WaldÖkologie

Neues aus der Naturwaldforschung in Niedersachsen

Bearbeitet von Carolin Föste

Seit 1972 verteilen sich Naturwälder in Niedersachsen zwischen Harz und Nordsee. Das bedeutet, dass sie sich seit nun 50 Jahren eigenständig entwickeln dürfen. Mit einer Jubiläumsveranstaltung resümierten forstliche Forschung und Landesforsten nun die Entwicklung.

Auf insgesamt 34.000 ha Fläche – von insgesamt 330.000 ha großen, durch die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) bewirtschafteten Wälder – entwickelt sich ein Netz aus weitestgehend ungestört wachsenden Wäldern. 173 ausgewiesene Naturwälder, die 11.000 ha der Fläche einnehmen, dienen dabei als Forschungsobjekt und stärken die Artenvielfalt. Naturdynamische Prozesse lassen sich dort über große Zeiträume hinweg beobachten.

Um das 50-jährige Jubiläum niedersächsischer Naturwälder zu feiern, führten der NLF-Präsident Klaus Merker, Forstamtsleiter Christian Weigel und seine Mitarbeiter durch einen Naturwald im Süntel, zugehörig zum Forstamt Oldendorf.

50 Jahre Naturwälder in Niedersachsen

„Die Naturwälder liefern uns auch jetzt, in Zeiten großflächiger Waldschäden, wertvolle Erkenntnisse. Darüber hinaus leisten sie als ‚Urwälder von morgen‘, die wir in den Landesforsten auf insgesamt 10 % der Fläche eingerichtet haben, einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität“, kommentierte Dr. Merker die Naturwälder zum Jubiläum.

Auch Niedersachsens Forstministerin Barbara Otte-Kinast erschien bei der Veranstaltung. Sie wies zum Jubiläum auf die Kampagne „Forst Aid – Hilfe für unseren Wald“ hin und betonte damit die Bedeutung der Naturwälder. „Es ist gut, dass Niedersachsen seit 50 Jahren wertvolle Naturwälder hat. Nur eine naturnahe und integrierte multifunktionale Waldbewirtschaftung, zu der auch Flächen mit eigendynamischer Entwicklung gehören, kann die nachhaltigen Leistungen für Natur, Biodiversität, Mensch, Wirtschaft und Klimaschutz auf Dauer erfüllen.“

Forschung in Naturwäldern

Die forstliche Forschung wird von Fachleuten der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) am Standort Hann. Münden durchgeführt. „Die in den niedersächsischen Naturwäldern über fünf Jahrzehnte hinweg entstandenen Zeitreihen und Einzeluntersuchungen haben eine weit über die Grenzen des Bundeslandes hinaus reichende Bedeutung“, erklärt Dr. Marcus Schmidt von der Abteilung Waldnaturschutz der NW-FVA.

„Standen in der Anfangsphase des Naturwald-Programms die Waldbestände und ihre Entwicklung im Vordergrund, so richtet sich mit der Erweiterung der Flächenkulisse aktuell der Fokus auf die Erfassung der waldtypischen Biodiversität“, so Schmidt weiter. Aber wie kann die Entwicklung eines Naturwalds messbar gemacht werden? Dazu habe die NW-FVA ein Monitoring entwickelt, um die Erfolge landesweit einheitlich prüfen zu können. Dabei erfassen die Forschenden die in den Wäldern lebende Tier- und Pflanzenarten, die Höhe und Durchmesser der Bäume, die Menge und den Zustand von Totholz, verschiedene Bodenparameter und weitere Daten. Im kommenden Jahr soll eine Fachtagung zu den letzten 50 Jahren niedersächsischer Naturwaldforschung ausgerichtet werden.

Was sind Naturwälder?

In sogenannten Naturwäldern soll sich der Urwald von morgen entwickeln. Das bedeute weder Fällungen noch Pflanzungen und kein Ausbau der Forstwege, beschreibt die NLF. Urwälder, im Sinne von vollkommen unberührten Wäldern, gibt es heute in Deutschland nicht mehr. Auch, wenn heute auf rund einem Drittel deutscher Fläche Wald steht, wurde dieser seit Jahrhunderten genutzt, umgestaltet und vielfach neu begründet.

Naturwälder sind daher keine Urwälder im klassischen Sinne. Sie sollen der Natur jedoch den gleichen Freiraum und damit die eigenständige Entwicklung ermöglichen. Lediglich werden die Naturwälder Niedersachsens weiterhin bejagt, um den Wald vor übermäßigen Verbissschäden zu schützen.

Quelle: NLF