Mit einem Anteil von 55 % ist Bioenergie der wichtigste erneuerbare Energieträger in Österreich. Wichtigstes biogenes Sortiment waren sogenannte Holzabfälle wie Hackgut, Sägenebenprodukte oder Rinde mit einem Anteil von 34 %.
Mit einem Anteil von 55 % ist Bioenergie der wichtigste erneuerbare Energieträger in Österreich. Wichtigstes biogenes Sortiment waren sogenannte Holzabfälle wie Hackgut, Sägenebenprodukte oder Rinde mit einem Anteil von 34 %.
|

Österreich: Ersatz fossiler Energien durch Holzenergie erreicht Allzeithoch

25. November 2022
Der Einsatz von Bioenergie hat im Jahr 2021 einen Rekordwert erreicht, ist der kürzlich veröffentlichten Energiebilanz Österreich der Statistik Austria zu entnehmen. 247 PJ Energie (68,6 TWh) entsprechen einem Anteil von 17 % am gesamten Bruttoinlandsverbrauch Energie Österreichs.

Mit einem Anteil von 55 % ist Bioenergie auch der wichtigste erneuerbare Energieträger in Österreich. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Einsatz von Scheitholz um 12 %, die Nutzung von Pellets gar um 19 % und erreichte damit ebenfalls einen neuen Höchstwert. Wichtigstes biogenes Sortiment waren aber sogenannte Holzabfälle wie Hackgut, Sägenebenprodukte oder Rinde mit einem Anteil von 34 %, vor Scheitholz (26 %), Ablaugen der Papierindustrie (14 %) und Pellets (8,7 %).

Dabei übertraf die inländische Erzeugung an Bioenergie mit 249 PJ den heimischen Verbrauch. Aufgrund der kälteren Witterung 2021 und der österreichweit um 12 % höheren Heizgradsummen ist vor allem der Einsatz von Energieholz als Wärmequelle stark gestiegen.

Holzenergie aus nachhaltiger Forstwirtschaft für Energiewende unverzichtbar

„Die Daten der Statistik Austria zeigen, dass Holzenergie aus nachhaltig genutzten Wäldern einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Energieversorgung und die Energiewende darstellt. Um es deutlicher auszudrücken: Ohne den weiteren Ausbau der Bioenergie müsste die Europäische Union ihre Ausbauziele für erneuerbare Energien drastisch nach unten revidieren“, fasst Christoph Pfemeter, Geschäftsführer des Österreichischen Biomasse-Verbandes zusammen.

Im Gegensatz zu aus Kriegs- und Krisengebieten importierten fossilen Rohstoffen werde Biomasse in Österreich erzeugt und stärke die regionale Wertschöpfung. „Holz aus Raubbau lehnen wir strikt ab“, betont Pfemeter. Die Tendenz raus aus Öl und Gas hin zur Holzenergie zeige sich bei den Verkaufszahlen moderner Holzheizungen, die im Jahr 2021 mit fast 20.000 Anlagen einen Rekord erreichten – ein Trend, der 2022 anhalte.

Nachhaltige Holznutzung nicht einschränken, sondern forcieren

„Die in der EU-Erneuerbaren-Energien-Richtlinie (RED III) von verschiedenen Seiten geforderten Beschränkungen für die forstliche Bioenergienutzung würden zu einer gefährlichen Angebotsverknappung führen und die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöste Energiekrise weiter befeuern“, schildert Pfemeter.

Notwendig sei das Gegenteil: Die nachhaltige Nutzung von Holzenergie aus der heimischen Forstwirtschaft müsse forciert werden. Das helfe dem Wald bei der dringend notwendigen Klimawandelanpassung und den Haushalten. Nachhaltig verfügbare Potenziale seien in ausreichendem Umfang vorhanden, müssen aber auch durch Investitionen in die Wertschöpfungskette mobilisiert werden.

Pfemeter beruft sich auf einen Brief, in dem 550 Wissenschaftlern an die EU-Kommission appellieren, Holz zu nutzen. In ihrem Schreiben halten sie fest, dass Biomasse aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung CO2-neutral und ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz sei.

Plädoyer für Bioenergie in Österreich

Mehr als die Hälfte der verbrauchten erneuerbaren Energie in Österreich, Europa und weltweit stelle die Bioenergie bereit. Dank des Bioenergie-Ausbaus könne Österreich auf Kohle- und Atomkraftwerke verzichten. Die Kapazität der in den vergangenen Jahren errichteten Holzenergie-Anlagen übersteige die sämtlicher abgeschalteter Kohlekraftwerke inklusive jener des AKW-Zwentendorf.

Die installierte Leistung, die an kalten Tagen für die Wärme- und Stromerzeugung abgerufen werden kann, betrage rund 28 GW. Das entspreche einer Leistung von etwa 39 Atomkraftwerken der Marke Zwentendorf.

Holzbrennstoffe basieren auf Reststoffen und Koppelprodukten, die im Wald bei der Waldpflege und bei der Produktion von Holzprodukten anfallen. Diese würden sonst ungenutzt verrotten und dabei CO2 freisetzen. Damit sei Bioenergie der günstigste nachhaltige Brennstoff für erneuerbare Fernwärme. Die Beheizung von Haushalten, KWK-Anlagen und die Energieversorgung der Holzindustrie benötigen die mit Abstand geringsten Förderhöhen. Für einen Kubikmeter verbautes Holz fallen sechs Kubikmeter Nebenprodukte an, die auch energetisch verwertet werden können.

Die energetische Nutzung dieser Nebenprodukte generiere die mit Abstand höchsten CO2-Einsparungen in der Nebenprodukte-Verwertung. Die Nutzung von Bioenergie in KWK-Anlagen sei laut IPCC die Grundlage zur Erreichung negativer Emissionen (BIOCCS, Biokohle), die für die Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles notwendig sind und unterstütze gleichzeitig den Kohlenstoff-Vorratsaufbau im Wald durch Klimawandelanpassung, Waldpflege und Forstschutz.

Quelle: Österreichischer Biomasse-Verband ÖBMV