Waldschutz

Neue Waldschutzgebietskonzeption erschienen

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Mit dem Klimawandel steigen auch die Anforderungen an den Waldnaturschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt – damit stehen Waldschutzgebiete in Baden-Württemberg verstärkt im Fokus. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) erarbeitet im Rahmen ihres Waldschutzgebietsprogramms die notwendigen Grundlagen für die Ausweisung und Betreuung dieser Gebiete.

Zwei Arten von Waldschutzgebieten kommen in Baden-Württemberg vor. Bannwälder und Schonwälder. Während Bannwälder vollständig der natürlichen Waldentwicklung überlassen werden, wird in Schonwäldern ein bestimmtes Naturschutzziel umgesetzt. „In unserem Waldschutzgebietsprogramm beobachten wir die langfristige Entwicklung dieser Gebiete, begleiten Naturschutzmaßnahmen, und erforschen ihre Auswirkungen auf die Biodiversität im Wald“, erklärt Dr. Veronika Braunisch, Leiterin des Arbeitsbereichs „Waldschutzgebiete“.

Ziele der Waldschutzgebietskonzeption

Die mittelfristige inhaltliche und strategische Ausrichtung des Waldschutzgebietsprogramms werde in einer Waldschutzgebietskonzeption zusammengefasst, die die FVA vor Kurzem überarbeitet und neu herausgegeben hat. Sie definiert die aktuellen Schwerpunkte im Hinblick auf die wissenschaftliche Betreuung von Bann- und Schonwäldern und benennt Kriterien für die Umsetzung und Ausweisung solcher Gebiete. Das Waldschutzgebietsprogramm an der FVA hat eine lange Tradition: Die ältesten Bannwälder Baden-Württembergs werden bereits seit über 100 Jahren nicht mehr forstlich genutzt und werden schon seit Jahrzehnten wissenschaftlich beobachtet. Mit der neuen Waldschutzgebietskonzeption wird das bestehende Programm um aktuelle Zielsetzungen und Fragen erweitert.

Naturschutzwert steigern

Im überarbeiteten Programm werden neue Methoden und Fragestellungen integriert. So ist es möglich, die Auswirkungen des Klimawandels oder unterschiedlicher Waldbewirtschaftung auf die Waldentwicklung zu erforschen. Auch Auswirkungen auf die Biodiversität spielen eine Rolle. Bestehende Bannwälder sollen darüber hinaus im Rahmen der politischen Ziele sinnvoll ergänzt werden, um ihre Repräsentativität und ihren Naturschutzwert zu steigern. in Schonwäldern soll künftig ein größerer Schwerpunkt auf die Schutzziele, zur Förderung seltener Arten oder Biotope gelegt werden.

Begleitheft mit konkreten Gebietsinfos

Die Waldschutzgebietskonzeption liefert außerdem viele konkrete Informationen zu den Gebieten: Wie viele Bann- und Schonwälder gibt es derzeit in Baden-Württemberg, wo liegen sie und wie sehen sie aus? Diese Fragen werden in einem Begleitheft beantwortet, das gleichzeitig erscheint.

Unterschied Bann- und Schonwälder

Bannwälder stellen wertvolle Referenzflächen für die Erforschung von natürlichen Prozessen auf die Waldentwicklung und Waldbiodiversität dar. Grundlage hierfür ist ein langfristiges Waldstrukturmonitoring auf systematisch angelegten, dauerhaft vermarkten Stichprobenpunkten, das durch fernerkundungsbasierte Strukturerhebungen ergänzt wird. In ausgewählten Bannwäldern werden zusätzlich floristische und faunistische Daten erhoben. Die Daten liefern Informationen über die strukturelle Entwicklung unbewirtschafteter Wälder und deren Lebensraumeignung für Tier- und Pflanzenarten.

In Schonwäldern finden im Gegensatz zu Bannwäldern gezielte Naturschutzmaßnahmen statt. Einige Tier- und Pflanzenarten sind auf besondere Strukturen angewiesen, die durch Pflegemaßnahmen oder bestimmte (z.B. historische) Waldnutzungsformen gefördert werden können. Schonwälder werden so bewirtschaftet, dass gewünschte strukturelle Bedingungen und damit verbundene seltene Arten oder Lebensgemeinschaften erhalten oder gefördert werden. Schwerpunkt der Forschung in Schonwäldern ist die Quantifizierung der Effektivität biodiversitätsfördernder Maßnahmen zur Erreichung eines Schutzziels.

Waldschutzgebietskonzeption BW 2020

Begleitheft Konzeption 

Quelle: FVA