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Niedersachsen: Bedenken von Umweltverbänden gegen neue Walderlasse

Für die nach Europarecht zu schützenden Wälder in Niedersachsen müssen Schutzverordnungen erlassen werden. Was nach diesen Schutzverordnungen erlaubt und verboten sein soll, hat das Land jetzt in zwei Erlassen vom 21.10.2015 festgelegt. Diese Regeln führen aber, so die Umweltverbände BUND, Greenpeace und NABU, zu europarechtswidrigen Schutzverordnungen.
Unzureichende Vorgaben
Besonders unverständlich ist es für die Naturschützer, dass nach den Vorschriften von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium ausdrücklich erlaubt werden soll, den Zustand in schutzwürdigen Wäldern zu verschlechtern. „Zum Beispiel soll in den Schutzverordnungen zugelassen werden, dass in Buchenwäldern ein Anteil von zehn Prozent Baumarten, die hier von Natur aus nicht wachsen würden, neu dazugepflanzt werden dürfen“, kritisiert Ulrich Thüre, Pressesprecher des NABU Niedersachsen. „Das ist völlig abwegig, denn auf diesen Flächen soll ja gerade der naturnahe Zustand geschützt, gefördert und jede Verschlechterung verhindert werden.“
Ähnlich unzureichende Vorgaben gebe es unter anderem bei den Regelungen, wie viele alte Bäume, Bäume mit Baumhöhlen oder abgestorbene Bäume erhalten werden müssen.
Sehr bedenklich ist es auch, dass den Naturschutzbehörden, denen vom Land die Verantwortung für die Schutzgebiete übertragen wurde, mit den neuen Vorschriften vielfach die Hände gebunden werden, gegen Zerstörungen einzuschreiten. So hat die Naturschutzbehörde bei Baumaßnahmen an Wegen, Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln, Kalkung der Waldes, Fräsen und Pflügen des Waldbodens oder Zerschreddern der Bodenvegetation und Strauchschicht mit sogenannten Forstmulchern nur das Recht, informiert zu werden. Notwendig wäre, solche Eingriffe in Schutzgebieten von einer Erlaubnis der Naturschutzbehörde abhängig zu machen oder ganz zu untersagen.
Viel zu kompliziert
Die Vorschriften sind zudem nach Auffassung der Umweltverbände viel zu kompliziert. „In jedem einzelnen Schutzgebiet besteht im Wald ein Labyrinth unterschiedlicher Regelungen“, stellt Georg Wilhelm, Sprecher des Arbeitskreises Wald des BUND Niedersachsen, fest. „Ein Beispiel ist das Totholz, das für eine Vielzahl an Waldarten sehr wichtig ist. Je nachdem, welcher Lebensraumtyp auf einer Waldparzelle vorkommt, ob der Zustand als sehr gut, gut oder mäßig eingestuft wurde und ob bestimmte Fledermäuse oder Spechte vorkommen, müssen an Totholz drei Stämme, zwei Stämme oder überhaupt kein Stamm bei der Waldbewirtschaftung erhalten bleiben. Da blickt in der Praxis keiner durch.“ In anderen Bundesländern wie Brandenburg, aber auch in vielen bestehenden niedersächsischen Naturschutzverordnungen, hätten sich Regelungen bewährt, die einheitlich für das ganze Schutzgebiet gelten und außerdem noch deutlich anspruchsvoller sind.
Nur bei wenigen Punkten gab es nennenswerte Verbesserungen gegenüber den früheren Fassungen. Unter anderem besteht jetzt ein Kahlschlagverbot auf den wertvollsten Kernflächen.
Insgesamt sind die Umweltverbände äußerst unzufrieden
Gesche Jürgens von Greenpeace: „Mehr als zweieinhalb Jahre sind die Naturschutzbehörden vom Umweltministerium davon abgehalten worden, ihre Verpflichtungen zu erfüllen und Schutzverordnungen zu erlassen, weil noch auf die Walderlasse gewartet werden sollte. Jetzt legen zwei grüne Minister nach so langer Zeit ein Regelwerk vor, das von vorne bis hinten mangelhaft und sogar europarechtswidrig ist.“
NABU, BUND, Greenpeace

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