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v.l.: DI Dr. Rudolf Freidhager (ÖBf)

Österreich: Bundesforsten untersucht erstmals Bedeutung des Waldes für Wildbienen

Der Wald – ein Wildbienenparadies? Eine gleichnamige Studie der ORF-Umweltinitiative Mutter Erde und Österreichischen Bundesforste (ÖBf), durchgeführt vom Umweltbundesamt, beschäftigt sich mit der bislang wenig erforschten Situation der Wildbienen in Österreichs Wäldern.
„Wälder bieten Wildbienen einen unersetzlichen Lebensraum und lebensnotwendige Nahrungsquellen“, fasst Rudolf Freidhager, Vorstandssprecher der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) die wichtigsten Ergebnisse zusammen. Wildbienen bevorzugen warme und trockene Wälder, Waldränder oder Lichtungen als Nist- und Brutplätze und Nahrungsquellen.
Hildegard Aichberger, Geschäftsführerin der ORF-Umweltinitiative Mutter Erde und Initiatorin des heurigen Themenschwerpunktes „Wildbiene“, fügt hinzu: „Knapp 700 Wildbienenarten leben in Österreich. Mit ihrer Bestäubungsarbeit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Mit der Studie wollen wir die Situation und Lebensraumanforderungen der Wildbienen in Österreichs Wäldern erstmals erforschen und damit einen Beitrag zum Erhalt der Wildbienenpopulationen leisten.“
Baumhöhlen als Nistplätze
„Wildbienen nutzen Baumstrünke, Baumhöhlen oder hohe Wurzelstöcke gerne als Nistplätze“, erläutert Freidhager. Die auf der Roten Liste stehende Holzbiene (xylocopa) etwa verwendet alte Käfergänge im Holz für ihre Bruten oder nagt selbst welche. Die Gänge werden in einzelne Zellen unterteilt, und in jeder dieser Zellen wächst eine Bienenlarve heran, die sich vom eingelagerten Pollen und Nektar ernährt. Auch durch natürliche Einflüsse wie Blitzschlag, Waldbrand, Alter oder Insektenbefall absterbende Bäume bieten den Wildbienen wertvolle Brut- und Nistplätze. So kann ein vom Sturm gebrochener Baum über viele Jahre hinweg Brut- und Lebensraum für Wildbienen sein. „Altes, abgestorbenes Holz lassen wir mancherorts gezielt stehen“, so der Waldexperte. Einige Wildbienen-Arten brauchen Totholz auch zur Larvenbildung.
Wildbienen lassen sich gerne in Laubhölzern nieder und besiedeln Eichen, Buchen, Eschen, Ulmen oder Obstbäume. Auch Waldränder bieten vielfältige Nistmöglichkeiten. Rund 50 % der Wildbienen nisten am Boden, viele auch in Röhrensystemen wie etwa hohlen Baumlöchern. Diese Strukturen müssen im Lebensraum der Bienen vorhanden sein, so Freidhager.
Blühende Bäume als Nahrungsquelle
Ergänzend zu Blumenwiesen stellen blühende Bäume und Sträucher im Wald eine wichtige Futterquelle für Wildbienen dar. Berg- und Spitz-Ahorn, Vogelkirsche, Elsbeere, Lindenarten oder Weiden sind beliebte Nektarquellen. Auch Hartriegel, Liguster, Kreuz- und Weißdorn, Rosskastanie und Vogelbeeren werden von Wildbienen aufgesucht. Insbesondere die Weiden sind essentielle Nahrungsquellen, weil sie bereits im zeitigen Frühjahr Pollen für die Bienenvölker bereitstellen. Sie zählen zu den wertvollsten Bienen-Futterstoffen überhaupt. Bienenfreundliche Baumarten werden in den Wäldern gezielt gefördert, betont Freidhager die Artenvielfalt.
 

Hier die Studie zum Herunterladen

 
Österreichische Bundesforste
v.l.: DI Dr. Rudolf Freidhager (ÖBf) DI Dr. Hildegard Aichberger (Mutter Erde)

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