Waldschutz

Neuer Einsatz für Drohnen: Wald vor Wild schützen

Bearbeitet von Carolin Föste

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert den Einsatz von Drohnen zum Überwachen der Rehwildpopulationen. Die fliegenden Wärmebildkameras könnten damit neben der Rehkitzrettung vor der Mahd in Zukunft eine weitere wichtige Aufgabe erfüllen.

Rehe leben heimlich und oft gut versteckt in hohen Wiesen und im Wald. Neben der Suche nach Kitzen im Frühsommer können mit dem Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras künftig auch Rehwildbestände im Winter gezählt und so der Wald von morgen geschützt werden. Die DBU begleitet das Projekt fachlich und unterstützt die Forschenden mit 125.000 Euro.

Drohnen-Einsatz ist Innovation im Wildtiermanagement

Die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz in Trippstadt hat das Verfahren entwickelt. Denn auch wenn Rehe oftmals beim Fressen ins Freie treten, seien sie unmöglich zu zählen. Das bisherige Wissen über die Populationsgrößen beruhen auf Jagdstrecken, den Schätzungen von Försterinnen und Förstern sowie Statistiken über Verkehrsunfälle, so die DBU.

Wildtierökologe Dr. Jörg Tillmann sagt: „Erfahrungswerte von Forst- und Jagdexperten liefern Hinweise auf die Populationsgröße.“ Er ist Mitglied des Projektbeirats und stellvertretender Leiter der DBU Naturerbe, einer gemeinnützigen Stiftungstochter. Die Dichte an Rehwild im Wald möglichst genau zu kennen, sei aber wichtig. Wild könne einen bewirtschafteten Wald „ziemlich stressen“, so Tillmann. Rehe seien Feinschmecker: „Sie fressen gerne die zarten Knospen junger Bäume“, der sogenannte Verbiss. Damit sind sie ein Einflussfaktor auf die Waldentwicklung.

Natürliche Waldentwicklung: Drohnen als Zaunersatz

Oft werden junge Forstpflanzen neben der Bejagung von Rehwild durch Zäunungen geschützt. Das ist aufwändig und kostspielig und eignet sich nicht für jeden Forst. Tillmann sieht hier eine Chance: „Der Drohneneinsatz kann die Diskussionen zwischen Jägern, Wildökologen und Förstern versachlichen, die nicht selten unterschiedliche Ansichten haben, was den Einfluss der Größe von Rehpopulationen auf die Waldentwicklung angeht.“

Für die eigenen 55.000 ha Wald wünscht sich die DBU einen ökologischen Waldumbau, nach dem sich der Wald natürlich weiterentwickeln kann. „Natürliche Mischwälder sollen sich selbst überlassen bleiben. Im Naturerbe schließt das Pflanzungen und Umzäunungen aus“, bestätigt Tillmann. Daher müsse abgewogen werden, ob die Rehwildpopulation eine natürliche Waldentwicklung überhaupt ermöglicht. Und so kommen die Drohnen ins Spiel. Wirtschaftliche Ziele seien bei der Waldentwicklung in den Wäldern der DBU jedoch keine Motivation, sagt Tillmann.

Stören Drohnen Rehe im Wald?

Rehwild durch Drohne beobachtet
Die Wärmebildkamera der Drohne macht Rehe in Winternächten sichtbar. Das funktioniert auf freiem Feld oder im Wald.
Foto: FAWF/Landesforsten RLP

Biologin und Projektleiterin Dr. Carolin Tröger von der rheinland-pfälzischen Forschungsanstalt sagt: „Mit der drohnengestützten Technik wurde eine Methodik entwickelt, mit der sich Rehe nachts im Wald zur Hauptaktivitätszeit in größeren auch unwegsamen Gebieten erfassen lassen, ohne sie großartig zu stören.“ In den Versuchen testete sie, ob die Drohnen das Wild beeinflussen, indem sie das Verhaltend er Tiere bei unterschiedlichen Flughöhen verglich.

Bei einer Drohnen-Flughöhe von 80 m zeigte sich, dass nur 1 % der Tiere nervös reagierten, aber kein einziges mehr flüchtete. Für die Wissenschaftlerin für ökologische Waldentwicklung ist zusätzlich interessant: „Das nächtliche Raumnutzungsverhalten lässt sich über die Wärmebildkameras beobachten.“

Für den Einsatz der Drohnen-Technik in dichten Nadelwaldbeständen sowie ihrer Verjüngung bestehe noch Forschungsbedarf. Diese Bestände versperren die Sicht auf die Populationen.

Potenzial von Drohnen im Wildtiermanagement

Tröger erhofft sich ein hohes Potenzial für den Einsatz der Drohnen in winterlichen Laubmischwäldern. Der Klimawandel stresse den Wald zunehmend, daher hat der Einsatz der Drohnen das Potenzial, bei der Planung waldbaulicher und jagdlicher Maßnahmen zu unterstützen. Das hilft jungen Forstpflanzen, ungestört aufzuwachsen.

Quelle: DBU