Forstbetrieb

Niedersachsen: Geschäftsjahr im Zeichen der Aufforstung

Bearbeitet von Jörg Fischer

Die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) haben am 21. Juni ihren Geschäftsbericht für 2021 vorgestellt. Demnach haben die Landesforsten im vergangenen Jahr rund 6 Mio. junge Bäume gepflanzt. Zusammen mit den Saaten wurde auf diese Weise vor allem in den von Sturm, Dürre und Borkenkäfer gebeutelten Wäldern Südniedersachsens die Entwicklung zu klimaangepassten Mischwäldern vorangetrieben.

Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, erklärte dazu: „Auch wenn wir in vielen Fällen ganz bewusst auf die natürliche Verjüngung setzen und gern die Baumarten annehmen, die die Natur sät – dieses Niveau werden wir etwa über die nächsten zehn Jahre halten müssen, um die Entwicklung zu klimastabilen Wäldern zu beschleunigen.“

Allein in den Wäldern der NLF sind als Folge von Dürre, Sturm- und Borkenkäferkalamitäten 37.000 ha Schadflächen entstanden. Um die mit der Wiederaufforstung verbundenen Herausforderungen bewältigen zu können, setzen die NLF auf eine Kombination aus Naturverjüngung, Pflanzung und Saat von Waldbäumen.

In welchem Umfang das jährlich gelänge, sei dabei einerseits an naturbedingte Voraussetzungen geknüpft: Angefangen von der Verfügbarkeit geeigneten Saatguts bis hin zu den Witterungsbedingungen zur Pflanzzeit. Doch: „Auch finanziell ist das ein großes Programm, das in den nächsten Jahren mit jährlich ca. 20 Mio. € zu veranschlagen ist“, schätzt Merker. Folgerichtig würden auch die Überschüsse des Geschäftsjahres 2021 vollständig in die Wiederbewaldung investiert, so Merker weiter.

Infolge gestiegener Holzpreise und eines noch immer hohen Anfalls wegen Borkenkäferbefall zwangsläufig zu nutzenden Holzes hatten die Landesforsten das Geschäftsjahr 2021 mit einem Gewinn von 42,38 Mio. € abgeschlossen. „Ein nur vordergründig gutes Ergebnis, über das man sich als Förster mit Blick in den Wald nur bedingt freuen kann“, resümiert Merker.

Geschäftsjahr 2021: Wie ist die Lage im Wald?

Trotz aller Anstrengungen, den Borkenkäferbefall einzudämmen, hat sich die Fläche des Fichtenwaldes im Harz, die vor den Schädlingen gerettet werden konnte, auch im letzten Jahr deutlich verkleinert, so die Aussage der NLF. Im mittlerweile fünften Jahr, in dem Klimaextreme und ihre Folgen für die Waldökosysteme das Tun der Försterinnen und Förster bestimmen, sei die geschädigte Fläche auf etwa 37.000 ha im Landeswald angewachsen, davon entfielen allein 27.000 ha auf den Harz. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung konzentrieren die Landesforsten ihr Handeln jetzt auf die Wiederaufforstung und den Waldumbau. „Dort, wo keine gesunden Fichten mehr stehen oder keine Aussicht mehr darauf besteht, vitale Fichtenbestände vor dem Borkenkäfer retten zu können, richten wir den Blick auf die nächste Waldgeneration“, betont Merker.

Bei den eingebrachten Baumarten setzen die Landesforsten auf eine an die gegenwärtigen aber auch die zukünftigen Boden- und Klimaverhältnisse angepasste Baumartenmischung. Dr. Merker erläutert: „Für größere Resilienz und Klimaanpassung brauchen wir die Mischung verschiedener Baumarten und müssen sie deshalb jetzt durch Pflanzung und Saat einbringen.“

Ein Forstwirt pflanzt die nächste Waldgeneration.
Foto: NLF

Die Landesforsten belassen laut eigener Aussage auch sogenannte Dürrständer, das sind abgestorbene Fichten, im Wald. Damit sollen die Ausgangsbedingungen für die neue Waldgeneration strukturreicher werden, um die zukünftige Vielfalt zu erhöhen. Auch tote Fichten bieten Schutz vor zu hoher Sonneneinstrahlung und Verdunstung. Davon würden empfindlichere Baumarten profitieren. Das Zeitfenster, darunter zu pflanzen oder zu pflegen, sei jedoch nur kurz geöffnet, weil sie schnell instabil werden und dann eine Gefahr beim Arbeiten bedeuten können.

Die vielen Flächen, die die Landesforsten seit den 1980er-Jahren als Reaktion auf das Waldsterben nach dem LÖWE-Programm unter anderem mit Buchen und Bergahornen bepflanzt haben und die heute vital wachsen, seien die Leitbilder und Hoffnungsträger für die heutigen Wiederaufforstungen. „Dass diese jetzt allmählich das Alter erreichen, in dem wir zudem auf ihre Samen hoffen dürfen, freut uns – es zeigt aber auch, wie langfristig wir denken müssen“, gibt Merker mit Blick auf die erkennbaren Erfolge des Waldumbaus im Harz zu bedenken.

Wie ist das Geschäftsergebnis 2021 für die NLF wirtschaftlich zu bewerten?

Nach den beiden Vorjahren, die die NLF mit einem Verlust haben abschließen müssen, könne der finanziell positive Jahresabschluss nur verhalten positiv bewertet werden, so Merker. Schließlich sei es einerseits Folge des auf normales Niveau gestiegenen Holzpreises, andererseits aber auch der mit 1,9 Mio m³ (Vorjahr: 2,4 Mio m³) abermals hohen Menge an Schadholz, die infolge des Borkenkäferbefalls angefallen ist.

Merker fasst die Lage abschließend zusammen: „Der Substanzverlust wiegt schwer. Wir haben vielfach auch junge, lange noch nicht erntereife Bäume fällen müssen. Große Freiflächen, in denen buchstäblich jeder Baum dem Käfer zum Opfer gefallen ist, müssen mit hohem Aufwand bepflanzt und gepflegt werden. Erst in frühestens 25 Jahre fallen dann bei der Pflege wieder Erträge an.“ Die Landesforsten rechnen mit rund 20 Mio. €, die pro Jahr für die Wiederbewaldung benötigt werden.

Am abgeschlossenen Geschäftsjahr zeige sich abermals die Notwendigkeit der finanziellen Unterstützung durch das Land auch über das Jahr 2025 hinaus, so Merker weiter. Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium mache mit der aktuellen Kampagne „Forst Aid – Erste Hilfe für unsere Wälder“, die es gemeinsam mit Kooperationspartnern im Frühjahr startete, deutlich, dass dies der Landespolitik ein wichtiges Anliegen ist.

Mit Material der NLF