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Peter Michelitsch ist gelernter Stahlbauschlosser und Dreher. In den Wald kam er, weil ihn die Harvestertechnik so faszinierte hat

Österreich: Käferholz ist mehr wert

Österreich hat nach den schlagartig verhängten Beschränkungen des öffentlichen Lebens die allermeisten Behinderungen wieder aufgehoben. Trotzdem läuft bei weitem nicht alles so an, wie es sich vor allem die Unternehmer aller Branchen so vorgestellt haben. Die Konsumenten und Auftraggeber sind äußerst zurückhaltend mit ihren Ausgaben und machen das Brieftascherl nur zögerlich auf.

Das soll nicht wundern. Denn die Zahl der Arbeitslosen (+ 90 % gegen 2019, Spitzenwert im Mai ganz knapp unter 600.000) und der in Kurzarbeit Befindlichen (mehr als 1,2 Millionen Menschen) macht schwindelig. Die Infektionsketten sind zwar in Österreich schnell erfolgreich unterbrochen worden. Doch die Lieferketten waren praktisch weltweit nicht mehr intakt.

Was hilft es, wenn der Unternehmer Holz erntet, der Frächter es auch abfahren kann, das Sägewerk aber bei Rundholz wie Bretterpaketen überquillt? Da geht es nicht nur um den Import von Käferholz aus dem Osten Europas, da spielen der Stopp der Baustellen am Kontinent und der fehlende Frachtraum auf dem Meer ganz entscheidend mit. Darum wollte die Politik ja schnell dem Bau wieder Schub geben. Doch es hapert an Details: Es kann nicht gebaut werden, wenn es vorher keine Bauverhandlung gegeben hat. Und die sind wegen Epidemiegesetzen lange nicht möglich gewesen. Diese Liste an „Der Teufel steckt im Detail“-Beispielen ließe sich ja unendlich lang fortsetzen.

Forstunternehmer sehen keine tragfähige Zukunft

Es melden sich ja täglich neue Berufsgruppen, die berechtigter Weise keine wirtschaftlich tragfähige Zukunft mehr sehen. Bislang untergegangen sind die Holzernteunternehmer. Peter Michelitsch vom Österreichischen Forstunternehmerverband weiß von vielen Kollegen, die durch das Raster der Beihilfen, Subventionen und Zuschüssen gefallen sind.

„Wer etwa wegen Neuanschaffung eines Großgerätes 2018 keinen Gewinn gemacht hat, dem ist eine Absage einer Förderung sicher.“ Arbeit gäbe es mehr als genug, die Stichworte sind schnell zur Hand: Alte und neue Windwürfe, Trockenschäden, Borkenkäferausbreitung auch in neue Regionen. Die Waldbesitzer vergeben im Schadholz keine Aufträge, geschweige denn lassen sie Vornutzungen durchführen. Der Holzpreis ist viel zu niedrig. Aber auch die Pufferung in Nasslager hat seine Tücken. Das Holz muss mehr Übermaß haben, das wurde in vielen Fällen nicht berücksichtigt. Zudem stellt sich das Problem, wie der Unternehmer zeitnah die Honorare für seine Arbeit erhalten soll. Es ist „öha“, wie es in Österreich heißt, wenn der Waldbesitz auf die Abfrachtung selbst ins betriebseigene Sägewerk zwei Monate warten muss. Wie sieht es dann mit betriebsfremden Lieferanten aus?

Zudem treten auch in der Waldbewirtschaftung starke Probleme auf. Es gab in vielen Wäldern zu wenig Niederschlag, dazu kommen neue Schädlinge und zu wenige Leute für die Wiederbewaldung, auch wegen umfangreicher Reisebeschränkungen für die Arbeiter aus dem Osten. Nicht nur Spargel und Erdbeeren wollen geerntet sein, auch der Baum gefällt oder die Setzlinge in die Erde gebracht.

Die unbezahlte Rinde

Und dann flammt auch noch Tiefgreifenderes auf. Wieder Peter Michelitsch: „Jeder Waldbesitzer schickt dem Sägewerk mit der am Bloch anhaftenden Rinde pro Lkw-Zug einen unbezahlten Heizwert von mindestens 100 Euro. Weder Waldbesitzer, Ernteunternehmer noch Holzhändler haben was davon. Erst der Säger freut sich über den Profit. Das muss sich ändern!“

Gleiches gilt seinem Steckenpferd, der Mineralölsteuer: „In zehn Jahren habe ich für meinen Harvester und den Forwarder 140.000 Euro Mineralölsteuer bezahlt, ohne dass ich nur einen Meter damit auf öffentlichen Straßen unterwegs war, was ja der Grund zur Einhebung der Steuer darstellt.“ Da es mit Aufträgen äußerst düster aussähe, wäre er gezwungen, auf die Notfallhilfe der Regierung zurückzugreifen. „Da habe ich kein schlechtes Gewissen.

Jetzt wäre es Zeit, mir als Unternehmer etwas unter die Arme zu greifen, denn weder meine Kollegen noch ich selbst haben diese Krise verursacht.“ Vor dem Bürokratiedschungel fürchte er sich nicht. „Es wird mühsam, das steht fest.“ Und: „Mit dem jetzigen Einbruch der Rohstoffpreise und der Einbruch der Erntemengen werden die Unternehmer über die Grenze der Belastbarkeit gebracht. Viele Unternehmer werden aufgeben und die vorhandenen Erntestrukturen werden zum Schaden des Waldes nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Kleines Detail am Rande: Bei Stichproben zur Kurzarbeit in anderen Branchen kam man sehr vielen Betrügern auf die Spur. Knapp 20% aller Antragsteller ließen Beschäftigte Vollzeit arbeiten und kassierten gleichzeitig Kurzarbeitsförderung.

Käferholz ist mehr wert

Aus Kärnten erreicht uns die Kunde, dass ab Mitte Mai für Fichte 2a+, Qualität A/C, frei Waldstraße 70 Euro bezahlt würden. Dazu kommt die lange geübte, aber sachlich wenig haltbare Einstufung von Käferholz als wenig wertvoll. „Käferholz ist eindeutig besser als Cx-Ware. Das sollte in einer Änderung der Holzhandelsusancen berücksichtigt werden.“ Michelitsch und viele seiner Kollegen haben aber das Vertrauen in die Papier- und Zellstoffindustrie sowie in die Sägewerke verloren: „So etwas wie Partnerschaft in Krisenzeiten kennt man dort nicht. Preise runter, importieren, was geht, und die heimischen Betriebe am langen Arm verhungern lassen.

So kann es nicht weitergehen.“ Die Sägeindustrie zeigt zwar teilweise Einsicht und will den Käferholzimport aus Tschechien reduzieren. Allerdings befürchten Experten massive Steigerungen des Käferholzanfalles etwa in Niederösterreich, dem größten österreichischen Bundesland. Waren es 2019 nach Schätzungen rund 2,2 Mill. FM, geht man in diesem Jahr von einer Käferholzmenge von 2,5 Mill. FM aus. Dazu kommen neue Schadgebiete, die den österreichischen Markt noch zusätzlich belasten werden.

Die Urproduktion in Feld und Wald steht man zwar seit Beginn der Krise deutlich positiver gegenüber. Der Bevölkerung muss noch mehr bewusst werden, was die Leistungen der gesamten Forstbranche für das Land bedeuten. „Kein Wald – kein Österreich. So einfach ist das. Ohne Forstwirtschaft schaut es auch mit dem Tourismus finster aus.“ unterstreicht Michelitsch seine Argumente.

Anton Friedrich

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