ABO
Oberforstmeister a. D. Walter Schwanecke verstorben

Oberforstmeister a. D. Walter Schwanecke verstorben

Am 4. Dezember 2016 verstarb nach längerer Krankheit Oberforstmeister a. D. Walter Schwanecke im Alter von 93 Jahren in Weimar. Sein Name ist untrennbar mit der ostdeutschen Standorterkundung verbunden.
Walter Schwanecke entstammte einer Akademikerfamilie. Nach Abschluss der Lehre als Flugzeugbauer wurde er zur Wehrmacht einberufen. Nach Kriegsende arbeitete er als Elektriker im Braunkohletagebau aber aufgrund einer schweren Kriegsverletzung musste er die Arbeit aufgeben und nahm 1946 eine Lehre im Wernigeroder Stadtforst auf und bereits 1949 verließ er die Landesforstschule Sachsen-Anhalts in Stolberg als Revierförster (Versuchsrevier Dessau-Törten). Im gleichen Jahr wurde er als Lehrer an die neu eröffnete Landesforstschule in Ballenstedt berufen, 1952 wechselte er zur Forstpflanzenzüchtung nach Heteborn. 1954 wurde ihm die Referentenstelle für Standortskunde für das damalige Land Sachsen-Anhalt mit Sitz in Halle übertragen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit absolvierte er extern ein Studium an der Hochschule für Forstwissenschaften in Eberswalde. Das 1955 neu geschaffene Institut für Forsteinrichtung und forstliche Standortserkundung Potsdam übertrug ihm die Oberreferentenstelle Standortskunde für den Arbeitsbereich der Dienststelle Weimar. 1959 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Direktionsbereich Forschung und Entwicklung des Potsdamer Instituts, und somit Leiter der Entwicklungsgruppe für das Mittelgebirge und Hügelland der DDR mit Sitz in Weimar. Diese Tätigkeit übte er bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahre 1990 aus. Nebenbei war er noch bis 1992 Dozent für Standortskunde an der Forstfachschule in Schwarzburg.
Das Wirken Walter Schwaneckes stand im Dienst der forstlichen Standorterkundung und der zweigübergreifenden Naturraumerkundung. In Zusammenarbeit mit Dr. Dietrich Kopp entwickelten sie eines der weltweit besten Kartierverfahren, welches seit 1962 bis heute in den ostdeutschen Bundesländern angewendet wird und sich auch unter tropischen Bedingungen bewährt hat. Zu den Leistungen aus der Fülle seines Arbeitslebens sollen hier nur die Entwicklung der Stamm-Vegetationsform, einer diffizileren Form der Waldgesellschaft, die Baumartenoptimierung, die Bildung der Bestockunszieltypen, die fachliche Planung und Leitung der ökologischen Waldzustandskontrolle (ÖWK) und Fruchtbarkeitskontrolle, die maßgebliche Beteiligung an der Arbeitsgruppe „Harzwälder“ und erste Vorstellungen über Entwicklung der Biotopkartierung genannt sein. Nicht unerwähnt bleiben sollen seine mehrmonatigen standortskundlichen Entwicklungshilfe-Aufenthalte in Vietnam zwischen 1970 und 1974 sowie 1980 und 1982.
In den 1980er Jahren bis zur Wende arbeitete Walther Schwanecke mit dem Institut für Geografie und Geoökologie in Leipzig bei der Akademie der Wissenschaften der DDR zusammen, um eine zweigübergreifende Naturraumkartierung auf Basis der forstlichen Standorterkundung für die südlichen Bezirke zu erproben.
Nach seiner Versetzung in den Ruhestand arbeitete Walter Schwanecke unermüdlich weiter. So erstellte er den lange fälligen Bodenformenkatalog für das Mittelgebirge/Hügelland vor, erarbeitet für Sachsen-Anhalt und Sachsen die Wuchsgebiets und -bezirksgliederung sowie für den sachsen-anhaltinischen Harz- und Hügellandsbereich einen Merkmalspiegel für einen großen Teil der Lokalbodenformen.
Walter Schwaneckes Erbe besteht nicht nur aus einer nahezu flächendeckenden Standortkartierung, sondern auch aus etwa 110 Veröffentlichungen und Richtlinien bei denen er Haupt- als auch Co-Autor war, sowie aus etwa 30 unveröffentlichten Forschungsberichten und Entwicklungsarbeiten. Aus der Vielzahl der Veröffentlichungen möchte ich das in Zusammenarbeit mit Dr. Kopp verfasste Werk der „Standörtlich-naturräumlichen Grundlagen ökologiegerechter Forstwirtschaft“ besonders erwähnen.
Für seine Verdienste um die Forstwirtschaft wurde Walter Schwanecke 1971 mit dem Goldenen Stern, der höchsten Auszeichnung für Ausländer in Vietnam geehrt, 1986 mit der Leibnitz-Medaille und 1995 mit der Gottlob-König-Medaille.
Karl Burse, Referent für Standortskunde am FFK Gotha

Auch interessant

von