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NRW-Landespolitik benachteiligt Säge- und Holzindustrie

Der Plan der rot-grünen Landesregierung, Staatswald in Nordrhein-Westfalen in eine Stiftung zu überführen, trifft bei der Säge- und Holzindustrie auf scharfe Kritik. Nicht nur Arbeitsplätze, Umsatz und Klimaschutz stehen auf dem Spiel – ein funktionierendes gesellschaftliches System droht zu kippen.

Fassungslos stehen die Marktteilnehmer des Clusters Forst und Holz in Nordrhein-Westfalen der von der rot-grünen Landesregierung jüngst verabschiedeten Biodiversitätsstrategie gegenüber: Nicht abgesprochen und unvermittelt taucht dort ein Passus auf, nach dem landeseigene Naturschutzflächen in eine Stiftung einzubringen seien. Damit würden der ansässigen Säge- und Holzindustrie rund 60.000 von 120.000 ha Staatswald nicht mehr zur Bewirtschaftung zur Verfügung stehen.
„Die Stiftung mit einer schwerpunktmäßigen Ausrichtung auf Naturschutz würde die Versorgungssituation der hiesigen Unternehmer mit Holz aus der Region weiter verschärfen“, sagt Lutz Schmelter, Geschäftsführer der Josef Schmelter GmbH in Lennestadt. Dieser drastische Schritt erscheint einer ganzen Branche völlig unverständlich, sind doch die Bewirtschaftungsstandards im Staatswald NRW bereits jetzt sehr hoch – FSC-Zertifizierung inklusive. Das Cluster Forst und Holz ist ein bedeutender Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor in Nordrhein-Westfalen. Die in dieser Branche arbeitenden Menschen sind stolz darauf, dass ihr Arbeitsumfeld eines der wenigen ist, das Ökologie, Ökonomie und Soziales in Einklang bringt.
„Die Stiftung wird die drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales ins Ungleichgewicht bringen“, bestätigt auch Martin Hüster, geschäftsführender Gesellschafter der Hüster GmbH und damit ebenfalls betroffener Unternehmer in NRW. Viele Arbeitsplätze gingen verloren – vor allem im ländlichen Raum, wo sie so dringend benötigt werden. „Wir sehen darin den Versuch, den Staatswald erheblich stärker unter den Einfluss der Naturschutzverbände zu stellen“, kritisiert Hüster.
Säge- und Holzindustrie NRW ein Brennpunkt in Deutschland
Für die Säge- und Holzindustrie ist Nordrhein-Westfalen ohnehin eine Art „Brennpunkt in Deutschland“, wie Lars Schmidt, Geschäftsführer des Verbandes Deutsche Säge- und Holzindustrie Deutschland, es ausdrückt: „Wir haben dort vergleichsweise hohe Verarbeitungskapazitäten im Nadelholz, was angesichts der Zunahme des Laubholzanteils in deutschen Wäldern allgemein zukünftig ein größeres Problem darstellen wird.“ Hinzu kommt ein sehr hoher Anteil an Privatwaldbesitzern, die trotz hoher Rundholzpreise bundesweit und auch in NRW nicht ihren Möglichkeiten entsprechend Holz einschlagen. Ein weiterer Faktor, der insbesondere die Unternehmen in NRW in schwierige Situationen bringen könnte, liegt in der großen Windanfälligkeit der Wälder – die Auswirkungen des Orkans Kyrill 2007 sind bis heute zu spüren.
„Der Staatswald sichert den Betrieben verlässlich eine Grundversorgung mit Rundholz“, erklärt Schmidt. Ein Nutzungsverzicht, beziehungsweise Nutzungseinschränkungen, im Staatswald würden die Betriebe daher besonders hart treffen. „Auf diesen Umstand haben wir schon mehrfach, insbesondere bei der Diskussion um den Nationalpark und bei der Einführung der Wildnisstrategie hingewiesen“, beklagt Schmidt.
Abschied von der nachhaltigen Waldbewirtschaftung im Landeswald NRW
Zur Fassungslosigkeit des Clusters Forst und Holz trägt der Umstand bei, dass NRW eines der ersten Bundesländer mit einem Klimaschutzgesetz war, zu dem die Branche einen wichtigen Beitrag leisten konnte. NRW-Umweltminister Johannes Remmel hatte eine Studie zum Thema Holzverwendung und Klimaschutz auf den Weg gebracht. Das Ergebnis: Nachhaltige Waldbewirtschaftung und langlebige Holzverwendung sind das überlegene Konzept. Zudem hatte Remmel zugesagt, die in punkto Holzbau mit Abstand rückständigste Landesbauordnung zu novellieren und das Bauen mit Holz zu stärken.
Fehlanzeige: „Johannes Remmel hat bislang nichts umgesetzt, stattdessen ist er in die entgegengesetzte Richtung unterwegs und dabei, sich von der nachhaltigen Waldbewirtschaftung des Staatswaldes zu verabschieden“, so Schmidt.
Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband

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