Bestandsaufnahme im Wald
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Nordrhein-Westfalen: Waldzustandsbericht für 2021

22. Dezember 2021

Nach drei Jahren Hitze und extremer Dürre hat sich der Wald 2021 leicht erholen können. Dennoch ist es um die Vitalität der Waldbäume weiterhin nicht gut bestellt. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Waldzustandsbericht 2021 für Nordrhein-Westfalen, den die zuständige Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am 13. Dezember in Düsseldorf vorgestellt hat.

„Die Trockenheit der zurückliegenden Jahre, der Borkenkäferbefall, die Belastung der Böden durch Schadstoffe, allen voran die Folgen des Klimawandel machen dem Wald nach wie vor schwer zu schaffen“, sagte die Ministerin auf dem Podium der Landespressekonferenz. „Die Waldzukunft ist auch unsere Zukunft. Daher müssen wir alles daransetzen, dass der Wald seine Abwehrkräfte gegen negative Klimafolgen stärken kann.“

Die diesjährige Wachstumsperiode verlief im Vergleich zu den Vorjahren im Mittel in Nordrhein-Westfalen hitzestressfrei. In der Folge hat sich der Zustand des Waldes im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. So ist der Anteil der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung auf 40 % gesunken (2020: 44 %), 32 % zeigen eine schwache Verlichtung (2020: 33 %), der Anteil der nicht verlichteten Bäume stieg auf 28 % (2020: 23 %). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass durch Trockenheit und Borkenkäfer-Befall bereits abgestorbene Bäume keine Berücksichtigung in der jährlichen Erhebung finden.

Zustand der Buche verbessert – Sorgenkind Fichte

Deutlich verbessert hat sich der Zustand der Buche, Eiche und Fichte verschlechtern sich leicht, die Kiefer stagniert. Bei der Eiche haben sich im laufenden Jahr nur sehr wenige Früchte ausgebildet. Die Fichte konnte sich trotz häufiger und ergiebiger Niederschläge in nicht erholen, sie hat 2021 kaum Zapfen gebildet. Der mittlere Nadelverlust steigt seit 2017 ohne Unterbrechung. Die Kiefer weist von den Hauptbaumarten die geringsten Anteile deutlich verlichteter Bäume auf.

Im Vergleich zu den Jahren zuvor führte die kühlere Frühjahrswitterung dazu, dass in diesem Jahr die Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher relativ spät ihre Winterquartiere verlassen haben, um in den stehenden, gesunden Fichten neue Bruten anzulegen. Dennoch konnten viele Borkenkäfer insbesondere im Boden überleben und dieses Jahr vor allem im Mai/Juni vitale Fichtenbestände befallen. Während die Bodenwasserspeicher in den oberen 1,5 m Bodentiefe wieder zunehmend gut gefüllt sind, steht in den tieferen Bodenschichten aufgrund der extremen Witterungssituationen der Vorjahre für die Grundwasserneubildung jedoch weiterhin zu wenig Wasser zur Verfügung.

Aufbau klimastabiler Mischwälder

„Damit der Wald seine vielfältigen Leistungen dauerhaft erfüllen kann, muss er vital und widerstandsfähig sein. Die Umsetzung unserer waldbaulichen Konzepte ist eine Antwort auf den Klimawandel“, so Heinen-Esser. Ziel seien klimastabilere Mischwälder mit mehreren verschiedenen Baumarten. Die Landesregierung in NRW unterstützt den privaten und kommunalen Waldbesitz bei der Bewältigung der Waldschäden und der Wiederbewaldung durch fachliche Beratung und umfangreiche finanzielle Hilfen. Im Rahmen der Förderrichtlinie Extremwetterfolgen wurden in diesem Jahr 66,6 Mio. € bereitgestellt, insgesamt wurden im Jahr 2021 (Stand 10. Dezember 2021) bisher 4.596 Förderanträge eingereicht, davon wurden bereits 4.014 bewilligt.

Das weiterentwickelte Waldbaukonzept, das Wiederbewaldungskonzept und die neue Version des Internetportals Waldinfo.NRW bieten zusätzliche fachliche Hilfestellungen. Das aktualisierte Waldbaukonzept geht auf die Auswirkungen von Klimawandelszenarien ein und berücksichtigt besonders den Aspekt der Risikovorsorge. Das Internetportal Waldinfo.NRW enthält nun ein innovatives interaktives Instrument zur Auswahl von Mischbeständen, die zum jeweiligen Standort passen. Die neuen Instrumente für die Waldbewirtschaftung im Klimawandel sind Teil der Klimaanpassungsstrategie für den Wald in NRW.

Zehn Prozent der Waldfläche durch Dürre und Käfer geschädigt

Auf etwa zehn Prozent der Waldfläche sind die Bestände – nachhaltig durch Dürre, Borkenkäfer und Stürme geschädigt – vollständig zusammengebrochen. Hierbei sind fast ausschließlich Fichtenbestände betroffen. Nach aktuellen Erhebungen sind ca. 8,8 Mio. Fm Schadholz (seit 2018 insgesamt rund 40 Mio. Fm) angefallen. Die gesamte Schadfläche seit 2018 komplett ausgefallener Fichtenbestände umfasst etwa 113.000 ha. Es wird geschätzt, dass davon die Wiederbewaldungsfläche aktuell ca. 90.000 ha ausmacht (10 % der Waldfläche in NRW), da sich auf der restlichen Fläche natürliche Waldverjüngung eingestellt hat. Zum Vergleich: Der Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 verursachte in NRWn circa 16 Mio. Fm Schadholz und eine Schadfläche von 50.000 ha.

Quelle: Wald und Holz NRW

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