ziel: Insbesondere bei den Menschen im urbanen Raum durch Aufklärung mehr Verständnis und Akzeptanz für die jetzt erforderlichen Maßnahmen zur Bewältigung des Waldsterbens zu schaffen. Der Ausschuss appelliert an Bundesministerin Julia Klöckner, ihre hierfür zuständigen Einrichtungen mit der Erarbeitung von PR-Kampagnen zu beauftragen.

 

Der Gemeinsame Forstausschuss „Deutscher Kommunalwald“ ist die repräsentative Interessenvertretung waldbesitzender Städte und Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und das Sprachrohr des deutschen Kommunalwaldes, der 25 % der Waldfläche einnimmt. Der Ausschuss setzt sich zusammen aus Vertretern des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, des Deutschen Städtetages und des Deutschen Landkreistages. Die Geschäftsführung liegt beim Deutschen Städte- und Gemeindebund. Vorsitzender des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“ ist Verbandsdirektor Karl-Heinz Frieden; die Geschäftsführung obliegt dem Geschäftsführenden Präsidialmitglied Dr. Gerd Landsberg. Der Forstausschuss trifft sich zweimal im Jahr zum Austausch mit Landräten, Bürgermeistern und Leitern großer kommunaler Forstbetriebe aus den Bundesländern.

Red./Deutscher Städte- und Gemeindebund

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