Forstbetrieb

Nachhaltigkeitsbericht: Positives Geschäftsjahr 2020 für die ÖBf

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Pandemie, Klimakrise und Marktverwerfungen: Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen konnte die Österreichische Bundesforste AG (ÖBf AG) das Geschäftsjahr 2020 mit einem sehr guten Ergebnis abschließen. Die Konzernbetriebsleistung kam mit 227,1 Mio. € um 2,1 % über dem Vorjahr (222,4 Mio.) zu liegen.

Das EBITDA lag mit 30,1 Mio. € deutlich über dem Vorjahreswert (24,4 Mio.) ebenso wie das EBIT, das mit 17,9 Mio.€ ein Plus von 35,6 % (2019: 13,2 Mio.) aufweist. „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Klimawandels sorgten 2020 für enorme Verwerfungen auf dem Holzmarkt. Der Rohstoffpreis sank auf ein Zehn-Jahres-Tief, während die Klimawandelkosten auf ein historisches Hoch stiegen. Darüber hinaus führten Rekordimporte und enorme Schadholzmengen zu einer Überlastung des Marktes“, fasst Rudolf Freidhager, Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz, das Geschäftsjahr anlässlich der Bilanz-Präsentation zusammen. „Trotz der Doppelmühle aus Corona und Klimawandel liegt das Ergebnis deutlich über den Erwartungen. Alle nicht-forstlichen Bereiche sind sogar teils deutlich gewachsen“, resümiert Georg Schöppl, Vorstand für Finanzen und Immobilien.

Gut durch die Krise gesteuert

Die Corona-Pandemie hat die Bundesforste wie alle Unternehmen vor eine gänzlich neue Situation gestellt. Dazu kam die herausfordernde Lage am Holzmarkt. Beides zusammen erforderte sehr gezieltes Management. „Obwohl im ersten Halbjahr die Markströme markant eingebrochen sind, haben wir unsere Produktion und die Aufarbeitung des Schadholzes auf Hochtouren weitergeführt. Dabei hat sich bewährt, dass wir seit vielen Jahren verstärkt auf Digitalisierung setzen und schlank aufgestellt sind“, erklärt Georg Schöppl.

Krisensicher durch Diversifizierung

Schon in den vergangenen Jahren wurde deutlich, wie wichtig die Diversifizierung für das Naturunternehmen Bundesforste ist. Im Krisenjahr 2020 machte sich die strategische Entwicklung der nicht-forstlichen Geschäftsfelder besonders bezahlt. „Indem wir die nicht-forstlichen Bereiche weiter ausbauen, sichern wir die langfristige Ertragskraft des Unternehmens und machen es resilienter gegenüber unsicheren Entwicklungen und Marktschwankungen. Das hat sich im vergangenen Jahr besonders bewährt“, erklärt Georg Schöppl. Kerngeschäft bleibt aber auch weiterhin der Bereich Forst/Holz mit einem Anteil an der Betriebsleistung von 53 % (115,3 Mio. €).

Turbulenter Holzmarkt

Aufgrund des hohen Schadholzaufkommens in ganz Mitteleuropa war der Markt bereits seit den Vorjahren massiv überlastet, die Lager waren voll. Dennoch war das Krisenjahr auch das Jahr der Rekordimporte: es wurde so viel Holz nach Österreich importiert wie in den letzten zehn Jahren nicht. Dazu kam die pandemiebedingte Verunsicherung der Märkte, was zu einem neuerlichen Nachgeben des Holzpreises führte. Mit einem Durchschnittspreis von 57 €/fm war es der schlechteste Holzpreis seit zehn Jahren, er lag nochmals um 2,3 Euro/fm tiefer als 2019. Ab Sommer zeichnete sich aber eine gute Auftragslage in den Sägewerken ab, die Bauwirtschaft zog an und die Preise begannen zu steigen. Im vierten Quartal haben die ÖBf zusätzliche Mengen mobilisiert und die täglichen Liefermengen auf rund 11.000 Festmeter nahezu verdoppelt, um die steigende Nachfrage am heimischen Markt zu decken.

Klimawandelkosten auf historischem Hoch

Stark prägend für das ÖBf-Jahr 2020 waren einmal mehr die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels. „Mit 48 Mio. € sind die Klimawandelkosten 2020 weiter nach oben geschnellt und haben ein neues Rekordhoch erreicht (2019: 42,1 Mio.). Damit haben sich die Klimawandelkosten in den letzten vier Jahren mehr als verdreifacht.“ Dies entspricht fast einem Viertel der Betriebsleistung. Treiber waren vor allem die großen Schadholzmengen in ganz Europa, allen voran in den Nachbarländern Deutschland und Tschechien, die gesunkenen Holzpreise, aber auch die Mehrkosten für Waldpflege und Käferbekämpfung. Allein die Mindererlöse aus dem Holzverkauf machen rund 32 Mio.€ aus.

Schadholzanteil auf hohem Niveau

Eine der offensichtlichsten Folgen des Klimawandels ist der hohe Schadholzanteil aufgrund von Wetterextremen, Stürmen, Trockenheit und Käferbefall. Obwohl das letzte Jahr dem Borkenkäfer eher unfreundliche Witterungsbedingungen bot, blieb das Schadholz auf hohem Niveau und ist erneut leicht angestiegen, von 79 % auf 81 % bzw. rund 1,4 Mio. Efm. Hauptursachen für den neuerlich sehr hohen Wert waren die Aufarbeitung der Schäden aus dem Vorjahr und die Folgeschäden des Schneebruchs nach dem Jahrhundertschnee im Jänner 2019.

Kerngeschäft Forst/Holz stabil

Trotz der Schwankungen im Jahresverlauf, den Marktverwerfungen nach dem ersten Lockdown im März 2020, dem hohem Schadholzanteil und der enormen Klimawandelkosten konnte die Betriebsleistung im Kernbereich Forst/Holz mit 138,2 Mio. € (2019: 138,6 Mio.) mit einer stabilen Seitwärtsbewegung gehalten werden. Die Holzerntemenge blieb trotz der starken Marktverwerfungen und des erhöhten Schadholzanteils mit knapp 1,7 Mio. Efm im nachhaltigen Plan wie bereits – ausnahmslos – auch in den letzten zehn Jahren.

Ausblick 2021: Mit Zuversicht aus der Krise

„Wir gehen mit Zuversicht aus der Krise“, zeigt sich Rudolf Freidhager optimistisch. „Im Kerngeschäft Forst/Holz ist das Jahr gut angelaufen, die Auftragsbücher sind voll, die Jahresmenge nahezu ausverkauft.“ Aufgrund der feucht-kalten Witterung im Frühjahr könnte es auch zu einer Beruhigung der Käfer- und Schadholz-Situation kommen. Aktuell läuft die Holzproduktion auf Hochtouren. Die Bundesforste werden auch heuer die nachhaltig verfügbare Holzerntemenge von rund 1,7 Mio. Fm voll ausschöpfen und auf den Markt bringen. Trotz der derzeit enorm hohen Nachfrage soll dem Wald nicht mehr entnommen werden als nachwächst und die nachhaltige Holzerntemenge auch 2021 eingehalten werden. Ziel bleibt eine stete Versorgung des österreichischen Marktes mit Holz aus nachhaltiger Produktion. Mittel- und langfristig soll der Ausbau der nicht-forstlichen Bereiche vorangetrieben werden, vor allem im Bereich Immobilien und Erneuerbare Energie, um von Marktschwankungen im Kerngeschäft weiter möglichst unabhängig zu bleiben.

Den Nachhaltigkeitsbericht 2020 können Sie hier herunterladen.

Quelle: ÖBf