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Nordrhein-Westfalen: Wildkatze erobert sich immer mehr Lebensräume

Nordrhein-Westfalen: Wildkatze erobert sich immer mehr Lebensräume

Die Wildkatze erobert sich Lebensräume zurück und ist damit eines der erfolgreichen Artenschutzprojekte in Nordrhein-Westfalen. In großen, zusammenhängenden Waldgebieten wie dem Rothaargebirge, dem Egge-Gebirge oder der Eifel hat sie sich wieder angesiedelt.
Darüber und das Projekt „Wildkatzensprung“ informiert das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.
Allein im nordrhein-westfälischen Teil der Eifel leben heute wieder an die 250 Wildkatzen. In der gesamten Eifel wird ihr Bestand auf 1.000 Tiere geschätzt. Bei Untersuchungen in Ostwestfalen konnten über 50 Tiere nachgewiesen werden. „Die Wildkatze ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein ambitionierter Naturschutz Früchte tragen kann. Jahrzehntelang war die Wildkatze akut vom Aussterben bedroht, nun hat sich die Bestandssituation in den letzten Jahren verbessert“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Horst Becker, bei einem Besuch im Wald zwischen Lohmar und Siegburg. Auch dort werden derzeit wissenschaftliche Untersuchungen zur rechtsrheinischen Verbreitung der Wildkatze mit Lockstöcken durchgeführt, von denen Staatssekretär Becker einen unter fachkundiger Anleitung aufstellte.
Die Wildkatze war noch im 19. Jahrhundert in Nordrhein-Westfalen in den bergigen Regionen flächig verbreitet. Mit der zunehmenden Industrialisierung und dem Verlust von natürlichen Lebensräumen schrumpfte ihr Bestand in NRW drastisch. In den Roten Listen der gefährdeten Arten der Jahre 1986 und 1999 war sie noch als „vom Aussterben bedroht“ gekennzeichnet. In der aktuellen Roten Liste 2011 wurde sie dank der erfolgreichen Artenschutzmaßnahmen nun in die Kategorie 3 „gefährdet“ zurückgestuft. Becker: „Die Erfolge sind erfreulich, aber trotzdem ist die Wildkatze weiterhin gefährdet. Daher müssen wir unsere Anstrengungen im Artenschutz weiter verstärken.“
Naturschutzpolitik neu ausrichten
Insgesamt sind in NRW etwa 45 % der beobachteten Tier- und Pflanzenarten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. „Wir sind dabei, die Festplatte unserer Natur unwiederbringlich zu löschen. Deshalb müssen wir gegensteuern und werden in diesem Jahr die Naturschutzpolitik neu ausrichten. Noch im ersten Halbjahr sollen die Eckpunkte für eine langfristige Biodiversitäts-Strategie zum Schutz der Artenvielfalt vorgelegt werden“, kündigte Becker an.
Projekt „Wildkatzensprung“
Im Rahmen des Projektes „Wildkatzensprung“ erfasst der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in mehreren Gebieten in Nordrhein-Westfalen das Vorkommen der scheuen Tiere. Mit Hilfe dieser Erfassungen wird eine bundesweite Gendatenbank erstellt, welche Rückschlüsse auf die Populationen ermöglicht.
 
Das durch das Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ und durch das NRW-Umweltministerium geförderte Projekt „Wildkatzensprung“ soll das mögliche Wildkatzenvorkommen in den Wäldern bei Lohmar nun überprüfen. Wälder im linksrheinischen Bereich wurden bereits im vergangenen Jahr durch den BUND untersucht. Dabei konnten im Kottenforst und in der Ville erfreuliche und in dieser Größenordnung überraschende Neufunde der Wildkatze nachgewiesen werden.
„Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) benötigt große zusammenhängende alte Laub- und Mischwälder mit reichlich Unterwuchs, Windwurfflächen, Waldrändern, ruhigen Dickichten und Wasserstellen. Bevorzugte Nahrungsflächen sind Waldränder, Waldlichtungen, waldnahe Wiesen und Felder, aber auch weiter entfernt gelegene gehölzreiche Offenlandbereiche“, erläuterte Dr. Matthias Kaiser, Experte für Artenschutz im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Darüber hinaus benötigen die Tiere ein ausreichendes Angebot an natürlichen Versteckmöglichkeiten als Schlafplätze und zur Jungenaufzucht. Im April kommen die Jungtiere zur Welt, sie verlassen nach spätestens sechs Monaten ihre Mutter.
„Die Wildkatze ist eine hochmobile Art mit einem großen Raumanspruch“, sagte Dr. Hans-Jürgen Schäfer, Abteilungsleiter Naturschutz beim Landesbetrieb Wald und Holz. In der Nordeifel beträgt die Größe der Streifgebiete bei den Katern 1.000 bis 2.000 ha, bei den Katzen etwa 500 ha. Innerhalb ihres Lebensraumes legen die Tiere Entfernungen von durchschnittlich 3 km pro Nacht im Sommer bzw. 11 km pro Nacht im Winter zurück. „Als Land haben wir zum Schutz der Wildkatze beigetragen, in dem wir im Staatswald mehr als 10 % unserer Wälder komplett aus der Nutzung herausgenommen haben, um sie vollständig für die Verbesserung der Biodiversität einzusetzen. Das schafft auch Lebensräume für die Wildkatze und Arten wie den Schwarzstorch, den Luchs und viele weitere seltene oder verschollene Arten die langsam in unsere Wälder zurückkehren“, erklärte Dr. Schäfer.
 

Zum Rettungsnetz Wildkatze des BUND

 
MKULNV Nordrhein-Westfalen

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