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Der Bund Deutscher Forstleute fordert von der neuen Bundesregierung die Einrichtung eines Bundesamtes für den Wald.

BDF zur Umorientierung in der Forstpolitik Nordrhein-Westfalens

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) Landesverband Nordrhein-Westfalen hat sich unter der Überschrift „Stellen wir jetzt die Weichen für die Einheitsforstverwaltung 4.0 ?!“ zur Umorientierung in der Forstpolitik des Landes positioniert (21.10.2017). Darin heißt es unter anderem:

Was die Frage der Organisation der Landesforstverwaltung angeht, bekennt sich der BDF NRW vor dem Hintergrund der großen besitzübergreifenden Gemeinschaftsaufgaben eindeutig zur Einheitsforstverwaltung. Der erfolgreiche besitzübergreifende forstwirtschaftliche Strukturaufbau –  in der bundesweit anspruchsvollsten Ausgangslage der Waldbesitzstrukturen – hat gezeigt, dass gerade im bevölkerungsreichsten Bundesland der Interessenausgleich der gesellschaftlichen und eigentumsrechtlichen Ansprüche an den Wald bestmöglich durch den kooperativen und zielgerichteten Ansatz der Einheitsforstverwaltung optimiert und weiterentwickelt werden kann.

Aus Sicht des BDF NRW bietet deshalb die Umorientierung in der Forstpolitik NRW deutlich mehr Chancen als Risiken. Dabei gilt es folgendes zu beachten und umzusetzen:

Bei der Neustrukturierung der Holzvermarktung für Nichtstaatswaldholz in NRW dürfen den dort bisher beschäftigten Kolleginnen und Kollegen keine persönlichen Nachteile entstehen. Niemand darf seine Stelle und Existenz verlieren. Den Beschäftigten müssen entweder alternative Beschäftigungsmöglichkeiten oder attraktive Aufgaben im Rahmen des Umstellungsprozesses zur Privatwirtschaft angeboten werden. Eine solch grundlegende Änderung wird in den verschiedenen Regionen unseres Landes nur durch unterschiedliche Geschwindigkeiten und Vorgehensweisen möglich sein. Dies ist nicht nur im Sinne der Beschäftigten, sondern eben auch im Interesse des holzverkaufenden Waldbesitzes und der auf der Lieferung von Holz angewiesenen Sägewerker unbedingt erforderlich. Nur dann kann diese Umstellung reibungslos gelingen. Andere Bundesländer haben sie schon seit Jahren vollzogen. Die Erfahrungen anderer Länder sollten wir nutzen, um Fehler zu vermeiden.

Für die Umstellung der Betreuung auf diskriminierungsfreien Zugang benötigt Nordrhein-Westfalen noch nicht abschätzbare längere Zeiträume. Am Markt finden wir zurzeit nur wenige qualifizierte Anbieter. In welchem Maße staatliche Betreuung überhaupt durch Drittanbieter ersetzt werden wird, bleibt abzuwarten. Dies ist von vielen örtlichen und wirtschaftlichen Faktoren abhängig. Gesellschaftliches Ziel muss es aber sein, die hohe fachliche Betreuungsqualität die bisher in Nordrhein-Westfalen flächig vorhanden ist, zu erhalten oder sogar zu verbessern. Dabei müssen die sozialen Standards für die dort Beschäftigten mindestens erhalten bleiben. Hier ist der BDF NRW als Gewerkschaft für alle Beschäftigten gefordert. Darüber hinaus muss ein möglichst einfach funktionierendes Fördersystem etabliert werden. Bisher wird die Betreuung privater Waldbesitzer mit 75 % der Kosten aus Landesmitteln gefördert. Dies soll im Interesse unserer Waldbesitzer so bleiben. Auch unsere Forstbetriebsgemeinschaften müssen weiter gestärkt werden. Sie sind neben den beratenden Förstern das Rückgrat unserer weltweit anerkannten Forst- und Waldwirtschaft.

Landesbetrieb Wald und Holz

Der Landesbetrieb Wald und Holz muss für seine zukünftigen Aufgaben weiter gestärkt werden. Viele gesetzlich vorgeschriebene, oder gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten werden zum Teil bis heute aus Personalmangel gar nicht oder nicht in der erforderlichen Intensität wahrgenommen. Deshalb dürfen freiwerdende personelle Kapazitäten nicht zum Stellenabbau genutzt werden. Stattdessen müssen sie zielgerichtet für die Stärkung der Gemeinwohlwirkungen des Waldes und des Waldbesitzes eingesetzt werden. Die Zufriedenheit des Waldbesitzes ist ein Garant für die überaus positive Entwicklung der Forstwirtschaft in Nordrhein-Westfalen.

Der BDF NRW fordert:

  • wesentlich intensivere Förderungen mit dem Ziel der Verbesserung in der Klimaanpassung unserer Wälder.
  • deutliche Fokussierung der Förderung auf die Optimierung der waldbaulichen Pflege hinsichtlich der wirtschaftlichen Nutzung und der gemeinwohlorientierten Leistungsfähigkeit des Waldes.
  • Aufbau einer Forschung zur Weiterentwicklung des Waldbaus, der Biodiversitätsförderung und Auswirkung des Klimawandels auf den Wald.

Hierfür gibt es zahlreiche nachweisbare Argumente:

  • Die Abmilderung der Folgen des Klimawandels
  • Eine Verbesserung der CO2-Bindung (Gesamtbilanz inkl. Kaskadennutzung)
  • Die Förderung der Holznutzung und Verwendung
  • Steigende Anforderungen an Luftqualität und Lufthygiene (insbesondere im urbanen Bereich und entlang der Verkehrsinfrastruktur)
  • Aufrechterhaltung der Grundwasserqualität (insbesondere in den intensiv genutzten landwirtschaftlichen Bereichen)
  • Steigerung der Biodiversität durch Waldbewirtschaftung (insbesondere für den Biotopverbund und den Schutz seltener waldgebundener Arten
  • Schutz der Böden und der multifunktionalen Wegeerschließung (insbesondere vor zunehmender Erosion durch Starkniederschläge)

Besonders in den urbanen Bereichen und touristischen Erholungsschwerpunkten steht der Wald als Garant für Erholung und Lebensqualität. Er sichert aber auch die wirtschaftliche Prosperität des ländlichen Raumes und ist dort unverzichtbarer Standortfaktor. Die Bereitstellung dieser Leistungen führt regelmäßig zu Konflikten zwischen Erholung, Waldbewirtschaftung und Jagd. Zur Förderung des ortsbezogenen Interessenausgleiches sind hier individuelle örtliche Beratungen durch unabhängige staatliche Förster erforderlich.

Längst hat die UNESCO die besondere Bedeutung der natürlichen Lebensräume für das weltweite Programm zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) herausgestellt. Waldgebundene Bildungsangebote sind heute unverzichtbarer Bestandteile des KiTa- und Schulalltags. Die notwendigen Kapazitäten für die waldbezogene Umweltbildung in Nordrhein-Westfalen sind deutlich ausbauwürdig.

Zur nationalen Umsetzung der EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) aus dem Jahr 2010 trat am 3.3.2013 das Holzhandels-Sicherungs-Gesetz (HolzSiG) in Kraft. Hier hat sich der Landesbetrieb Wald und Holz bisher noch nicht ausreichend aufgestellt.

Aus den beispielhaft genannten Schwerpunkten für die zukünftige Arbeit der Einheitsforstverwaltung wird deutlich, dass die gesetzlichen Aufgaben derart anspruchsvoll sind, dass es schon seit jeher deutlich mehr zu tun gibt, als durch die Privatisierung des Holzverkaufs und der Umgestaltung entgeltpflichtigen Betreuung überhaupt wegfällt.

Für den BDF NRW liegt daher kein erkennbarer Grund vor, beim Landesbetrieb Wald und Holz die Anzahl der Stellen insgesamt oder gar die Zahl der Forstbetriebsbezirke zu reduzieren. Das Gegenteil ist der Fall!Der Landesbetrieb ist für das bevölkerungsreichste Bundesland und für das Privatwaldland Nr. 1 unverzichtbar.

Zukunftsbeauftragter

Der BDF NRW fordert die Beteiligung des BDF NRW an allen Entwicklungen, insbesondere an Arbeitsgruppen im zuständigen Ministerium. Darüber hinaus schlägt der BDF NRW vor, einen „Zukunftsbeauftragten“ zu benennen. Wir brauchen eine zentrale, den Strukturprozess führende Persönlichkeit, die die forstlichen Verhältnisse in Nordrhein-Westfalen im Detail kennt und beurteilen kann, wie sie durch Änderungen positiv beeinflusst werden können. Idealerweise sollte dies aber jemand sein, der keine eigenen Interessen (mehr) verfolgt. Denkbar wäre natürlich auch ein kleines, aber handlungsfähiges Gremium.

Die Verlautbarung komplett online unter www.bdf-nrw.de (Direktlink Ticker 02/2017)

BDF Nordrhein-Westfalen/Red.

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