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Niedersachsen: Förster und Naturschützer im Erfahrungsaustausch

Niedersachsen: Förster und Naturschützer im Erfahrungsaustausch

Naturschutz im Wald war das Thema einer Exkursion, zu der das Niedersächsische Forstamt Dassel Mitte Juni eingeladen hatte. Rund ein Dutzend Vertreter von Naturschutzbehörden und ehrenamtlich in Vereinen tätigen Naturschützern trafen sich bei Hilwartshausen im Solling.
Die Forstleute stellten ausgewählte Naturschutzprojekte vor und zeigten den Gästen, welche wertvollen Lebensräume im Wald gefördert wurden.
So werden in einem Hutewald 166 Jahre alte Eichen vor Buchen und Fichten geschützt. Das Forstamt ließ diejenigen Bäume entfernen, die die alten Eichen in den Kronen bedrängen. Die Lücken sollen neu gepflanzte, mannshohe Eichenheister schließen, die weit auseinander stehen und eine große Krone ausbilden. „Unser Ziel im Hutewald ist nicht die Erzeugung von Möbelholz, wir wollen hier möglichst knorrige, uralte Eichen erhalten, an denen Hirschkäfer leben oder andere seltene Tierarten“, erklärt Kai Conrad. Der Förster für Naturschutz und Waldökologie hatte die Exkursion gemeinsam mit Revierförster Jörg Becker vorbereitet.
Im Naturwald „Limker Strang“ öffneten die Dasseler Forstleute eine ganz besondere Schatztruhe. Einer der ältesten Naturwälder Niedersachsens steht hier seit 1970 unter Schutz. Als Urwald von morgen darf sich der Wald im „Linker Strang“ ungestört entwickeln. Weder Axt noch Säge sehen die über 160 Jahre alten Buchen und Eichen. Lediglich morsche Bäume am Wegesrand ließ das Forstamt entwurzeln, um Spaziergänger nicht zu gefährden.
Ein ganzes Netz von insgesamt 144 Naturwäldern zieht sich durch die Wälder der Landesforsten. Dort, wo die Holznutzung ruht und der Mensch kein Zutritt hat, soll sich nach dem Willen der Förster wieder Wildnis entwickeln.
Als weiteren Exkursionspunkt besuchten die Exkursionsteilnehmer das Riepenbachtal. Laut Conrad zählt der Riepenbach zu den ökologisch besonders wertvollen Bächen im Solling. Er ist Teil eines europäischen Schutzgebietes, das als FFH-Gebiet Ilme weiträumig angelegt ist. Im Riepenbach hatte das Niedersächsische Forstamt Dassel Hindernisse beseitigt, die Fischen oder Fliegenlarven das Wandern im Gewässer erschweren. Ein Durchlass wurde in eine Furt umgebaut und ein Damm entfernt. „Der Riepenbach hat jetzt zwei Störstellen weniger und kann sich naturnäher weiterentwickeln. Die Niedersächsischen Landesforsten kommen ihrem Ziel näher, Gewässer im Wald ökologisch zu verbessern. Wir verwirklichen so die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie und die der FFH-Richtlinie“, freut sich Revierförster Jörg Becker, der seit Jahren die Naturschutzaufgaben in seinem Revier vorantreibt.
Förster und Naturschützer nutzten den Tag im Revier zu einem intensivem Erfahrungsaustausch. „Die Auszeichnung des Solling als Deutschlands Waldgebiet des Jahres 2013 war keine Eintagsfliege“, sagte Thomas Reulecke zum Abschluss. „Für uns bedeutet sie ständiger Ansporn bei der täglichen Arbeit im Wald“, so der Forstamtsleiter. Die Naturschutzvertreter bedankten sich für die vielfältigen Exkursionspunkte und die spannend aufbereiteten Fachthemen. Fred Marten vom Landkreis Northeim lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Forstleuten und örtlichen Naturschützern, die sich auch künftig unter alten Bäumen verabreden wollen.
NLF

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