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Biodiversitätsstrategie, Österreich

Österreich: Verbände kritisieren Biodiversitätsstrategie 2030

Das österreichische Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) hat als Grundlage für die Entwicklung einer Biodiversitätsstrategie das Konsultationspapier „Mögliche Elemente einer Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030“ herausgegeben. Die öffentlichen Konsultationen wurden am 27. September geschlossen.

Was den Wald betrifft, haben Rudolf Rosenstatter, Obmann des Österreichischen Waldverband und Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich den das Papier kritisiert.

Fossile Energie reduzieren

So sehen internationale Studien und auch eine Studie für Österreich neben dem Klimawandel und invasiven Arten auch die Art der Landbewirtschaftung als Ursache für den Verlust an Biodiversität. Dem widerspricht Rosenstatter. Er sagt, die Klimakrise, hervorgerufen durch den ungehemmten Verbrauch fossiler Rohstoffe sei auch Hauptverursacher des Biodiversitätsverlustes. „Um Insekten zu schützen, braucht man nicht 10% der Wälder außer Nutzung zu stellen, wie dies im Entwurf der Biodiversitätsstrategie 2030 geschrieben steht. Vielmehr muss die Verwendung von Erdöl, Erdgas und Kohle rasch und deutlich reduziert werden“, so Rosenstatter.

Anhaltende Dürreperioden von 2015 bis April 2020 haben insbesondere im Wald- und Mühlviertel allen Bäumen schwer zugesetzt. Um den Ausflug des Borkenkäfers aus befallenen Hölzern zu verhindern oder neu gepflanzte Kuturen vor dem Rüsselkäfer zu schützen, sei punktuell auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig.

Mehr Holz verwenden

Im Entwurf der Biodiversitätsstrategie 2030 würden jedoch Maßnahmen vorgeschlagen, die eine verstärkte Verwendung des nachwachsenden und umweltfreundlichen Werkstoffes Holz verhindern.

Den besten Klimaschutzeffekt erziele man jedoch durch eine verstärkte Holzverwendung und den Ersatz CO2-intenisver Materialien. Ziele und Maßnahmen im „völlig verunglückten Entwurf“ einer Biodiversitätsstrategie verschlimmerten aber nicht nur die Klimakrise und den Biodiversitätsverlust, sondern gefährdet zudem zahlreiche grüne Arbeitsplätze in der für Österreich so wichtigen Wertschöpfungskette Holz.

„Beamtenentwurf“

Ähnlich äußert sich Felix Montecuccoli, der das Konsultationspapier zurück auf Start setzen will. In dem vorgelegten „Beamtenentwurf“ befinden sich laut Montecuccoli viele Maßnahmen und Zielsetzungen, die nicht nur negative Eingriffe in die Bewirtschaftung und Produktivität der heimischen Land- und Forstwirtschaft zur Folge hätten, sondern auch die Klimaziele und viele wichtige Ökosystemdienstleistungen für Gesellschaft und Umwelt konterkarieren.

So würden etwa die Erreichung der dringend notwendigen Klimaziele oder jene der Energiewende unterminiert. Auch die Umsetzung der Bioökonomiestrategie, die Forcierung regionaler Lebensmittel und heimischer Rohstoffe oder auch die Sicherung und Stärkung der nachhaltigen und multifunktionalen Waldbewirtschaftung seien mit einer Umsetzung der vorgelegten Ansätze so nicht möglich.

Partnerschaftiche Lösungen gefragt

Um Erhalt und Mehrung der Biodiversität erfolgreich zugestalten, benötige man partnerschaftliche Lösungen. Nur von Landbewirtschaftern und Grundbesitzern mitgetragene Biodiversitätsmaßnahmen hätten nachhaltige Erfolgsaussichten, dagt Montecuccoli und verweist auf erfolgreich umgesetzte Vertragsnaturschutzlösungen. Für die heimischen Land- und Forstwirte seien die Erhaltung und der Schutz der Artenvielfalt von höchster Bedeutung. Eine nachhaltige Bewirtschaftung von Österreichs Wiesen, Äckern und Wäldern seien dabei die Existenzgrundlage.

Stilllegung falscher Weg

Die Maßnahmen der Konsultationsunterlage fordern u.a. ein, dass weniger Holz geerntet und mehr Wälder außer Nutzung gestellt werden sollen. Dies habe in mehrfacher Hinsicht wesentliche negative Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf unser Klima. Klimaziele könne nur durch eine aktive und nachhaltige Forstwirtschaft erreichen. Auch für den Ausbau von Bioökonomie und Holzbau benötige man eine nachhaltige und aktive Forstwirtschaft. Wälder außer Nutzung zu stellen sei der falsche Weg.

BMK/WV/L&FB/Red.

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