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ÖBf-Vorstände Rudolf Freidhager (l.) und Georg Schöppl präsentieren die Bilanz zum Geschäftsjahr 2015. Foto: APA/M. Hörmandinger

Österreichische Bundesforste mit sehr gutem Ergebnis 2015

Die Natur gibt den Takt vor: Hitzewellen, Windwürfe und Schneebruch ließen den Schadholzanteil in den Wäldern der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) im vergangenen Jahr auf 66 % deutlich ansteigen. Dennoch hielt die Betriebsleistung stabil bei 230,2 Mio. €. Auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) kam mit 24,5 Mio. € und der operative Gewinn (EBIT) mit 24,8 Mio. € auf hohem Niveau zu liegen, obwohl sich Naturereignisse auf die Marktsituation mit sinkenden Preisen nachteilig auswirkten.

Das nachhaltige Holzernteziel von 1,5 Mio. Erntefestmetern (Efm) konnte zum fünften Mal in Folge punktgenau eingehalten werden. Die Schäden in Folge der Wetterextreme waren mit 7 Mio. € zu beziffern, mehr als 3 Mio. € flossen allein in die Bekämpfung des Borkenkäfers. 2015 zeichnete sich durch Rekordinvestitionen von fast 25 Mio. € in erneuerbare Energie, Fischerei, Immobilien und Infrastruktur aus. Größtes langfristiges Investitionsprojekt ist mit 49 Mio. € bis 2017 der Windpark Pretul in der Steiermark. Die Stromproduktion aus Kleinwasserkraft und Biomasse konnte um 33 % auf 210 GWh gesteigert werden. Auch die Geschäftsbereiche Immobilien und Dienstleistungen konnten ihren Wachstumskurs fortsetzen. Mit 29,9 Mio. € liefern die Bundesforste erneut einen wichtigen Beitrag zum Bundesbudget, in das seit Neugründung 1997 in Summe mehr als 452,2 Mio. € eingezahlt wurden.
Schäden durch Schneebruch, Eisanhang und Windwürfe
Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste, erläutert: Schneebruch, Eisanhang und Windwürfe waren die Hauptursachen für einen massiven Anstieg der Schadholzmenge im letzten Jahr. Großflächige Schadereignisse blieben aus,jedoch gab es zahlreiche kleinräumige Schadensfälle. „Der Schadholzanteil ist von 35 % auf 66 % deutlich angestiegen. Mehr als eine Million der insgesamt 1,5 Mio. Efm war Schadholz. Die in Summe entstandenen Schäden beliefen sich auf rund sieben Millionen Euro.“ 
Rund 450.000 Efm gingen auf Schneebruch und Eisanhang zurück, knapp 400.000 Efm auf das Sturmtief „Niklas“ und etwa 150.000 Efm waren Käferholz, das allein im letzten Jahr ums Doppelte angestiegen ist. Betroffen waren vor allem die Regionen Waldviertel, Pinzgau und Pongau. Das Schadholz wurde im Rahmen der laufenden Holzernte abgearbeitet und in der Jahresmenge berücksichtigt.
Rekordinvestition von fast 25 Mio. €
„Trotz Schäden und einem etwas schwächeren Holzmarkt als im Jahr davor haben die Bundesforste auch 2015 viel investiert“, unterstreicht Georg Schöppl, Vorstand für Finanzen und Immobilien. „In Summe flossen fast 25 Mio. € in den Ausbau der Erneuerbaren Energie, Fischerei, Immobilien und Forstinfrastruktur. Damit lagen die Investitionen doppelt so hoch wie im Vorjahr.“ 
Investitionsschwerpunkt stellten der Bau zweier neuer Kleinwasserkraftwerke und eines Windparks dar und die Errichtung neuer Fischkulturanlagen im Salzkammergut samt Modernisierung der Fischverarbeitung. Weiters wurde in die Renovierung historischer Immobilien investiert sowie in Instandhaltung und Ausbau der Forststraßen. 2014 lagen die Investitionen bei 13,8 Mio. €.
30 Mio. € für die Republik
Mit ihrem Ergebnis leisten die Bundesforste wieder einen wesentlichen Beitrag zum Bundesbudget. „Fast 30 Mio. € gehen heuer wieder an den Staatshaushalt“, bestätigt Georg Schöppl. Die Dividende für 2015 beträgt 21 Mio. € (2014: 20 Mio. €), das Fruchtgenussentgelt 8,9 Mio. € (2014: 12 Mio. €). Seit seiner Neugründung schreibt das Unternehmen jedes Jahr Gewinne. Im langjährigen Durchschnitt lag die Umsatzrendite bei 10,5 %, 2015 betrug sie 11,8 %. „Für die Republik Österreich sind die Bundesforste damit ein verlässlicher und nachhaltig profitabler Partner“, so Georg Schöppl.
Schadholz führt zu leichtem Rückgang im Bereich Forst/Holz
Mit einer Betriebsleistung von 133,4 Mio. € wurden knapp 60 % des Gesamtumsatzes aus dem Bereich Forst/Holz erzielt (Holzproduktion und Holzhandel). Die Betriebsleistung kam leicht unter dem Vorjahr zu liegen (2014: 142,6 Mio.), was im Wesentlichen auf den erhöhten Schadholzanteil, leicht gestiegene Holzerntekosten und einen gesunkenen Holzpreis zurückzuführen ist.
Aufgrund zahlreicher kleinflächiger Schadholzaufarbeitungen in teils schwierigem Gelände stiegen die Holzerntekosten auf 26,70 €/Fm (2014: 25,40 €/Fm). „Trotz aller Herausforderungen haben wir die Erntekosten gut im Griff und forcieren die Kosten- und Prozessoptimierung weiter. Ziel bleibt es, die Effizienz dauerhaft zu steigern“, betont Rudolf Freidhager.
Der Holzpreis zeigt sich wie schon in den Vorjahren volatil und sank von durchschnittlich 79,40 €/Fm im Jahr 2014 auf 74,20 €/Fm im Jahr 2015. Die Nachfrage nach Holz aus allen Sortimenten – Rundholz, Industrieholz und Biomasse – blieb trotz Schadholz bedingter Schwankungen zufriedenstellend.
Zur Zwischenlagerung Schadholz bedingter Mehrmengen wurden österreichweit sechs Nasslager eingerichtet. Werthölzer und Spezialsortimente wie Zirbe und Lärche wurden verstärkt über die Auktionsplattform www.holzauktionen.at angeboten.
Mehr als 11 Mio. € für Waldpflege und Käferbekämpfung
Bedingt durch die Wetterextreme blieben die Aufwendungen für den Waldschutz auch 2015 auf einem hohen Niveau. „Die Kosten für verstärkte Waldpflege, Aufforstung und Borkenkäferbekämpfung betrugen 11,3 Mio. €“, beziffert Rudolf Freidhager den Gesamtaufwand. „2015 wurden erneut 3,1 Mio. Jungbäume gesetzt – seit 1997 in Summe rund 53 Mio. Das sind mehr als sechs Bäume pro Österreicherin und Österreicher“, so Rudolf Freidhager. „Dabei achten wir auf Artenvielfalt, setzen Standort gerechte Baumarten und sorgen für eine gute Durchmischung. Neben der Fichte, der Hauptbaumart Österreichs, wird die Lärche als Gebirgsbaumart immer wichtiger. Durch ihr spezielles Wurzelsystem hält sie Wetterextremen und Windwürfen besser stand als die Fichte. Mehr als ein Drittel aller gepflanzten Bäume waren 2015 bereits Lärchen“, erklärt der Vorstand. 
Mit knapp 60 % bleibt die Fichte jedoch weiterhin die am häufigsten gepflanzte Baumart neben regional typischen Gehölzen wie Tanne, Schwarzkiefer, Zirbe oder auch Douglasie. „Wir wollen“, so Freidhager, „die Wachstumsbedingungen für Jungbäume verbessern und den natürlichen Nachwuchs erhöhen. Denn die jährlichen Aufforstungen samt Jungwaldpflege und Schutz vor Wild und Weidevieh kosten jedes Jahr zwischen 7 und 8 Mio. €. Hier liegt Einsparungspotenzial.“ Im Jahr 2015 flossen allein in Aufforstungen 3 Mio. € (2014: 3,2 Mio. €). Die Käferbekämpfung schlug witterungsbedingt mit 3,1 Mio. € zu Buche, um 35 % mehr als im Vorjahr (2014: 2,3 Mio. €).
Nicht-forstliche Bereiche sichern langfristig Ertragskraft und Wachstum
Neben dem Kernbereich Forst/Holz tragen die nicht-forstlichen Bereiche Jagd/Fischerei, Immobilien, Dienstleistungen und Erneuerbare Energie wesentlich zum langfristigen Wachstum des Unternehmens bei. „Im Vorjahr kamen mit knapp 98 Mio. € bereits rund 40 % der Betriebsleistung aus den nicht-forstlichen Bereichen“, fasst Georg Schöppl zusammen. Die nicht-forstliche Betriebsleistung hat sich seit Neugründung 1997 von knapp 40 Mio. € auf knapp 98 Mio. € mehr als verdoppelt, während die forstliche Betriebsleistung im selben Zeitraum um 13 % von 118 Mio. € auf 133 Mio. € gestiegen ist.
Immobilien auf solidem Wachstumskurs
Im Bereich Immobilien ist die Betriebsleistung 2015 erneut gestiegen von 40,6 Mio. € (2014) auf 41,2 Mio. € (2015). Damit sind die Immobilien stärkster Geschäftsbereich neben Forst/Holz. Seit 1997 konnte die Betriebsleistung im Geschäftsbereich Immobilien verdreifacht werden. Die Erlöse aus Vermietung, Verpachtung und Tourismus entwickeln sich erfreulich, ebenfalls ungebrochen ist die Nachfrage nach Baurechten als alternative Form Kapital schonenden Bauens. Ende 2015 waren fast 500 Baurechte vergeben, auch im Vorjahr gingen wieder rund 20 Baurechte an Private, Bauträger, Wohnbaugesellschaften oder Investoren. Allein die Erlöse aus Baurechten betragen knapp 3 Mio. €, ein Wachstum von über 6 %. Investiert wurde mit 1,5 Mio. € in die Renovierung historischer Immobilien.
Forstliche Dienstleistungen im Aufwärtstrend
Ebenfalls positiv entwickeln sich die Geschäftszweige forstliche Beratung, forstliche Dienstleistungen für Dritte und technische Naturraumplanung. Die Betriebsleistung der forstlichen Dienstleistungen ist im Bilanzjahr auf 17,9 Mio. € gestiegen (2014: 17,5 Mio. €). „Deutlich gewachsen ist die Waldbewirtschaftung für Dritte mit 12,4 %. Im Moment bewirtschaften die Bundesforste mehr als 16.000 ha für Dritte“, so Rudolf Freidhager. Hinzu kommen Neukunden im Bereich Baumpflege und Beratungsleistungen im Tourismus. Im Bereich Dienstleistungen gibt es ein Steigerungspotenzial von 10 % jährlich, sieht Freidhager zukünftige Wachstumschancen.
Jagd und Fischerei entwickeln sich plangemäß
Im Geschäftsfeld Jagd wurde das hohe Niveau gehalten und die Betriebsleistung um 2,1 % auf 19,4 Mio. € gesteigert. Mit einer Betriebsleistung von 2,4 Mio. € liegt das Geschäftsfeld Fischerei im Plan. Kernstück ist die Speisefischproduktion im Salzkammergut. Die Produktionskapazität liegt aktuell bei rund 120 t Fisch jährlich und wird mit neuen Anlagen und Bruthäusern an der Riedlbachtraun und Kainischtraun (Salzkammergut) weiter ausgebaut.
Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie um 33 % gesteigert
Im Geschäftsbereich der Erneuerbaren Energie befinden sich sieben Kleinwasserkraftwerke im Vollbetrieb. Hinzu kommt das beste Betriebsjahr des Biomassekraftwerks Simmering in Wien mit mehr als 8.000 Betriebsstunden. Die Stromproduktion aus Kleinwasserkraft und Waldbiomasse konnte 2015 auf 210 GWh gesteigert werden (+33 % zum Vorjahr). Die Betriebsleistung der Kleinwasserkraftwerke einschließlich des Biomassekraftwerks Wien-Simmering betrug 2015 rund 22,5 Mio. €.
Größtes Investitionsprojekt Windpark Pretul
Mit einer Gesamtinvestition von 49 Mio. € ist der Windpark auf der Pretul (Stmk.) das größte Investitionsprojekt in der Unternehmensgeschichte der Bundesforste. 14 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 42 MW und einer Jahresleistung von 84 GWh werden 22.000 Haushalte versorgen. Zur Finanzierung des Großprojekts gewährte die Europäische Investitionsbank (EIB) ein Darlehen von 36,7 Mio. €. Es ist dies das erste Direkt-Darlehen der EIB in Österreich zur Finanzierung von Stromerzeugung aus Windkraft. 2016 wird der Windpark fertiggestellt. Die Inbetriebnahme ist für 2017 geplant.
Ausblick 2016
Rudolf Freidhager: „Die Holzernte wird auf einem nachhaltigen Niveau bleiben, die nicht-forstlichen Geschäftsbereiche für Dynamik sorgen. Das bedeutet Wachstum bei den Immobilien, Ausbau der Wind- und Kleinwasserkraft, ein Plus bei forstlichen Dienstleistungen und der Fischerei. Im Bereich Forst/Holz geht es auch in Zukunft um striktes Kostenmanagement. Unser Fokus liegt auf einer langfristigen Sicherung von Profitabilität und Ertragskraft, wobei wir sowohl ökonomische als auch ökologische und gesellschaftliche Ziele verfolgen und einhalten werden. Denn als Natur- und Nachhaltigkeitsunternehmen liegt es in der Natur der Sache, nicht nur im laufenden Geschäftsjahr gute Ergebnisse zu erzielen, sondern die Substanz langfristig zu erhalten und die uns anvertrauten natürlichen Ressourcen für kommende Generationen zu bewahren. Das Jahr ist gut angelaufen und wir sind zuversichtlich, den eingeschlagenen Kurs halten zu können.“ Sofern keine unvorhergesehenen Elementarereignisse eintreten.
Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) betreuen eine Fläche von rund 850.000 ha und bewirtschaften für die Republik Österreich 15 % der Wald- und 10 % der Landesfläche.
Österreichische Bundesforste
ÖBf-Vorstände Rudolf Freidhager (l.) und Georg Schöppl präsentieren die Bilanz zum Geschäftsjahr 2015. Foto: APA/M. Hörmandinger Schneebruch im Forstrevier Großarl (Sbg.) nach Sturmtief ?Niklas? Foto: ÖBf-Archiv/R. Schilcher

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