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Neues Pilotprojekt der wald-wird-mobil.de gGmbH gestartet

Fast die Hälfte des deutschen Waldes liegt in privater Hand. Die Eigentumsverhältnisse sind aber oftmals kompliziert. Viele der zwei Millionen Waldbesitzer verfügen nur über kleine Flächen und wissen nicht, wo genau die Grenze ihres Eigentums verläuft. Abhilfe können moderne GPS-Geräte schaffen, mit denen sich Grenzsteine und Grenzverläufe auffinden lassen.
Im Rahmen eines durch die Landwirtschaftliche Rentenbank geförderten Projektes der gemeinnützigen GmbH wald-wird-mobil.de (wwm) konnten in Thüringen nun fünf forstliche Zusammenschlüsse mit der neuen Technik ausgestattet werden.
Man müsse sich einen beachtlichen Teil des deutschen Privatwaldes als einen Flickenteppich mit ungünstigen, schwer auffindbaren Grenzverläufen vorstellen, erklären Markus von Willert und Johanna Reinkemeier vom Projektleitungsteam der wwm. Durch Erbteilung entstünden zudem immer kleinere Flächen, die sowohl Bewirtschaftung als auch Klima- und Naturschutzmaßnahmen erheblich hemmen würden. „Umso wichtiger werden forstliche Zusammenschlüsse, unter deren Dach eine flächenübergreifende Waldpflege stattfinden kann“, so Reinkemeier.
„GPS-Grenzfindung durch forstliche Zusammenschlüsse in Eigenregie“
Doch die potenziellen Mitglieder wüssten oftmals nicht einmal, entlang welcher Grenzen sich ihr Eigentum eigentlich erstreckt. Durch die Ausstattung mit leistungsfähiger GPS-Technik sollen die Vereinigungen in die Lage versetzt werden, Grenzfindungsprobleme künftig selbst zu lösen und die Grenzfindung als eigene Dienstleistung anzubieten. So die Idee des jüngst gestarteten wwm-Projektes „GPS-Grenzfindung durch forstliche Zusammenschlüsse in Eigenregie“.
Die wwm, die nach dem Prinzip der Public-Private-Partnership (PPP) mit Waldeigentümern und der Holzwirtschaft zusammenarbeitet, und die Landesforstanstalt ThüringenForst AöR wenden die GPS-Technik im Rahmen der Privatwaldförderung Thüringen bereits seit Jahren erfolgreich an. Ziel ist es, Kleinprivatwaldeigentümer mit ihrem Besitz in Kontakt zu bringen.
„Unsere Erfahrungen mit der GPS-Technik sind sehr positiv“, sagt von Willert. Der starken landesweiten Nachfrage käme man aber alleine nicht mehr nach. Daher wolle man nun die Zusammenschlüsse vor Ort stärken und die Technik in die Fläche tragen. Im Rahmen des Pilotprojektes dürfen sich die Forstbetriebsgemeinschaften Sonneberger Grenzland, Mihla, Uhlstädter Heide, Saalfelder Höhe sowie die Forstwirtschaftliche Vereinigung Henneberger Land über die neue GPS-Ausstattung freuen.
Möglich macht dies, neben einem finanziellen Eigenanteil durch die Zusammenschlüsse selbst, eine Förderhilfe der Landwirtschaftlichen Rentenbank und Zuwendungen der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH. „Wir möchten den Förderern und Sponsoren des Projektes für die Unterstützung und das Vertrauen in unsere Arbeit danken“, sagt Prof. Max Krott, Aufsichtsratsvorsitzender der wwm, die ebenfalls eigene Finanzmittel in das knapp 40.000 € teure Projekt eingebracht hat.
Hilfe zur Selbsthilfe
Die Wirkung des Projektes sei langfristig und gehe weit über die technische Ausstattung hinaus: „Es hat sich gezeigt, dass die Klärung von Besitzgrenzen oft der Anfang einer nachhaltigen Bewirtschaftung ist“, erklärt von Willert. Viele Eigentümer hätten hierdurch bereits durch die Mitarbeiter der Privatwaldförderung Thüringen an ihren Wald herangeführt werden können und seien somit auch mit Waldnachbarn und Betriebsgemeinschaften ins Gespräch gekommen. Vor Ort ließen sich Ziele und Notwendigkeit einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung praxisnah vermitteln.
Während der Projektlaufzeit werden die teilnehmenden Zusammenschlüsse von der wwm sowie der Privatwaldförderung Thüringen (PPP) fachlich betreut und in ihrer Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. „Wir wollen diese neue Dienstleistung offensiv bewerben und den Zusammenschlüssen hierdurch ermöglichen, neue Mitglieder zu gewinnen“, so Reinkemeier. Nur mittels „Hilfe zur Selbsthilfe“ könnten in den Regionen stabile und effiziente Betreuungsstrukturen entstehen. Evaluiert wird das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Forst- und Naturschutzpolitik an der Georg-August-Universität Göttingen.
Sollten sich die erwarteten positiven Effekte bestätigen, könnte das Modell bundesweit oder gar international als Vorbild für Regionen mit passivem Kleinprivatwald dienen.
Das GPS-Projekt reiht sich somit nahtlos in die Zielstellung des ebenfalls in diesem Jahr gestarteten Projektes zur „Entwicklung eigentümerorientierter Maßnahmen für nachhaltiges Wirtschaften im Privatwald“ (EMP) ein, das die wwm im Rahmen des Verbundprojektes „Klimaschutz durch Kleinprivatwald – für Eigentümer und Gesellschaft“ (KKEG) durchführt. Dieses wird durch den auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages errichteten Waldklimafonds des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert und soll unter anderem innovative Praxislösungen zur Unterstützung ehrenamtlich geführter Zusammenschlüsse erarbeiten.
„Wir freuen uns, dass wir diese beiden spannenden neuen Projekte neben dem seit 2006 laufenden PPP-Projekt in Thüringen starten durften“, so von Willert. Für die kommenden Wochen stünden bereits die ersten Arbeitsgruppentreffen an, bei denen die ehrenamtlich geführten forstlichen Zusammenschlüsse aktiv mitwirken.
wald-wird-mobil.de gGmbH

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