ABO
Produktion und Durchschnittserlöse für österreichisches Papier 1989 bis 2013. Quelle: Austropapier

Österreichs Zellstoff- und Papierindustrie

Bei ihrer Pressekonferenz legte Austropapier – Vereinigung der Österreichischen Papierindustrie – wenig erfreuliche Zahlen für die heimische Zellstoff- und Papierindustrie zum Jahr 2013 vor. „Der Produktionsrückgang von 3,3 % auf 4,8 Mio. t ging mit einem fast ebenso hohen Absatz- und Umsatzrückgang einher. Auch die Ergebnislage kann als Folge der hohen Rohstoff- und Energiekosten nicht wirklich befriedigen“, bedauerte Wolfgang Pfarl, Präsident von Austropapier, in seinem Einleitungsstatement.
Starke Weltmarkstellung überdeckt Nachfrageschwäche
Vom Rekordjahr 2006 und dem damaligen Papier-Produktionsrekord von 5,2 Mio. t ist Österreichs Industrie mit einem Ausstoß von 4,8 Mio. t weiter entfernt denn je. Bei den grafischen Papieren, deren Verbrauch durch die enorme und weltweite Verbreitung der elektronischen Medien rückläufig ist, war ein Rückgang um minus 3,6 % zu verzeichnen, wobei allerdings das Absatzvolumen im Bereich Zeitungspapiere umgekehrt leicht anstieg. Hygienepapier, Spezialpapiere und Dünn- und technische Papiere sind stabil geblieben, während die Verpackungspapiere um 3,6 % zurückfielen, was sich allerdings zur Gänze aus der Schließung der Wellpappepapier-Fabrik Hamburger in Frohnleiten erklärt. Die Zellstoffproduktion erreichte im Berichtsjahr 2,2 Mio. t und war damit um minus 2,0 % unter dem Vorjahr.
Vom Gesamtumsatz der Branche von 3,9 Mrd. € entfallen 87 % auf das Auslandsgeschäft. Mit dieser hohen Exportquote zählt Österreich weiterhin zu den stärksten Anbietern auf den Weltmärkten und stützt den österreichischen Außenhandel in durchaus beachtlicher Weise.
Leider wird diese starke Stellung im Ausland durch tendenziell schwieriger werdende Rahmenbedingungen für die heimischen Standorte unterlaufen. Konsequentes Kostenmanagement wird auf Dauer den Auftrieb der kritischen Faktorkosten, insbesondere für Holz, Energie und Arbeit, nicht ausgleichen können.
Gefahr der De-Industrialisierung
Max Oberhumer, Geschäftsführer der Sappi Austria Produktions-GmbH & Co KG, führte aus: „Eines der größten Probleme, mit denen wir als Branche zurzeit kämpfen, ist die Auswirkung des Ökostromgesetzes auf unseren Rohstoffbedarf, auf das Holz. Durch die Förderung der Verbrennung von Holz wird uns dieser Primär-Rohstoff so weitgehend entzogen, dass langfristig daraus eine ernsthafte Gefährdung einzelner Standorte unserer Industrie entsteht.“
Tatsächlich mussten 2013 mangels Inlandslieferungen von Rundholz und Hackschnitzel mehr als 40 % des Gesamtbedarfs importiert werden, davon rund 25 % aus weit entfernten Ländern, teilweise sogar aus Übersee.
Die Industrie verlangt die Überarbeitung des Ökostromgesetzes, dabei vor allem die Umstellung der Förderungen auf Investitionshilfen statt in ausufernde Grünstromtarifierung, und ein definitives Stopp für weitere Großkraftwerke auf Biomassebasis. Die kaskadische Nutzung von Holz, nämlich stoffliche vor thermischer Verwertung, schafft auch volkswirtschaftlich einen nachweislich viel höheren Nutzen.
Nachhaltigkeit und Verantwortung
Die Industrie warnt vor jüngst ausgegebenen, noch ehrgeizigeren klimapolitischen Vorstellungen der EU-Kommission, wobei ein angepeiltes CO2-Reduktionsziel von 40 % bis 2030 eine weitere Reduktion von 25 % in nur 10 Jahren verlangen würde, was technologisch unrealistisch ist.
Hingegen hat sich Österreichs Papierindustrie in das europäische Projekt „Roadmap 2050“ aktiv eingebracht und nimmt die langfristige Ausrichtung auf eine „Low-Carbon-Industry“ ernst. Um ehrgeizige Ziele (80-%-Abbau des CO2-Ausstoßes bis zum Jahr 2050) auch tatsächlich erreichbar zu machen, sind aber unterstützende politische Rahmenbedingungen erforderlich.
Austropapier
Weltproduktion von Papier und Zellstoff 2011 (Mio. t). Quelle: Austropapier/Cepi Produktion und Durchschnittserlöse für österreichisches Papier 1989 bis 2013. Quelle: Austropapier

Auch interessant

von