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Österreichische Forsttagung: Wälder im Klimastress

Sowohl die Österreichische Forsttagung am 23. und 24. Mai in Seckau bei Knittelfeld als auch das Aktionsprogramm Schutzwald der österreichischen Bundesregierung greifen die aktuelle Situation der Schutzwälder in Österreich auf und geben Antworten auf die gesellschaftliche Herausforderung des sich schnell verändernden Klimas. Die Schutzwaldstrategie wurde von zahlreichen Experten interdisziplinär ausgearbeitet und den über 400 Besuchern der Forsttagung präsentiert.

„Die negativen Folgen des Klimawandels sind längst im Wald angekommen. Großflächige Schäden durch Borkenkäferbefall, zusätzlich einwandernde Forstschädlinge, Windwürfe und Schneebruchschäden treffen nicht nur massiv die Waldbesitzer sondern auch direkt uns Menschen. Gerade in einem Gebirgsland wie Österreich sind funktionstüchtige Wälder, die Siedlungen und Verkehrswege schützen aber auch über die aktive Bewirtschaftung Einkommen in die ländlichen Regionen bringen, von besonderer Bedeutung. Ohne die Leistungen der Schutzwälder könnte Österreich nur rund zur Hälfte besiedelt werden“, sind sich die österreichische Bundesministerin Elisabeth Köstinger und Forstvereins-Präsident Johannes Wohlmacher einig.

Ein Wald der schützt

„Das vorliegende Aktionsprogramm Schutzwald zeigt, wie wichtig das politische Miteinander aller Stakeholder ist. Gemeinsam arbeiten wir in den nächsten Jahren daran, den Schutzwald durch Forschung und Entwicklung zukunftsfit zu machen, das Bewusstsein für die ökologischen Leistungen zu stärken und die Pflege wirtschaftlich attraktiv zu machen“, so Köstinger bei der Forsttagung. In Österreich erfüllen rund 1,2 Mio. ha Wald eine primäre Schutzfunktion, und jede vierte in Österreich profitiert von dieser nachhaltig wirkenden Schutzinfrastruktur. „Der Schutzwald ist ein wahres Multitalent. Er ermöglicht vielerorts erst die dauerhafte Besiedlung indem er vor Lawinen, Steinschlag und Muren schützt. Außerdem sichert er die Wasserqualität und bindet CO2. Die Auswirkungen des Klimawandels, neue Freizeitnutzungen und fehlende Attraktivität der Waldbewirtschaftung stellen den Schutzwald allerdings vor neue Herausforderungen. Das Aktionsprogramm liefert darauf starke Antworten“, ergänzte die Bundesministerin. Das vorliegende Aktionsprogramm zielt darauf ab, durch Investitionen in den Schutzwald von 29 Mio. Euro pro Jahr die Schutzfunktionen der Wälder wiederherzustellen bzw. auszubauen. Durch gezielte Forschung und Ausbildung soll außerdem die Wissensbasis für notwendige Anpassungen im Schutzwald erweitert , um somit einen resilienten und klimafiten Schutzwald zu schaffen.

Der Wald im Zeichen des Klimawandels

Der Wald steht seit mehreren Jahrzehnten vor Veränderungen und die Waldbewirtschaftung wird immer wieder danach ausgerichtet. Der steigende Anteil an Laubholz, mehr natürliche Verjüngung und das Auspflanzen klimaresistenterer Baumarten sind deutliche Signale. „Wenn wir gemeinsam den Wald retten wollen, dann müssen wir auf nachwachsende Rohstoffe und Energieträger umstellen und den hemmungslosen Verbrauch von fossilem Erdöl, Kohle und Erdgas stoppen. Das ist nämlich die Ursache des Klimawandels. Sollte uns das nicht gelingen, wird bei anhaltend schlechter werdenden Klimabedingungen gar kein Baum mehr wachsen“, sagte Wohlmacher und ergänzte: „Die wichtigste Antwort von Politik und Gesellschaft auf den Klimawandel wäre mehr Holz zu verwenden und erdölbasiere Produkte zu ersetzen. Nur so können wir alle einen positiven Beitrag leisten und den Klimawandel abschwächen. Daher unterstützen wir auch die Erarbeitung eines starken Aktionsplans zur Bioökonomie durch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, der dazu konkrete Maßnahmen setzt.“

Der Wald mit unterschiedlichen Funktionen

Der Wald als Erholungsraum wird immer attraktiver. Die Freizeitaktivitäten haben sich aber in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Heute fahren Mountainbiker auf die Berge, fliegen Paragleiter über die Gipfel und ziehen Variantenskifahrer ihre Spur durch verschneite Wälder. Das erzeugt Stress bei Tier und Mensch. Hirsche, Rehe, Auerhahn und Co. finden kaum noch Rückzugsgebiete und brauchen zum Flüchten viel Energie. Sie verbeißen daher vermehrt junge Bäume und nagen Baumrinde ab. „Die natürliche Regenerationskraft des Waldes muss voll genutzt werden. Dazu braucht es aber die aktive Unterstützung der Jäger, die vielerorts überhegte Wildbestände so anpassen müssen, dass die Naturverjüngung auch wachsen und gedeihen kann. Gerade im Schutzwald ist dies von größter Bedeutung. Müsste man den Wald durch technische Verbauungen ersetzen, würde das mehr als das Hundertfache an Kosten für die Gesellschaft verursachen“, betonte Wohlmacher und führte abschließend aus: „Der Klimawandel gefährdet auch die vielen Zusatzleistungen des Waldes, wie reines Wasser, Staubfilterung, Erholung oder eben den Schutz vor Lawinen. Diese können bei den sehr niedrigen Holzpreisen nicht mehr aus den Holzerlösen durch die Waldbesitzer finanziert werden. Es werden andere Finanzierungsquellen notwendig sein, wenn die Waldwirkungen, so wie wir diese gewohnt sind, erhalten bzw. wiederhergestellt werden sollen.“

Vorträge zur Österreichischen Forsttagung 2019 können auf der Homepage des Österreichischen Forstvereins nachgelesen werden.

Quelle: Österreichischer Forstverein

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