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Neues Zertifikat sichert nachhaltigen Anbau von Agrarholz

Neues Zertifikat sichert nachhaltigen Anbau von Agrarholz

Das Internationale Institut für Wald und Holz NRW (Münster) entwickelte mit Partnern und einer Finanzspritze der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) von über 102.000 € ein Zertifikat für den nachhaltigen Anbau von Agrarholz.
Das neue Zertifikat „Agrarholz nachhaltig angebaut“ regelt ein umwelt- und klimafreundliches Anlegen, Bewirtschaften und Ernten dieser Flächen.
Kriterien, Praxistests, Marktvorteile
Prof. Dr. Andreas Schulte, Vorsitzender des Instituts: Seit Beginn des Jahres 2014 können Flächenbesitzer ihre Kurzumtriebsplantagen mit dem Logo „Agrarholz nachhaltig angebaut“ zertifizieren lassen. Das Zertifikat sichere Ökostandards für diese Landschaftsnutzungsform in Deutschland und sei jeweils für fünf Jahre gültig. In dieser Zeit werde der Betrieb mindestens zweimal kontrolliert. Anschließend könne das Zertifikat nach erneuter Prüfung um fünf Jahre verlängert werden.
„Gemeinsam mit anderen Institutionen und Verbänden haben wir Kriterien erarbeitet, die sich an nationalen und europäischen Regelungen orientieren und über geltende Standards hinausgehen“, so Schulte. Dieser Katalog ist im Rahmen von fünf Praxistests in Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern erprobt worden.
Das Zertifizierungsverfahren wurde gemeinsam mit der DIN CERTCO Gesellschaft für Konformitätsbewertung (Berlin) als unabhängige und akkreditierte Zertifizierungsgesellschaft der Rheinlandgruppe des Technischen Überwachungsvereins und des Deutschen Instituts für Normung durchgeführt. 

„Mit der Zunahme des Agrarholzanbaus werden zertifizierte Betriebe gegenüber konventionellen – ähnlich wie im Holzhandel – in Zukunft einen deutlichen Marktvorteil erringen können. Nachhaltiges Wirtschaften kann sich deshalb nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht lohnen“, betont DBU-Referent Dr. Reinhard Stock.

Hintergründe
Beim Anlegen und Bewirtschaften von Agrarholzflächen sei es wichtig, so Schulte, den Natur- und Wasserhaushalt, die biologische Vielfalt und das Landschaftsbild nicht zu beeinträchtigen. Obendrein sollten auch großflächige Monokulturen vermieden werden, um die Lebensraumvielfalt zu erhöhen und das Risiko für Schädlinge und Krankheitsbefall zu senken. Damit der Wasserabfluss gewährleistet bleibe, dürften Böden in hochwassergefährdeten Gebieten nicht für den Anbau genutzt werden. Zudem dürften Pflanzenschutz- und Düngemittel nur im Bedarfsfall, nicht vorbeugend eingesetzt werden. Der Erholungswert und das Landschaftsbild sollten ebenfalls nicht beeinträchtigt werden.
Auf bislang rund 10.000 ha stünden Agrarholzflächen in Deutschland. Im Vergleich zu anderen Energiepflanzen wie Raps und Mais, die auf über 2 Mio. ha wüchsen, sei die Fläche eher klein. Dabei sei, so Schulte, der Anbau von Holz als Bioenergieträger insgesamt kostengünstiger, vor allem aber ökologischer als der anderer Energiepflanzen. Weil der Boden nur alle 30 Jahre bearbeitet werden muss – bei Mais und Raps dagegen jedes Jahr – ist die lange Bodenruhe ein großer ökologischer Vorteil. Auch wird in der Regel kein Dünger und werden vergleichsweise wenig Pestizide benötig. Neben dem Erzeugen von Strom und Wärme könnten aus Holz unter anderem auch Papier, Holzwerkstoffe oder Verbundmaterialien hergestellt oder thermisch behandeltes Pappelholz zur Fassadenverkleidung verwendet werden.
Ab 2014 können alle Bundesländer das Anlegen schnell wachsender Agrarholzflächen bezuschussen lassen – so hat es die Bundesregierung Anfang 2013 beschlossen, unterstreicht Schulte. Die Europäische Union habe zudem den Rahmen dafür geschaffen, dass diese Form der Landwirtschaft durch die Mitgliedsländer als ökologische Vorrangfläche anerkannt werden kann. 
DBU/Internationales Institut für Wald und Holz NRW/Red.

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