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NRW: Uwe Schölmerich in Ruhestand verabschiedet

von Jörg Fischer

Über 33 Jahre leitete Uwe Schölmerich das heutige Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. Ende Januar trat er in den Ruhestand ein. Landesforstchef Hubert Kaiser dankte ihm, dass er sich maßgebend, stetig und über sein Forstamt hinaus für die Landesforstverwaltung und den Aufbau strukturreicher Mischwälder einsetzte.

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW, hob Schölmerichs stetige öffentliche Kommunikation zu Waldwirtschaft und respektvollem Verhalten im Wald hervor. Die Verantwortung für rund 60.000 ha Wald rund um Köln und Bonn legten sie jetzt in die Hände von Stephan Schütte als kommissarischen Nachfolger.

Hubert Kaiser, Landesforstchef im Umweltministerium NRW, bedankte sich persönlich bei Uwe Schölmerich: „Der Einsatz von Uwe Schölmerich ging über das ‚schlichte‘ Leiten eines Forstamtes weit hinaus. Er leitete nicht nur das Forstamt Rhein-Sieg-Erft, das mit 2,4 Mio. Einwohnerinnen und Einwohnern, 60.000 ha Waldfläche, 4.000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern sowie über 100 Mitarbeitenden sicherlich zu unseren anspruchsvollsten Ämtern zählt. Er brachte sich darüber hinaus immer wieder in grundlegende Entwicklungen wie den Organisationsreformen 1995 und 2007 oder zum Beispiel dem Waldbaukonzept NRW kritisch-konstruktiv im Interesse des Waldes, der naturgemäßen Waldwirtschaft und der Landesforstverwaltung ein.“

Zur Person Uwe Schölmerich

Geboren in Marburg, aufgewachsen in Mainz und forstlich geprägt in Winterberg durch Gemeindeförster Hubert Koch, studierte er in Freiburg i. B. Forstwissenschaften, um dann im Forstamt Steinfurt sein zweijähriges Referendariat zu absolvieren.

Schölmerich zu seiner Motivation: „Von Anfang an hat mich die Vielfalt des forstlichen Studiums begeistert – man wird eben das Gegenteil eines Spezialisten. Naturwissenschaft, Betriebswirtschaft, Recht, Verwaltung, Führung, Technik, Holzverwendung, Wildtierkunde und Jagd bilden ein breites Feld. Ich bin dann ja auch in der Praxis geblieben. Es war mir eine Freude, in allen diesen Feldern arbeiten zu können.“

Nach Abschluss seiner Ausbildung befasste er sich ab 1982 im Forstamt Ville und als Sachgebietsleiter in der damaligen Landesanstalt für Ökologie in Düsseldorf (LÖLF) zunächst mit dem Thema Wald und Wasser, genauer mit der Frage: „Welche Auswirkungen haben Grundwasserabsenkungen wegen Braunkohleabbau oder Trinkwassergewinnung auf die umliegenden Wälder?“ Es folgte die stellvertretende Forstamtsleitung im Forstamt Ville unter der Leitung von Bernd Heukamp, sowie die Leitung des Referates „Waldbewertung und Betriebswirtschaft“ in der damaligen Höheren Forstbehörde Rheinland in Bonn. Von dort ging es dann am 1. April 1987 als Leiter wieder in das staatliche Forstamt Ville in Brühl.

Schölmerich: „Schon ganz am Anfang kam ich mit den Besonderheiten des Rekultivierungswaldes in Kontakt – das fasziniert mich bis heute. Es bot mir ein spannendes Experimentierfeld und die Möglichkeit die Ergebnisse über Jahre wachsen zu sehen.“ Mit den Jahren gewachsen ist über die Organisationsreformen 1995 und 2007 auch sein fachliches und räumliches Zuständigkeitsgebiet. War das Forstamt Ville in Brühl mit 13.000 ha Waldfläche noch vergleichsweise überschaubar, wurde es nach und nach mit den Forstämtern Kottenforst-Bonn und Siegburg zusammengelegt, sodass es heute etwa den Kreisen Rhein-Erft, Rhein-Sieg sowie Köln und Bonn entspricht und rund 60.000 ha Waldfläche umfasst.

Standen in den 1980er- und 1990er-Jahren noch Fragen des praktischen Forstbetriebes im Vordergrund, rückten Betriebssteuerung, Personalentwicklung, Kommunikation mehr und mehr in den Fokus der Forstamtsleitungen. Auch wurden Walderholung, Waldnaturschutz und Forschung explizit Teil seines beruflichen Selbstverständnisses. Das unter seiner Forstamtsleitung kürzlich abgeschlossene EU-Waldnaturschutz-Förderprojekte LIFE+ „Villewälder – Wald und Wasserwelten“ und der Aufbau eines intensiven Kontaktes zum neuen Bonner Büro des European Forest Institute (EFI) sind dafür nur zwei Beispiele.

Hervorzuheben ist insbesondere auch sein über alle Dienstjahre andauerndes Engagement für die naturgemäße Waldwirtschaft mit ihrem Ziel des gemischten, ungleichaltrigen Dauerwaldes. Diese – von ihm als Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft auch privat verfolgte – Konzeption einer gezielten Integration von Naturschutzaspekten in die kahlschlagfreie, stetige Waldentwicklung stellt heute einen maßgeblichen Pfeiler des nordrhein-westfälischen Waldbaukonzeptes dar. Sehr wichtig war ihm die Ausbildung des forstlichen Nachwuchses. Viele Försterinnen und Förster, Forstwirtinnen und Forstwirte und auch einige Bürokaufleute genossen im Forstamt Rhein-Sieg-Erft ihre Ausbildung.

Wiebe: „Der vertrauensvolle Kontakt mit jeder und jedem Einzelnen seiner über 100 Mitarbeitenden war Uwe Schölmerich immer eine Herzensangelegenheit. Das Motto ‚forestry is not about trees, it’s about people‘ war trotz beeindruckendem Wissens- und Erfahrungsschatz stets in seiner Arbeit erkennbar. Und so war es ihm auch stets eine Selbstverständlichkeit, Menschen und Medien anschaulich über den Wald, seine Wirkungen und den respektvolles Verhalten im Wald zu informieren.“

Schölmerich hat auch die Jagd im Staatswald des Forstamts von einstiger trophäenorientierter Jagd auf ein modernes Wildtiermanagement gelenkt, damit Jungpflanzen aus den Samen von Mischbaumarten eine Chance haben, zu arten- und strukturreichen Mischwäldern beizutragen. Er selbst liebt es, bei Bewegungsjagden mit dem Hund durch die Dickungen zu streifen und nebenbei waldbauliche Beobachtungen mit entsprechenden Schlussfolgerungen zu machen.

Nach über 43 Dienstjahren freut er sich auf den Ruhestand. Dem Wald bleibt er verbunden – als Wanderer, Beobachter, Reiter und Jäger. Seinen Lehrauftrag an der Universität Bonn führt er fort. Der Arbeitsgemeinschaft für Naturgemäße Waldwirtschaft NRW bleibt er verbunden, auch wenn er im Herbst den Vorsitz abgibt. Waldbau-Exkursionen zu besuchen und zu leiten, macht ihm auch ohne Forstamtsleitung Freude. Nicht zuletzt freut er sich auf mehr gemeinsame Zeit mit seiner Familie und seinem Freundeskreis.

Als kommissarischer Nachfolger übernahm seine Dienstgeschäfte nun Stephan Schütte. Er ist seit 2017 Stellvertreter in die Leitung des Forstamts eingebunden und leitet seit 1995 das Fachgebiet Landeseigener Forstbetrieb im Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft.

Quelle: Wald und Holz NRW (PM)