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Chancen für neuen Nationalparktyp „Klima- und Ressourcenschutz“?

Der Gemeindewaldbesitzerverband NRW sieht für Ostwestfalen-Lippe gute Chancen für ein Nationalparkprojekt im Dreiklang der drei Eigentümer mit der Bundesrepublik Deutschland (Truppenübungsplatz Senne), dem Landesverband Lippe (Wälder im Teutoburger Wald) sowie dem Land NRW (Staatswaldflächen in der Egge/Paderborner Hochfläche). Der kommunale Waldbesitzerverband favorisiert dazu die beispielhafte Erprobung eines bundesweit einmaligen Typs „Nationalpark Klima- und Ressourcenschutz“ durch das Land NRW mit klarer Aufgabenzuteilung an die öffentlichen Eigentümer Bund und Land NRW.
In einem Schreiben an Umweltminister Johannes Remmel, an die forstpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen und an den Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW hat der Gemeindewaldbesitzerverband jetzt seine Anregungen und konkreten Vorschläge zur Erhaltung des NRW-Naturerbes vorgestellt. Diese sollen mit den Landtagsabgeordneten auf der Mitgliederversammlung des Verbandes am 10. September 2012 in Köln im Rahmen einer Podiumsdiskussion erörtert werden.
Nach den Vorschlägen des kommunalen Waldbesitzerverbandes könnten danach die Staatswaldflächen des Landes in der Egge und der Paderborner Hochfläche die Funktionen des Prozessschutzes übernehmen. Und auf den noch mit dem Landesverband zu tauschenden Waldflächen könnte die neue Eigentümerin, das Land NRW, beispielhaft erproben, wie sich eine naturnahe Forstwirtschaft mit dem Nationalparkgedanken vereinbaren lässt. Die Wälder sollten dabei vollständig auf die Buche und andere heimische Baumarten als nationales Erbe umgestellt werden; gleichzeitig sollte dort aber eine „sanfte Forstwirtschaft“ beispielsweise nach dem Modell des Lübecker Stadtwaldes weiterhin möglich sein. In der Senne würde der Bund die kulturhistorischen Landschaften nach dem Vorbild britischer Nationalparke kostengünstig unter Fortsetzung der militärischen Nutzung erhalten.
Die Beschlusslagen der Verbandsversammlung des Landesverbandes sehen vor, lippische  Flächen in der potentiellen Nationalparkkulisse dadurch zur Verfügung zu stellen, indem diese wertgleich mit Flächen des Landesbetriebes Wald und Holz NRW getauscht werden. Die Verhandlungen laufen derzeit und gestalten sich allerdings nicht einfach.
„Erklärtes Ziel ist es, dass die Wälder damit auf allen Flächen ihren eigenen besitzspezifi-schen Beitrag sowohl zur biologischen Vielfalt, aber letztlich auch zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten können. Mit diesem neuen Ansatz kann das Land beispielhaft demonstrieren, wie sich Artenschutz gerade auf den Sonderbiotopen in der Senne, Schutz der Wildnis, schonende nachhaltige Nutzung der Ressourcen, Klimaschutz, Fremdenverkehr, Erholung und Erhalt der kulturhistorischen Besonderheiten als vorrangige Hauptziele in einer einzigen Nationalparkkulisse managen lassen“, erläutert der Vorsitzende des Gemeindewaldbesitzerverbandes, Bürgermeister Bernhard Halbe (Schmallenberg) und Geschäftsführer Dr. Gerd Landsberg (Bonn) den Vorschlag für ein „intelligentes Gebietsmanagement“. Sie verweisen dabei auf die „Internationale Union zum Schutz von Natur und natürlichen Objekten“ (IUCN), die die Staaten dazu aufgefordert hat, Schutzgebietssysteme zu entwickeln, die ihren eigenen Zielen hinsichtlich des Natur- und Kulturerbes genügen. Dabei können nach IUCN die nationalen Bezeichnungen für Schutzgebiete durchaus voneinander abweichen.
Halbe und Landsberg sehen gleichzeitig eine große Chance, mit diesem neuen Ansatz auch die Gegner des klassischen Nationalparks mit ins Boot zu holen und in der Region wieder Ruhe einkehren zu lassen.
Keine Denkverbote für den Wald
„Da sich die energiepolitischen Rahmenbedingungen nach der Atomkatastrophe in Japan und dem von der Bundesregierung beschlossenen Atomausstieg grundsätzlich verändert haben, muss auch beim Schutzgebietsmanagement und deren Zielausrichtung über neue Konzepte nachgedacht werden. Auch beim Wald darf es keine Denkverbote geben. So ist beispielsweise durch das Institut für Weltforstwirtschaft in Hamburg wissenschaftlich erwiesen, dass eine Nullnutzung der Wälder keine optimale Option für den Klimaschutz darstellt. Damit stellt sich die Frage, ob sich die Politik mit der Ausweisung weiterer klassischer Nationalparke, in denen die Forstwirtschaft generell aus den Wäldern verbannt wird, klima- und energiepolitisch noch auf dem richtigen Kurs befindet. Aus Sicht der kommunalen Waldbesitzer sind vielmehr neue intelligente Lösungen gefragt, die sowohl den Interessen des Naturschutzes, der Forst- und Holzwirtschaft, dem Klimaschutz, der Energiewende, aber auch den Bürgerinnen und Bürgern in der Region Rechnung tragen“, so Halbe und Landsberg.
Naturnähe verbessern – aber auch reife Bäume ernten
Dabei müsse das Rad nicht völlig neu erfunden werden. So würden die Umweltorganisationen wie GREENPEACE, BUND, WWF und ROBIN WOOD bereits seit 1996 die weltweite Anwendung der von ihnen als ökologisch unbedenklich anerkannten Prinzipien des Lübecker Konzeptes der „Naturnahen Waldbewirtschaftung“ empfehlen. Das Lübecker Konzept zeichne sich durch Naturnähe als Hauptkriterium und gesellschaftliche Akzeptanz aus. Wegen der erheblichen Kosteneinsparungen durch biologische Automation, Extensivierung und verringertes Produktionsrisiko sei das Konzept auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehr attraktiv. Eingriffe erfolgten mit dem Ziel, die Naturnähe der Wälder zu verbessern, die Qualität der verbleibenden Bäume anzuheben und reife Bäume zu ernten. Der Landesbetrieb Wald und Holz NRW sollte daher prüfen, inwieweit dieses Waldkonzept auch auf Wälder in der geplanten Nationalparkkulisse erfolgreich übertragbar sei.
Großbritannien: Wirtschaftliche Nutzung in Nationalparken erlaubt
In der Frage „Nationalpark Senne“ und/oder „Truppenübungsplatz Bundeswehr“ ver-weisen Halbe und Landsberg auf Großbritannien. Dort würde nach einem Bericht des Parlamentarischen Beratungs- und Gutachterdienstes des Landtags NRW (Information 13/0741) bei sieben Nationalparks ein Teil der Fläche als Truppenübungsplatz genutzt. In den Nationalparken von England und Wales werde bewusst versucht, Landschafts- und Naturschutz mit privatem Eigentum und in bestimmten Gebieten sogar mit wirtschaftlicher Nutzung zu verbinden. „Wenn bei unseren europäischen Nachbarn sich Nationalparks und militärische Nutzung nicht ausschließen und in Nationalparken sogar ein forstwirtschaftliches Management ermöglicht wird, warum soll dies dann in Nordrhein-Westfalen nicht auch möglich sein?“, so Halbe und Landsberg. Naturschutz und militärische Nutzung seien ebenso kein Widerspruch. So habe bereits in 2009 das Land NRW und die Bundesrepublik Deutschland unter Zustimmung der britischen Streitkräfte für das Gebiet des potentiellen Nationalparks Senne eine vertragliche Vereinbarung über den Schutz von Natur und Landschaft abgeschlossen. Diese Vereinbarung diene der Umsetzung der FFH- und Vogelschutzrichtlinie und das hierin formulierte Leitbild schließe eine nationalparkkonforme Entwicklung bereits ein.
 
Gemeindewaldbesitzerverband NRW

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