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„Oberförster“ Schmidt hat Anlass zur Freude

„Oberförster“ Schmidt hat Anlass zur Freude

Die deutsche Forstwirtschaft verpflichtet sich seit Jahrhunderten dem Nachhaltigkeitsgedanken – mehr noch: Sie hat ihn geprägt. Schon deshalb wird nachhaltiges Handeln im Wald regelmäßig kritischen Prüfungen unterzogen. So auch im Rahmen der dritten Bundeswaldinventur (BWI), deren überaus erfreuliche Ergebnisse der zuständige Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt am 8.10.2014 in Berlin der Öffentlichkeit vorstellte.
Das Grundprinzip der Nachhaltigkeit nur maximal so viel Holz zu ernten, wie auch nachwächst, wurde bereits vor rund 300 Jahren erstmals von einem sächsischer Berg- und Forstmann formuliert. Über die gesamte Bundesrepublik betrachtet wird diese Forderung heute erfüllt.
Christoph Rullmann, Bundesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), kommentiert: „Die Nutzung von 98 % des Zuwachses in den Landeswäldern und in den Privatwäldern über 20 ha sind für die SDW aber ein Grund, diese Entwicklung zu beobachten, um einer Trendwende hin zur Übernutzung vorzubeugen. Dennoch freuen wir uns über das Gesamtergebnis der dritten Bundeswaldinventur.“
Naturnahe Waldwirtschaft setzt sich durch
Der Inventurbericht dokumentiert, dass der von der SDW seit langem geforderte Umbau unserer Wälder hin zu naturnahen, strukturreichen und klimastabilen Mischwäldern nun auch auf der Fläche sichtbar wird. So ist der Anteil an Laubbäumen um 7 % gewachsen, während sich der Anteil von Nadelbäumen um 4 % verringert hat. Zudem sind die Bäume heute im Durchschnitt 77 Jahre alt. 14 % aller Bäume sind sogar älter als 120 Jahre und damit besonders wertvoll für Artenvielfalt und Naturschutz.
Mehr Naturschutz im Wald belegt
Der Natur ebenfalls zugutekommt die deutliche Zunahme des Totholzanteils um 18 %. Dabei handelt es sich um stehende und liegende Bäume, die bereits abgestorben sind und in ihrem Zerfallsprozess einer Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen. Rechnet man noch die rund eine Million Biotopschutzbäume hinzu, kann man feststellen, dass der richtige Weg eingeschlagen ist.
Allerdings wird im Detail zu prüfen sein, ob dieses Plus für den Naturschutz auf der gesamten Waldfläche erreicht wurde oder nur punktuell. Für uns als SDW ist es wichtig, dass Naturschutz und Nutzung im Wald Hand in Hand gehen und nicht eine Aufteilung in den Wirtschafts- und Naturschutzwald erfolgt.
Rückgang der Fichte wird „Fremdländerdebatte“ weiter entfachen
Die Inventurdaten dokumentieren einen Rückgang der Fichte um 4 %. Stürme wie der Orkan Kyrill (2007) haben aufgezeigt, dass sie dem Klimawandel vielerorts nicht gewachsen ist. Darum setzen viele Waldbesitzer mehr und mehr auf nicht heimische Baumarten wie die Douglasie, deren Anteil seit der letzten BWI um 19 % zugenommen hat. Dieser Sachverhalt wird die Diskussion der Akteure aus Forstwirtschaft und Naturschutz weiter forcieren.
Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) wurde am 5.12.1947 in Bad Honnef gegründet und ist damit eine der ältesten deutschen Umweltschutzorganisationen. Gegenwärtig sind in den 15 Landesverbänden etwa 25.000 aktive Mitglieder organisiert.
 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
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