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Offener Brief: VDS an FSC Deutschland

FSC-Controlled wood risk assessment für Deutschland
Hier: Internationale Standards / IKEA

Sehr geehrter Herr Riestenpatt,

wie Ihnen sicherlich bekannt ist, haben die maßgeblichen deutschen Verbände der Holzindustrie im April 2011 die „Frankfurter Erklärung“ verabschiedet, die sich mit der Umsetzung der FSC Directive FSC-DIR-40-005 EN, ADVICE-40-005-17 beschäftigt. Zu diesen Organisationen gehört auch der VDS.

Ferner hatte der VDS im April 2011 die Geschäftsführung des FSC-Deutschland angeschrieben und auf die – nach unserer Überzeugung – kritische, unterschiedliche
Handhabung der FSC-Standards hingewiesen.

In unserem Schreiben vom 13.04.2011 hatten wir auf die Problematik aufmerksam
gemacht, dass für Deutschland geforderte Standards – nach unserem Eindruck –
wesentlich strenger gehandhabt werden, als dies in anderen Ländern unter dem Siegel „FSC“ tatsächlich der Fall ist.

Ein Fernsehbeitrag aus dem Westdeutschen Fernsehen zum Thema der Holzherkunft
von IKEA-Produkten (abrufbar unter http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2011/0801/02_ikeacheck.jsp) veranlasst uns, auf dieses Thema noch einmal zurückzukommen. Sie sind sicherlich darüber informiert, dass in dem Filmbeitrag der“Nachhaltigkeitsbericht“ des Unternehmens IKEA zitiert wird, in dem es u.a. heißt: „Um unsere niedrigen Preise anbieten zu können, müssen wir weltweit Holz einkaufen. Das bedeutet auch, dass wir Holz aus Regionen beziehen, in denen illegal gefällt wird und andere nicht nachhaltige Forstwirtschaftspraktiken herrschen.“

In dem Themenbeitrag wird ferner eindrucksvoll dargestellt, dass ein deutsches
Handwerksunternehmen, in diesem Fall ein Schreinerbetrieb, allein aus Kostengründen nicht in der Lage ist, mit Produkten der Firma IKEA auch nur ansatzweise zu konkurrieren. Selbst wenn man hierbei außer acht lässt, dass es sich bei den Produkten der Firma IKEA um industriell gefertigte Ware handelt, so wirft der Themenbeitrag jedoch einige Fragen auf, die nach unserer Auffassung durch FSC zwingend beantwortet werden müssen.

1.  Die in dem Filmbeitrag vorgenommene Rückverfolgung des Produktes hat deutlich ergeben, dass ein Produkt mit dem Siegel „FSC-Mix“ versehen werden kann, obgleich  der Hersteller dieses Produktes in seinem Nachhaltigkeitsbericht ausdrücklich darauf hinweist, dass er auch aus Regionen Holz bezieht, in dem illegal gefällt wird.

Es stellt sich daher die Frage, ob es zutreffend ist, dass tatsächlich ein derartiger
Widerspruch von FSC Deutschland / FSC International gebilligt wird, obgleich dies
nicht nur Auswirkungen auf zu schützende internationale Wälder, sondern sogar auf
die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der gesamten (deutschen) Holzwirtschaft hat.
 

 
Auf Ihrer Homepage (FSC Deutschland) wird apodiktisch darauf hingewiesen, dass
FSC die Einhaltung des „minimalen Verhaltenskodex“ verlangt, wozu z.B. der Ausschluss von illegal geerntetem Holz gehört.
 
 
Unter der Prämisse, dass die in dem WDR-Filmbeitrag geschilderte Situation den
Tatsachen entspricht, stellt sich für uns die Frage, ob bzw. wann Sie eine Korrektur
dieser Aussage vornehmen werden.
 
 
2.  Sollten die in dem Filmbeitrag gegebenen Informationen nicht den Tatsachen entsprechen, so gehen wir davon aus, dass der FSC Deutschland/FSC International
eine – juristisch dann wohl auch begründete – Gegendarstellung verlangen wird.

3.  Vor dem Hintergrund der in den Holzverbänden diskutierten Thematik zu den
controlled wood standards wären wir Ihnen verbunden, wenn Sie uns eine Antwort
übermitteln könnten. Wir möchten unseren Mitgliedsunternehmen, die sich ebenfalls
mit der Frage der Standards verschiedener Zertifizierungsorganisationen beschäftigen, natürlich umfassend Rede und Antwort stehen können.

 
 
Wir bieten Ihnen ausdrücklich unsere Zusammenarbeit an, um in der geschilderten
Problematik eine für alle Seiten befriedigende Lösung zu finden.

Mit freundlichen Grüßen
Verband der Deutschen
Säge- und Holzindustrie e.V.
Rolf Burdack
Geschäftsführer
 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
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