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NRW will bundesweite „Baumprämie“

Wie das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen anlässlich der Konferenz „Der Wald im Klimastress“ am 11. November in Düsseldorf informiert, setzt sich die Landesregierung für die Einführung einer bundesweiten Baumprämie ein, mit der die wertvollen Klimaschutz- und Ökosystemleistungen des Waldes besser honoriert werden sollen.

Darüber hinaus prüft das Umweltministerium als weiteres Instrument für Nordrhein-Westfalen die Einrichtung eines Waldfonds zur Unterstützung von Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung vielfältiger und klimastabiler Mischwälder.

Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Forstwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft, Politik und Kommunen sind der Einladung des Umweltministeriums Nordrhein-Westfalen gefolgt. Im Zentrum stand die Frage: Welche Anpassungen sind im Wald und in der Forstwirtschaft erforderlich, um die vielfältigen Waldfunktionen – Naturschutz, Erholung und Nutzen – gerade auch in Zeiten des Klimawandels ausgewogen sicherzustellen? „Die Wälder Nordrhein-Westfalens sind als CO₂-Senke ein bedeutender Klimaschützer, zugleich leiden sie massiv unter den Folgen des Klimawandels“, betonte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser zum Auftakt der Konferenz. „Der Klimawandel muss einhergehen mit einem Wald- und Wertewandel. Die Leistungen des Waldes für die Allgemeinheit müssen insbesondere mit Blick auf den Klimawandel sichergestellt und besser honoriert werden.“

„Baumprämie“ zur Anerkennung der Klima- und Ökosystemleistung

Die nordrhein-westfälischen Wälder speichern rund 700 Mio. t CO₂. Zusätzlich zur Speicherfunktion des Waldes trägt der Ersatz fossiler Materialien durch den nachwachsenden Rohstoff Holz zur Verringerung der CO₂-Emissionen bei. Darüber hinaus dienen Wälder der Erholung und als wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Zudem sind sie entscheidend für die Regulierung des Wasser- und Temperaturhaushalts und damit ein Schlüssel einer erfolgreichen Klimaanpassungsstrategie. Dies gilt insbesondere auch für Städte oder Ballungszentren, in denen Bäume und Wälder Temperaturspitzen aber auch Starkregenereignisse abfedern können.

Die vorgeschlagene bundesweite „Baumprämie“ könnte über die Einnahmen aus CO₂-Zertifikaten finanziert werden. „Dort, wo CO₂ gespeichert wird, müssen auch die Erlöse aus der Emission von Treibhausgasen spürbar ankommen“, sagte Heinen-Esser. Möglichkeiten zur Realisierung möchte das Umweltministerium mit der Bundesregierung und den weiteren Ländern kurzfristig erörtern.

Mit dem „NRW-Waldfonds“ möchte Umweltministerin Heinen-Esser ein regionales Angebot zur CO₂-Kompensation schaffen: „Wir prüfen derzeit die rechtlichen und organisatorischen Möglichkeiten zur Einrichtung eines NRW-Waldfonds. Dieser Fonds könnte als Auffangbecken für freiwillige Kompensationsbeiträge von Unternehmen oder Privatpersonen dienen. Zugleich könnte er auch durch öffentliche Gelder gespeist werden.“

Über 100 Mio. € für Wiederbewaldung und Waldumbau

Sturm, Dürre und Borkenkäfer haben in den vergangenen beiden Jahren zu großen Schäden in den Wäldern geführt. „Die Lage in unseren Wäldern ist dramatisch. Mit großem Einsatz arbeiten die Waldbesitzerinnen und -besitzer und Forstleute derzeit an einer Begrenzung der Schäden. Hierfür gebührt ihnen nicht nur mein persönlicher Dank, sondern der Dank der Gesellschaft. Die Wiederbewaldung der Schadflächen wird für die nächsten Jahre eine große Aufgabe sein, die wir als Landesregierung nach Kräften unterstützen. Standortangepasste klimastabile Mischwälder müssen zur Regel werden“, so Heinen-Esser. Das NRW-Waldbaukonzept gibt hierzu Empfehlungen unter Berücksichtigung der jeweiligen Standorte.

Für die Ad-hoc-Hilfe bei der akuten Schadensbewältigung hat die Landesregierung in diesem Jahr mehr als 9 Mio. € Bundes- und Landesmittel bereitgestellt. Von den bislang beantragten Fördermitteln in Höhe von fast 7,8 Mio. € wurden bereits gut 7,1 Mio. € bewilligt. Für die Wiederbewaldung der Schadflächen sollen in den nächsten zehn Jahren 100 Mio. € zweckgebunden, jährlich flexibel und an den Bedarfen im Wald orientiert bereitgestellt werden. Zudem hat der Bund für die nächsten vier Jahre Mittel in Höhe 547 Mio. € für die Bewältigung der bundesweiten Schäden in den Wäldern angekündigt. Der Verteilungsschlüssel der Bundesmittel auf die Länder wird derzeit noch verhandelt.

Gemeinsamer Pakt für die Zukunft des Waldes

Nach umfangreichen Erhebungen im Wald wird das Umweltministerium am 25. November 2019 gemeinsam mit dem Landesbetrieb Wald und Holz die Ergebnisse der diesjährigen Waldzustandserhebung vorstellen. Basierend auf den Erkenntnissen der Konferenz, der Waldzustandserhebung sowie den Gesprächen im Rahmen der Task-Force-Käfer plant die Landesregierung einen erneuten Austausch mit den betroffenen Verbänden, um das gemeinsame weitere Vorgehen bei der Schadensbewältigung und der Waldentwicklung abzustimmen. Ziel ist ein gemeinsamer Pakt für die Zukunft des Waldes.

Neue Broschüre, neues Video

Im Rahmen der Konferenz präsentierten verschiedene Organisationen und Einrichtungen ihre Aktivitäten für Wald und Klimaschutz auf einem „Markt der Möglichkeiten“. Pünktlich zur Konferenz hat das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen zudem eine neue Broschüre rund um den Wald in Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Auch zwei aktuelle Videoproduktionen geben einen Einblick in die aktuelle Lage des Waldes und einen Ausblick auf Perspektiven. Die neue Broschüre und die Videos können unter www.umwelt.nrw.de eingesehen bzw. bestellt und heruntergeladen werden.

Zur neuen Broschüre

Red./MULNV NRW

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