Forstpolitik

Niedersachsen: Wildnisgebiet Solling erweitert

Bearbeitet von Jörg Fischer

Wie entwickelt sich das Wildnisgebiet im Solling? Darüber haben sich jetzt Forstministerin Barbara Otte-Kinast und Umweltminister Olaf Lies gemeinsam mit dem Lenkungskreis des Niedersächsischen Weges vor Ort informiert. Denn: Im Solling haben die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) ein neues Wildnisgebiet ausgewiesen, das in Zukunft gänzlich sich selbst überlassen wird – so haben es die Partner des Niedersächsischen Weges vereinbart.

Die bereits bestehende Naturwaldkulisse auf rund 33.000 ha im Landeswald, die sich frei von direktem menschlichem Einfluss entwickelt, wird damit um über 1.000 ha erweitert. Diese Erweiterung war im Rahmen des Niedersächsischen Weges beschlossen worden. Mit der Ausweisung des Wildnisgebietes wird ein wichtiger Baustein der nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt umgesetzt.

Wie entwickelt sich ein Urwald von morgen?

Anhand ausgesuchter Waldbilder zeigten die Försterinnen und Förster der NLF und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) aus Göttingen, welche Ziele mit der Ausweisung verfolgt werden und welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um die Entwicklung in diese Richtung anzustoßen. So kartierten die Landesforsten das Gebiet zunächst und erfassten vorkommende Biotope, Waldgesellschaften und Arten. Auf Basis der Ergebnisse haben sie dem Lenkungskreis einen Entwicklungsplan vorgelegt, in dem die zur Steigerung des naturschutzfachlichen Wertes umzusetzenden Maßnahmen aufgezeigt werden. Hierzu zählen die Entnahme noch vorkommender Fichten und die Pflanzung heimischer Buchen, letztmalige Biotoppflegemaßnahmen, und der bereits seit Anfang des Jahres umgesetzte Verzicht auf die Ernte jeglichen Laubholzes sowie der Rückbau von Wegen, die das Gebiet bislang erschlossen haben.

Was ein Wildnisgebiet ausmacht, hat das Bundesamt für Naturschutz wie folgt definiert: „Großflächige Wildnisgebiete sollen eine Größe von mindestens 1.000 ha aufweisen. Sie dienen dazu, einen vom Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft zu gewährleisten.“ Das Wildnisgebiet Solling erstreckt sich nordöstlich von Uslar zwischen dem Forsthaus Grimmerfeld im Osten und Donnershagen im Westen. Die höchste Erhebung ist der Schönenberg mit 457 m ü. NN. Es liegt vollständig im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) „Wälder im östlichen Solling“, das auch als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Im Gebiet herrschen ausgedehnte Buchenwälder vor, die auf Teilflächen von Eichen- oder Fichtenwäldern unterbrochen sind. Als besondere Vogelarten kommen hier Spechte wie Schwarzspecht, Grauspecht und Mittelspecht vor, sowie der auch außerhalb weit verbreitete Schwarzstorch. Arten wie Wildkatze und Luchs, die im gesamten Solling vorkommen, sind ebenfalls im Gebiet heimisch.

Der Niedersächsische Weg

Beim Niedersächsischen Weg handelt es sich um ein Maßnahmenpaket für mehr Natur-, Arten- und Gewässerschutz. Neben der Landesregierung gehörten Vertreter des Landvolks Niedersachsen, der Landwirtschaftskammer sowie des NABU Niedersachsen und des BUND Niedersachsen zu den Unterzeichnern des bundesweit einmaligen Vertrages, der im Mai 2020 unterzeichnet wurde. Nach der Vereinbarung der (gesetzlichen) Rahmenbedingungen geht der Niedersächsische Weg jetzt verstärkt in die Umsetzung.

Weitere Informationen: www.artenretter-niedersachsen.de
Lesen Sie hierzu auch unsere Beiträge vom 15. Juli 2020 sowie vom 19. August 2020.

Red./Quelle: ML