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Daten aus Luftbildern des Waldes an der Granetalsperre im Harz im Vergleich zwischen September 2016 und 2018; in den rot markierten Bereichen sind Veränderungen des Waldes durch Sturm und Borkenkäfer deutlich. Die Zeitreihe wird nun durch Bilder aus dem September 2019 ergänzt.

Niedersachsen: Wiederaufforstung beginnt mit Luftbildern

Um das ganze Ausmaß der entstandenen Schäden in den von Sturm und Borkenkäfermassenvermehrung betroffenen Wäldern zu erheben, haben die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) die Wälder in Südniedersachsen nun aus der Luft fotografieren lassen.

Flächendeckend wurden bei klarem Wetter in den vergangenen Wochen aus ca. 3 km Höhe Fotos der Waldgebiete angefertigt, die zusammengesetzt einen guten Gesamtüberblick ermöglichen. Die so gewonnen Daten werden benötigt, um die Wiederaufforstung der Flächen zu planen.

„Die Fotos lassen wir von einer Software automatisch analysieren“, erklärte Dr. Thomas Böckmann, Leiter des Forstplanungsamts der Landesforsten in Wolfenbüttel, und führte weiter aus: „Die Software zeigt uns, wo Sturm und Borkenkäfer Freiflächen in den Wäldern verursacht haben und rechnet uns die Größen der Flächen aus.“

Forstplanung mit Luftbildern

Die automatisiert ausgewerteten Luftbilder werden mit vorliegenden Daten über den Waldzustand verschnitten. Die Förster können dann anhand der Datenlage einschätzen, ob die erkannten Flächen aufgeforstet werden müssen. „Auf vielen Flächen wachsen schon junge Bäume, die sich von allein angesamt haben oder welche, die wir im Zuge des vorsorgenden Waldumbaus in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schon unter dem schützenden Schirm der Altbäume gepflanzt haben“, sagte Böckmann. Den Blick in den Wald ersetzt das Luftbild indessen nicht. Dr. Böckmann: „Die identifizierten Flächen begutachten wir dann vor Ort und überlegen mit den Revierleitern und Revierleiterinnen vor Ort, welche Baumarten in welcher Mischung auf dem gegebenen Boden auch unter geänderten Klimabedingungen gut und gesund wachsen werden. Dabei gehen wir von einer Erwärmung und reduzierten Niederschlägen aus.“ Die Grundlage hierfür liefert das bereits auf den Klimawandel hin überarbeitete LÖWE-Programm. Ab Herbst wird dann mit der Wiederaufforstung begonnen.

Zwar ist das Borkenkäferjahr 2019 noch nicht zu Ende, sodass bis zum Jahresende noch mit einer weiteren Flächenzunahme zu rechnen ist. Insgesamt rechnen die Landesforsten jedoch mit einem Flächenumfang von 5.000 ha aus 2018 und noch einmal einer ähnlichen Größenordnung aus 2019. Da die Forstleute zügig mit der Wiederaufforstung beginnen wollen, sind die erhobenen Daten wichtig zur weiteren Planung. Sobald die Ergebnisse vorliegen, kann auch die Schadensbilanz des Vorjahres aktualisiert werden, der Pflanzenbedarf hergeleitet und das finanziell notwendige Aufforstungsvolumen beziffert werden.

Hintergrund

Orkan „Friederike“ im Januar 2018, die darauffolgende Hitze und Dürre, die sich auch im Sommer 2019 fortsetzten, haben auch in den Niedersächsischen Landesforsten erhebliche Schäden verursacht. In den beiden Jahren 2018 und 2019 hatten die Landesforsten in Summe mehr als 4 Mio. m³ Schadholz aufzuarbeiten. Der Holzmarkt brach 2018 zusammen; Holzpreise fielen um die Hälfte. Gleichzeitig stiegen die Kosten für die Beseitigung der Schäden. Mit ca. 4 bis 5 Mio. gepflanzten Bäumen pro Jahr entwickeln die Landesforsten nach dem 1990 beschlossenen Programm zur „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung“ (LÖWE-Programm) den Landeswald konsequent zu Mischwäldern. Die Größe der allein in den beiden Jahren 2018 und 2019 entstandenen Freiflächen beziffern die Landesforsten derzeit auf ca. 10.000 ha.

Quelle: NLF

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