Forstbetrieb

Neue Waldmonitor-Karte: Mehr Wissen im Klimawandel

Bearbeitet von Carolin Föste

Am 27. Mai 2022 wurde die erste satellitengestützte Baumartenkarte frei zugänglich und ergänzt seitdem den 2021 veröffentlichten Waldmonitor. Die neue Karte zeigt, wie die häufigsten Baumarten Deutschlands verteilt sind. Was ermöglichen die Karten aus dem All gegenüber dem bisherigen Kartenmaterial des Bundes?

Die neuen Karten, die anlässlich des Living Planet Symposiums der Europäischen Union ESA Ende Mai vorgestellt wurden, seien für die Zukunft der Wälder von großer Bedeutung, so die Naturwald Akademie in einer aktuellen Meldung. Immer bessere Kenntnisse über die Baumartenverteilung in Deutschland ermöglichen ein Waldmanagement, das an den Klimawandel und seine Folgen angepasst ist.

Fortlaufende Erkenntnisse im Waldmonitoring

Der sogenannte Waldmonitor bietet eine satellitenbasierte Kartenansicht der Hauptbaumartenverteilung sowie des Waldzustandes. In Zusammenarbeit der Naturwald Akademie und der Remote Sensing Solutions GmbH (rss) ist der Waldmonitor auf Grundlage von Satellitendaten des Europäischen Copernicus Programms von 2016 bis 2020 entstanden. Die neue Karte entwickelten die Naturwald Akademie und rss, um die Ausmaße der Waldschäden in Deutschland möglichst genau zu erfassen. Aktuell und fortlaufend könne das Monitoringsystem Daten liefern, die der Wissenschaft sowie der Forstwirtschaft dienen.

Die Verteilung sowie der genaue Standort von Fichte, Buche, Kiefer, Eiche, Douglasie und Lärche können damit in wenigen Klicks aufgerufen und mit dem Waldzustand verglichen werden. „Die Genauigkeit der Baumartenkarte hängt von der Anzahl und Verfügbarkeit von Daten aus Forstinventuren ab. Mittels Daten der Bundeswaldinventur konnten wir für sieben Baumartengruppen sehr gute Ergebnisse erzielen. Bei der Fichte konnten wir Genauigkeiten bis etwa 96 % erzielen“, sagt Jonas Franke, rss. Sind die Baumarten weniger häufig, wie beispielsweise die Lärche, nehme auch die Genauigkeit ab.

Neue Baumartenkarte ergänzt Waldinventuren

Franke erklärt: „Durch die Nutzung maschinellen Lernens, wurden die großen Datenmengen der Sentinel-Satelliten mit Stichprobendaten aus Forstinventuren kombiniert. Dieses trainierte Datenmodell ermöglichte anschließend die Berechnung der deutschlandweiten Baumartenkarte mit einer Auflösung von 10m pro Pixel.“

Die Methode könnte Waldinventuren, die nur alle zehn Jahre und auf Grundlage von Stichprobenpunkten durchgeführt werden, durch ihre jährliche Waldbewertungen aus dem All ergänzt werden. Die Daten des Waldmonitors seien eine mögliche Entscheidungsgrundlage für Forstexpertinnen und -experten sowie Regierungsbehörden zur Entwicklung von widerstandsfähigen Wäldern, so die Naturwald Akademie und rss. „Der weltweit geforderte Schutz von Naturwäldern und eine Klimawandel-angepasste Behandlung der Wälder hängt auch von einem deutlich verbesserten Zugang zu Waldinformationen ab,“ erläutert Torsten Welle von der Naturwald Akademie.

Weiterentwicklung des Waldmonitorings

„Wir hoffen, dass wir mit dieser Entwicklung die Bestrebungen in Politik und Wissenschaft zum digitalen und öffentlichen Waldmonitoring unterstützen. Diese regelmäßige, datengestützte Beobachtung des Waldes ist u.a. im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sowie in der EU-Waldstrategie 2030 anvisiert,“ so Welle.

  • Die Daten werden von der wissenschaftlichen Arbeit „Welle, T., et al.: Dominant tree species map of German forests“ begleitet.
Teilansicht des Waldmonitors
Foto: Naturwald Akademie, Waldmonitor
Quelle: Naturwald Akademie, rss