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Niedersachsen: Landesforsten optimieren Holzlogistik

Niedersachsen: Landesforsten optimieren Holzlogistik

Die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) stellten am 11. April auf dem Jagdschloss Springe ihre bereits vollzogenen und noch geplanten Maßnahmen zur Optimierung der Holzbereitstellungskette vor.

Klaus Jänich, NLF-Vizepräsident, begrüßte die Gäste, zu denen vor allem Unternehmer und Holzabnehmer zählten. Trotz der Entwicklung einer eigenen Lösung ist „Niedersachsen keine Insel“, so Jänich. Man hat daher bei der Entscheidung für den Logiball Business Navigator Forst in den NLF auf die Möglichkeit zum Einsatz auch anderer am Markt gängiger Systeme per Schnittstellen geachtet. Eine Reihe „Kontinuierlicher Verbesserungsprozesse“ (KVP) sind Teil der Modernisierung der Logistik, einiges wurden bereits auf der Versammlung der Arbeitsgemeinschaft forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer Niedersachsen in Schwarmstedt vorgestellt (s. F&T 4/2012, S. 34):
  • KVP 4 – Ausrüstung der Revierleiter und Forstwirte mit mobilen Datenerfassungsgeräten in Form von Tablet-PCs;
  • KVP 5 – Datenübermittlung vom Harvester auf den Forwarder, dazu gehören auch Tests mit dem VisioSens-System zur Poltererfassung;KVP 6 – Wegeinformations-System (WIS) und Offroad-Navigation;KVP 7 – Fahrgassenaufzeichnung durch GeoMail und
  • KVP 12/6a – Polterverortung und Polterkoordinaten.
Mehr zur Offroad-Navigation erzählten der Leiter dieses Projektes seitens der NLF, Dietmar Sohns, und Thomas Sbikowski, der bei der Logiball GmbH den Business Navigator Forst betreut. Seit 2007 haben die NLF an der Digitalisierung des Wegenetzes gearbeitet und auch das ALFONS-Navigationssystem der Fraunhofer-Gesellschaft ausprobiert. Da man hier aber fürchtete, wegen der mangelnden grafischen Qualität werde es „bei unseren Kunden und bei den Beschäftigten der NLF keine Freunde“ finden, entschied man sich 2010 nach einer offenen Ausschreibung für Logiball.

Reale und digitale Wege
Zu dieser Zeit waren die Wege bereits unterteilt in A-Wege, die möglichst ganzjährig, außer z.B. bei Durchnässung oder hohem Schnee, der Holzabfuhr dienen, und B-Wege, an denen im Gegensatz zu A-Wegen kein Holz gelagert wird. Für die B-Wege sind keine Navigationsanweisungen hinterlegt, ihre Einstufung kann sich aber ändern. Außerdem zeigte sich hier die Tücke im Detail: Steht ein Lkw an einem Stern mit fünf Wegen, von denen drei A-Wege und zwei B-Wege sind, dann muss das Navi auch die – im Gelände sichtbaren – B-Wege kennen, um den Fahrer nicht zu verwirren durch eine missverständliche Anweisung, in welchen Weg er einbiegen soll.
Außerdem fanden sich erst bei der Erprobung des Systems ca. 1.000 Fehler im Datensatz, die nach einer Plausibilitäts-Prüfung korrgiert wurden. So waren z.B. Wege im Datensatz nicht verbunden, die es im Gelände aber sind, sodass die Navigation natürlich auch nicht die optimale Strecke berechnen konnte. Auch die Absprungpunkte, wo die Systeme von der Offroad-Navigation auf öffentliche Straße umschalten, seien wichtig und „optimierbar“, so Sbikowski. Ähnliche Probleme dürften anderen Bundesländern, die noch nicht in der Erprobungsphase angekommen sind, noch bevorstehen.
Der Aufwand für die Prüfungen wurde einbezogen in den Ablauf der jährlichen Aktualisierung, die jeweils zum 1. Dezember erfolgt: Die dabei von den Wegebau-Einsatzleitern festgestellten Änderungen werden sowohl im Niedersächsischen Forstplanungsamt in die Datenbasen eingepflegt, als auch über den Dienstleister für die Navigation in den Datensatz übernommen, der an die Lizenznehmer verteilt wird.

Demo
Sbikowski zeigte in einer Demo die weitgehend selbsterklärende Nutzerführung des Logiball Business Navigators, der per Umstellung des Profils sowohl für Pkw, als auch für Lkw einsetzbar ist. Neben den 10.000 km A- und B-Wegen der NLF sind mit Fremd-Wegen über 12.000 km niedersächsische Forstwege, 1.000 Lkw-Wendeplätze und 6.000 Verbindungen zum öffentlichen Straßennetz im System erfasst. Sbikowski wies darauf hin, dass derzeit allein für die Weitergabe von Geo-Koordinaten sieben verschiedene Formate gängig sind, ein Standard wäre hier wichtig.
Der Business Navigator bietet diverse Suchmöglichkeiten z.B. nach Polternummern, Abteilungen oder selbst definierbaren Punkten, den „points of interest“ (POI). Auch temporäre Wege-Sperrungen können individuell oder, wenn die nötigen Rechte vorhanden sind, allgemein verbindlich eingepflegt werden.

Das System verfügt über Schnittstellen zu vielen bekannten forstlichen Planungs-Programmen wie Forstware/GeoMail, net.logistik, Wilwerdings TDIS, Latschbacher, der in Bayern entwickelten WASP-Plattform und diverse weitere. So lassen sich auch die damit z.B. mögliche Auftragsverwaltung in der Navigationslösung abbilden. Die eigentliche Abfuhr-Disposition übernimmt der Business Navigator dabei nicht, aber eine Touren-Optimierung soll bis Ende 2012 inbegriffen sein. Wie die Diskussion zeigte, kann und muss der Anwender dabei einen eigenen Workflow – einen definierten Arbeitsablauf – entwickeln, um Aufträge zu managen oder Koordinaten weiterzugeben. Sbikowski wies auch darauf hin, dass künftig alle Daten ELDAT-kompatibel weitergegeben werden sollen.

Heiße Phase
Von einer aktuell „heißen Entwicklungsphase“ beim Poltermanagement und Datentransfer sprach Dr. Hans-Martin Hauskeller aus dem Forstplanungsamt. Nicht nur das Wegesystem, auch die Prozesse in der Holzkette zu optimieren und dem Kunden eine hohe Servicequalität zu bieten sind die Ziele der NLF. Mit der Abfuhrfreigabe sollen Übersichts- und Detailkarten im JPG- oder PDF-Format und die Polterliste geliefert werden, letztere bietet neben Polternummer und Holzdaten auch die Geo-Koordinaten und die Ansprechpartner. Dazu werden Kundenprofile mit den jeweiligen Präferenzen hinterlegt: Wer mit Excel arbeitet, bekommt die Listen als CSV-Datei, Datenbank-Nutzer als XML-Datei. Auch Hauskeller hielt die ELDAT-Kompatibilität für nötig.
Die GPS-Verortung im Wald wird damit zum Standard, nötig sind dafür die Tablet-PCs, mit denen die im September auszumusternden Timbatec MDE-Geräte ersetzt werden. Für kommende Versionen ist laut Hauskeller auch eine Rückmeldung bei Änderung des Polterstatus geplant.

Geräte und Preise
Lauffähig ist der Business Navigator Forst auf allen Windows-PCs. Ein 5-Zoll-Display (ca. 13 cm Diagonale) sei für den Pkw-Einsatz hinreichend, im Lkw empfahl Sbikowski mindestens 7 Zoll (ca. 18 cm). Mit dem aktuellen Datensatz der NLF kostet die Software in Einzellizenz 595 € zuzüglich Mehrwertsteuer. Ein „Hardware-Bundle“ inkl. Navi-Gerät kostet 795 € plus Steuer. Eine zusätzliche SIM-Karte, um das Gerät für den unabhängigen Netzzugang fit zu machen, schlägt mit nochmals 100 € zu Buche.
Einen Prototyp, der auch die bundesweiten NavLog-Daten mitbringt, hoffte Sbikowski noch im April präsentieren und bis zur KWF-Tagung verfügbar machen zu können. Mit den weiteren dafür nötigen Lizenzen werden für diese bundesweit taugliche Version etwa 900 € plus Steuer fällig. Die jährlichen Updates werden etwa die Hälfte der jeweils einmaligen Lizenz­gebühr kosten. Auch NavLog-Geschäftsführer Bernhard Hauck, der auf den fortlaufenden Optimierungsprozess hinwies, hoffte, zur KWF-Tagung eine verkaufs­fähige Version des NavLog-Datensatzes vorlegen zu können.

Flottenmangement
In einem weiteren Vortrag stellte anschließend Dirk Juleit, Marketing-Leiter der auf Telematik spezialisierten GPSoverIP GmbH (Schweinfurt), die Flottenmanagement-­Lösung seines Unternehmens vor. Sie macht per Übertragung von GPS- und Nutzerdaten der angeschlossenen Fahrzeuge sämtliche logistischen Prozesse auch unterwegs transparent. Ein eigenes und besonders schlankes Übertragungsprotokoll hält das dafür aus dem Fahrzeug zu übertragende Datenvolumen gering. Auch der Versand von Nachrichten oder Aufträgen ist über das System möglich.

Von den Betriebsdaten des Lkw, die aus dem CAN-Bus abgegriffen werden, über seine Position bis zu den Lenk- und Ruhezeiten ist damit der Datenstand des digitalen Fahrtenschreibers im Fahrzeug für das Unternehmen permanent zugreifbar, wie Jurleit beim „Livetracking“ anschaulich demonstrierte.
Unterlegt mit einer Straßenkarte projizierte er dem Publikum die gegenwärtigen (und auf Wunsch auch die am Morgen vorangegangenen) Bewegungen des Lkw eines schleswig-holsteinischen Forstservice- und Holzhandels-Unternehmens – für Kundige am eingeblendeten Kfz-Kennzeichen erkennbar – auf dem Holzlagerplatz eines bekannten Großbetriebes in Wismar live an die Wand. Ein Raunen ging durchs Publikum, als der blinkende Punkt auf der Karte sich in Bewegung setzte und zugleich die daneben eingeblendete Geschwindigkeits-Anzeige in Gang kam.
Axel Jönsson

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