Forstbetrieb

Österreich: ÖBf steigern Betriebsergebnis

Bearbeitet von Jörg Fischer

Der Klimawandel mit all seinen Folgen hat die Forstwirtschaft fest im Griff. Die Nachwirkungen der vergangenen Dürrejahre sind noch deutlich zu spüren. Das gilt auch für die Österreichische Bundesforste AG (ÖBf). Zwar konnte der Betrieb das Betriebsergebnis 2021 um mehr als 50 % steigern, der Schadholzanteil am Gesamtholzeinschlag bleibt aber weiterhin auf hohem Niveau. Insbesondere die nicht-forstlichen Geschäftsfelder verzeichneten einen deutlichen Zuwachs.

Die ÖBf berichtet aus dem Geschäftsjahr 2021 eines der besten Ergebnisse der Unternehmensgeschichte – und das trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen. So kam die Betriebsleistung mit 251,7 Mio. € ca. 10,8 % über dem Vorjahr (227,1 Mio. €) ab; der Gewinn vor Steuern (EBT) stieg um 56,6 % von 17,3 Mio. € auf 27,1 Mio. €. Auch der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) lag mit 39,7 Mio. € um 31,9 % deutlich über dem Vorjahreswert (30,1 Mio. €), ebenso wie das operative Ergebnis (EBIT), das um 54,2 % auf 27,6 Mio. € angestiegen ist (2020: 17,9 Mio. €).

Betriebsergebnis 2021: Wo lagen die Schwerpunkte?

Die größte Herausforderung für das Unternehmen sind nach wie vor der Klimawandel und seine Folgen. Mit 59 % der gesamten Holzerntemenge bzw. rund 1,1 Mio. Efm blieb das Schadholz 2021 auf dem hohen Niveau der Vorjahre (2020: rund 1,4 Mio. Efm; 2019: rund 1,1 Mio. Efm). Hinzu kamen Schäden an der Forstinfrastruktur von deutlich über 5 Mio. € durch Starkregenereignisse und Überschwemmungen.

Forstwirt bei der Aufarbeitung von Schadholz
Foto: W. Simlinger/ÖBf-Archiv

Trendwende im Kerngeschäft zeichnet sich ab

Auch wenn die hohen Klimawandelkosten die Profitabilität des Geschäftsbereichs Forst/Holz senken und das Ergebnis dadurch 2021 noch knapp negativ war, konnte die Betriebsleistung um 12,7 % auf 155,8 Mio. € gesteigert werden (2020: 138,2 Mio. €). Eine starke Baukonjunktur im In- und Ausland führte vor allem zu Beginn des Jahres 2021 zu einem regelrechten Absatzhype in der Sägeindustrie, der auch einen Anstieg der Rohstoffpreise zur Folge hatte, berichten die ÖBf. Diese bis ins dritte Quartal andauernde Entwicklung sowie die damit einhergehende erhöhte Nachfrage nach Holz in allen Segmenten trage wesentlich dazu bei, dass im Bereich Forst/Holz eine Trendumkehr eingeleitet werden konnte. Der hohe Lagerstand aufgrund von Schadereignissen der Vorjahre konnte nach Aussage des Unternehmens von rund 354.000 Fm im Laufe des Jahres wieder auf ein Normalniveau von ca. 127.000 Fm reduziert werden.

ÖBf investieren in erneuerbare Energien

Mehr als die Hälfte mit rund 54 % der ÖBf-Holzerntemenge ging 2021 in die Sägeindustrie, 31 % entfielen auf Industrieholz (Papier, Zellstoff, Platten) und rund 13 % waren Energieholz. Das teilten die Bundesforste mit. Vor allem die Bioenergie habe sich demnach in den letzten Jahren zu einer wichtigen Säule der Energieversorgung entwickelt. Im größten Wald-Biomassekraftwerk des Landes, das die ÖBf (Anteil 33,3 %) gemeinsam mit der Wien Energie betreiben, konnten laut Unternehmensbericht 2021 mit dem erneuerbaren Rohstoff Holz 120 GWh Strom und 158 GWh Fernwärme produziert werden.

„Trotz der trockenen Witterung lag der Geschäftsbereich Erneuerbare Energie unter anderem wegen der höheren Strompreise 2021 im Plus und trug deutlich zum Konzerngewinn bei“, berichtet Georg Schöppl, ÖBf-Vorstand für Finanzen und Immobilien. Die Betriebsleistung stieg 2021 somit um 3 % auf 16,9 Mio. € (2020: 16,4 Mio. €). Die Gesamtproduktion an Strom aus den ÖBf-Wind-, Wasser- und Biomassekraftwerken lag nach ÖBf-Angaben bei rund 278 GWh, was dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 80.000 Haushalten und einer CO2-Einsparung von rund 310.000 Tonnen entspricht.

Im Bereich Kleinwasserkraft erfolgte 2021 in Tirol plangemäß die Inbetriebnahme des neunten Kleinwasserkraftwerks an der Langer Grund Ache. Weitere Projekte in Hopfgarten in Tirol und in Kainisch in der Steiermark sind in Vorbereitung. „Ein großes Potenzial, um in Österreich unabhängig von Gas zu werden, sehen wir langfristig in der Windkraft“, so Schöppl. Gute Windverhältnisse sorgten nach Unternehmensangaben ab Mai 2021 für eine überdurchschnittliche Stromproduktion von in Summe rund 96 GWh (2020: 95 GWh). Der Fokus im Bereich Windkraft liegt auf der Erweiterung des Windparks Pretulalpe in der Steiermark um vier Windräder. Die Errichtung der Fundamente ist im zweiten Halbjahr 2022 geplant. Zur Entwicklung neuer Windkraftprojekte wurde darüber hinaus ein Kooperationsabkommen mit der Salzburg AG abgeschlossen.

Entwicklung am Immobilienmarkt

Den mit Abstand höchsten Beitrag zum Unternehmenserfolg leistete 2021 laut ÖBf erneut das Geschäftsfeld Immobilien. Die hohe Auslastung im Bau- und Baunebengewerbe hatte 2021 eine deutliche Erhöhung der Baukosten zur Folge, die aber durch die gleichzeitig steigende Nachfrage im Bereich Bodenressourcen ausgeglichen werden konnte. Ebenso erfolgreich verlief das Jahr 2021 im Geschäftsfeld Baurechte, in dem 2021 ein Erlös von 4,3 Mio. € und damit eine Steigerung um 6,8 % im Vergleich zum Vorjahr erzielt werden konnte. Die Bundesforste setzen darüber hinaus verstärkt auf die Entwicklung eigener Projekte mit Fokus auf ökologisch nachhaltige Bauweise. Die ÖBf betreuen rund 4.200 Objekte, von der Jagdhütte über Wohnhäuser bis hin zum Schloss Eckartsau, und sind damit nach eigenen Angaben einer der größten Immobilienbewirtschafter in Österreich.

Dienstleistungsmarkt

Im Bereich Dienstleistungen betrug die Betriebsleistung insgesamt 15 Mio. € und lag damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres, teilt die ÖBf in einer Pressemitteilung mit. Dies sei im Wesentlichen auf die gute Geschäftsentwicklung des Profitcenters Forsttechnik zurückzuführen. Auch die forstlichen Dienstleistungen, zu deren Aktivitäten vor allem die forstliche Beratung, das forstliche Bauwesen und die Naturraumplanung zählen, konnten demnach an die gute Ergebnisentwicklung der Vorjahre anknüpfen.

Rund 19.000 ha Wald wurden 2021 für private und kommunale Waldbesitzende bewirtschaftet und u. a. rund 100 Projekte im Bereich Baumbegutachtung und -kontrolle für Kommunen, Hausverwaltungen und Unternehmen betreut.

Im Bereich Naturraummanagement, zu dem beispielsweise auch die Betreuung der Nationalparks Donau-Auen und Kalkalpen sowie des Biosphärenparks Wienerwald gehört, erfolgte auch die Erweiterung des Wildnisgebiets Dürrenstein-Lassingtal (Steiermark/Niederösterreich) auf 3.500 ha mit Vertragsnaturschutz.

Nur eine der von ÖBf angebotenen Dienstleistungen: Baumbegutachtung und -kontrolle
Foto: W. Voglhuber/ÖBf-Archiv

Wie geht es 2022 weiter?

„Das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld ist derzeit von großen Herausforderungen geprägt, dennoch gehen wir optimistisch in das Geschäftsjahr 2022. Mit der Diversifizierung ist das Unternehmen breit aufgestellt, die Weichen für die Zukunft sind erfolgreich gestellt. Daher erwarten wir – abhängig von den unvorhersehbaren Folgen der Energiekrise und von Schadholzereignissen – sowohl eine positive Entwicklung in allen nicht-forstlichen Bereichen als auch im Kerngeschäft Forst/Holz. Bereits jetzt ist die Holzerntemenge in allen Sortimenten ausverkauft“, betont Rudolf Freidhager, ÖBf-Vorstandssprecher und ÖBf-Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz.

Hier geht’s zum Nachhaltigkeitsbericht der ÖBf.

Mit Material der ÖBf