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Das Naturwald-Konzept ist eine Investition in den Erhalt der Artenvielfalt und in den Erholungs- und Erlebniswert der Wälder für die Bevölkerung.

Niedersächsische Landesforsten erweitern Naturwald-Konzept

Die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) überlassen zukünftig 10 % ihrer Wälder einer natürlichen Entwicklung. Die über ganz Niedersachsen verteilt liegenden Flächen entwickeln sich von nun an zu den „Urwäldern von morgen“ und dienen dem Schutz der Biodiversität. Gemeinsam mit Forstministerin Otte-Kinast stellten Dr. Klaus Merker, Präsident der Landesforsten und weitere Experten der NLF das Naturwald-Konzept der Öffentlichkeit vor (22.3.2018).

Die größten der zukünftigen Urwaldflächen liegen im Harz, in der Elbtalaue und im Süntel, einem Waldgebiet bei Hessisch-Oldendorf, wo auch die Veranstaltung stattfand.

Auf den nun zusätzlich ausgewiesenen 5.000 ha Fläche verzichten die Landesforsten auf alle Pflege- und Erntemaßnahmen. Der Wald bleibt so auf insgesamt landesweit rd. 33.000 ha (das entspricht etwa 45.000 Fußballfeldern) dauerhaft sich selbst überlassen und entwickelt sich weitgehend frei von menschlichem Einfluss. So sollen Wälder entstehen, die langfristig Urwäldern wieder ähnlich werden.

Barbara Otte-Kinast, Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, bestätigt: „Mit der Ausweitung der ‚Urwälder von morgen‘ und der Naturwaldforschung leisten die Landesforsten einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Biodiversität in Niedersachsen.“

Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, erläutert: „Auf unseren Flächen tragen wir die Verantwortung dafür, dass die im Wald vorhandene Artenvielfalt erhalten bleibt. Dies gewährleisten wir durch unsere naturnahe Bewirtschaftung seit Jahrzehnten. Die jetzige Ausweitung der Naturwälder sehen wir als eine weitere Investition in den Erhalt der Biodiversität und den Erholungswert für die Bevölkerung.“ Zwar stünden die jetzt ausgewählten Flächen nicht mehr für die Holznutzung zur Verfügung, die Naturwälder könnten jedoch weiterhin erwandert werden. Zudem liefert die Naturwaldforschung wichtige Erkenntnisse, die die Förster der Öffentlichkeit in diesen Wäldern und in den 11 Waldpädagogikzentren vermitteln wollen. „Wir wollen diese wie unsere anderen Wälder auch weiterhin erlebbar machen, schließlich kommen wir mit diesem Schritt auch dem Wunsch vieler Menschen nach unberührter Natur nach“ erklärt Merker.

Naturwald-Konzept in den Landesforsten

Der Schutz besonderer Biotope, schützenswerter Arten und Lebensgemeinschaften erfolgt in den Landesforsten ganz wesentlich durch das LÖWE-Waldschutzgebietskonzept. Hierin haben die NLF verschiedene Waldschutzgebiete ausgewiesen, mit denen neben natürlichen Lebensgemeinschaften z. B. auch kulturhistorische Waldnutzungsformen (Hutewälder) oder Sonderbiotope erhalten und entwickelt werden, die häufig für den Artenschutz bedeutend sind. Bereits in den 1970er Jahren wurden in Niedersachsen erste so genannte „Naturwälder“ ausgewiesen. In diesen verzichtete man fortan auf sämtliche Holzernte- und Pflegemaßnahmen und überließ die Wälder der natürlichen Entwicklung möglichst frei von menschlichen Einflüssen. Durch ergänzende Konzepte und Maßnahmen wurde diese Kulisse im Laufe der Zeit erweitert. Durch den Schutz der naturschutzfachlichen „Hotspots“ waren die Flächen mit natürlicher Waldentwicklung bis 2015 auf etwa 27.800 ha angewachsen.

Nun überlassen die NLF im Zuge ihrer Strategie 2025 weitere rund 5.000 ha ihres Waldes der natürlichen Entwicklung, sodass zukünftig auf 10 % (das sind 32.950 ha) des Waldeigentums der NLF gänzlich auf forstliche Pflege- und Holzerntemaßnahmen verzichtet wird.

Die „Urwälder von morgen“ finden sich in allen größeren Waldgebieten der NLF verteilt in ganz Niedersachsen. Die größten zusammenhängenden Flächen liegen im Nationalpark Harz (14.900 ha), im Süntel bei Hessisch Oldendorf (1.300 ha), im Biosphärenreservat Elbtalaue (etwa 700 ha) und im Drömling (etwa 500 ha).

Im Forstamt Harsefeld entwickeln sich natürliche Waldgesellschaften beispielsweise im Holzurburger Moor. Foto: NLF/R. Baumgart

Die ausgewiesenen „Urwälder von morgen“ wurden nach wissenschaftlichen Kriterien in Wäldern ausgewählt, in denen charakteristische Arten vorkommen oder deren Vorkommen aufgrund der Waldeigenschaften als wahrscheinlich angenommen werden konnte. Die Flächen belegen die Wirksamkeit der Naturschutzarbeit und der naturnahen Bewirtschaftung durch die Landesforsten.

Naturwald-Konzept: Verzicht auf Umsatz – Investition in Biodiversität

Die Ausweisung der „Urwälder von morgen“ ist eine Investition in den Erhalt der Artenvielfalt und gleichzeitig in den Erholungs- und Erlebniswert der Wälder für die Bevölkerung. Der Verzicht auf etwa 12 Mio. € Umsatz pro Jahr bringt zum Ausdruck, welchen Wert die Leistungen der NLF umfassen. Damit kommen die NLF dem Wunsch vieler Menschen nach mehr unberührter Natur nach und machen diese für alle Erholungssuchenden erlebbar.

Die nun ausgewiesenen Flächen werden in die wissenschaftliche Forschung, die in den bereits bestehenden Naturwäldern stattfindet, integriert. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse nutzen die NLF einerseits dazu, die naturnahe Bewirtschaftung der übrigen Wälder weiter zu verbessern. Zudem ist die Neugier an den Zusammenhängen in Naturwäldern in der Gesellschaft sehr groß. Im Bereich der Umweltbildung und der Öffentlichkeitsarbeit werden die Naturwälder durch die NLF einer breiten Öffentlichkeit nahe gebracht.

Niedersächsische Landesforsten

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