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Nationalpark Steigerwald in der Diskussion

Nationalpark Steigerwald in der Diskussion

Die Befürworter eines großen Staatswaldschutzgebietes im nördlichen Steigerwald wollen gemeinsam mit dem Verein „Unser Steigerwald“, der einen Nationalpark ablehnt, die Fachdiskussion um die Zukunft der Region führen. Dies ist das Ergebnis der vierten Fachkonferenz in Ebrach zum Thema Naturerbe Buchenwälder mit 100 Teilnehmern aus ganz Deutschland.
Auf die wirtschaftliche Bedeutung von Schutzgebieten mit der Prädikatsauszeichnung „Nationalpark“ ging Professor Hubert Weiger ein. 30 Nationalparkregionen liegen innerhalb der ersten 50 Plätze in einem Ranking der Gäste-Übernachtungen bezogen auf die Bevölkerungszahl. Im Nationalpark Bayerischer Wald gab es in einige Gemeinden vor der Ausweisung gar keinen Tourismus, nun liegt die Zahl der Übernachtungen 10mal so hoch, wie im Naturpark Steigerwald.
Die Sorgen der Menschen im Steigerwald müssen ernst genommen werden. „Im Nationalpark könnte man die heimische Holzverwertung stärken. Holz aus der noch bearbeiteten Fläche sollte vorrangig der Rohstoff- oder Brennholzversorgung der Bevölkerung in der Region dienen.“ Ein Betretungsverbot soll es nicht geben und auch Jagd wird weiterhin statt finden. Tatsache sei, dass der Wald ohne Schutz nicht so bleiben wird, denn die Forstwirtschaft ändere sich radikal.
Den Nationalpark halten Bund Naturschutz und die anderen Verbände im Freundeskreis Nationalpark Steigerwald nach wie vor für die beste Lösung, auch zur Regionalentwicklung. Schon aus der Ferne hat er einiges bewegt, so Bürgermeister Schneider aus Ebrach: “ Durch die Diskussion ist ein schlafendes Dornröschen wach geküsst worden. Eine Gegend, die in Deutschland kaum bekannt war, ist nun in aller Munde.“ Deutlich mehr Touristen hatte Ebrach dadurch zu verzeichnen. Auch die aktuell vom Kabinett beschlossenen Förderungen für den Steigerwald in Form eines Nachhaltigkeitszentrums wären ohne die Debatte sicher nicht in der Region gelandet. Als Zusatzeffekt werden die regionalen Wälder wesentlich schonender bewirtschaftet als die meisten anderen Forsten.
In der abschließenden Podiumsdiskussion betonten der Bamberger Landrat Dr. Günther Denzler, der BN-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger und Bürgermeister Oskar Ebert, stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Unser Steigerwald“, die Notwendigkeit, „den Blick noch Vorne zu richten“ und wollen sich bei Achtung der unterschiedlichen Positionen für eine bessere Gesprächskultur einsetzen. Für Hubert Weiger wird ein zukünftiger Nationalpark Steigewald Thema im Landtagswahlkampf 2013 werden. Landrat Denzler verwies auf den Auftrag im Kreistagsbeschluss des Landkreises Bamberg, die Voraussetzungen für die Ausweisung als Weltnaturerbe zu schaffen, was ein großes Waldschutzgebiet mit eigener Verwaltung erfordere. Bürgermeister Ebert unterstrich seine Position, dass bei einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung Schutzgebiete unnötig seien. Weiger, Denzler und Ebert waren sich einig, dass in moderierten Fachdiskussionen mit der Bürgerschaft beste Lösungen für die Region gefunden werden müssen und alle Argumente sachlich diskutiert werden sollen.  Norbert Noppenberger, Gemeinderat aus Burgwindheim, forderte neben anderen eine ergebnisoffene Diskussion über Schutzzonen und die Chance Weltnaturerbe.
 

www.freundeskreis-nationalpark-steigerwald.de

 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung: Zentrum-Nachhaltigkeit-Wald wird im Steigerwald errichtet

 

Zum Thema: Fachbeitrag aus dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt: Breite Front gegen Stilllegung im Wald

 

Zum Thema: Fachbeitrag aus dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt: Von der Heimat ausgesperrt?

 
BN

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