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Neue Studie: Einbezug von Emissionen aus Land- und Waldnutzung kann EU-Klimaziel gefährden

Neue Studie: Einbezug von Emissionen aus Land- und Waldnutzung kann EU-Klimaziel gefährden

Der Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) braucht eigene, anspruchsvolle Ziele zur Emissionsminderung, um das EU-Klimaziel für 2030 nicht zu gefährden. Werden seine Emissionen ohne Anpassung in die Bilanz des EU-Klima- und Energiepakets einbezogen, bestünde die Gefahr, dass die EU nur 35 % statt 40 % ihrer Emissionen bis zum Jahr 2030 reduziert.
  
Dies könnte das Gesamtziel der EU um mehr als 10 % verfehlen und ihren geplanten Treibhausgasminderungsbeitrag (Intended Nationally Determined Contributions, INDCs) insgesamt gefährden. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Fern und der International Federation of Organic Agricultural Movements (IFOAM).
Die EU hat sich in ihrem Klimaschutzpaket verpflichtet, die Treibhausgasemissionen innerhalb der Europäischen Union bis zum Jahr 2030 um 40 % gegenüber 2010 zu vermindern. Wie dabei die Emissionen von Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft angerechnet werden sollen, stand im Mittelpunkt einer Anhörung, die am 18. Juni abgeschlossen wird. Die am 15. Juni veröffentlichte Studie zeigt nun, dass kleinste Veränderungen der Rechenmethoden größte Auswirkungen auf das Klimaziel der EU haben können.
Hauptautor der Studie Hannes Böttcher, Senior Researcher am Öko-Institut: „Die EU hat in ihren Betrachtungen nicht alle Anrechnungsregeln klar formuliert. Viele Annahmen, beispielsweise wie viel Holz wir in der EU ernten werden, sind heute noch unsicher. Klare Aussagen, in welchem Umfang Wälder beispielsweise als Kohlenstoffspeicher wirken können, sind daher nicht eindeutig möglich; die Auswirkungen auf das EU-Klimaziel bis 2030 nur mit einer großen Spannweite abschätzbar.“
Lastenteilung und Landnutzung
In der künftigen EU-Vereinbarung zur Lastenteilung (Effort Sharing Decision) ist festgelegt, wie die Emissionsminderungen zwischen den verschiedenen Sektoren außerhalb des Stromsektors – also für Verkehr, Bau, Abfall und andere – erbracht werden sollen. Bislang war der Sektor Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) nicht im Effort Sharing berücksichtigt, eigene Minderungsziele hatte der Sektor ebenfalls nicht. Ein Einbezug, und damit gleiche Verpflichtungen für einen Klimaschutzbeitrag der Landnutzung, ist daher grundsätzlich zu begrüßen.
Essentiell ist jedoch ist die Frage wie Landnutzung reguliert werden soll: Ein Vorschlag der EU ist, LULUCF in das bestehende Instrument der Lastenteilung zu integrieren. Dies führe jedoch dazu, so die Studie des Öko-Instituts, dass die anderen Sektoren bis zu 65 % weniger Emissionen mindern müssten. Alle im Effort Sharing zusammengefassten Sektoren sollen 30 % des gesamten Klimaziels der EU erbringen. Bei einem Einbezug von LULUCF könnte es sein, dass dieses Ziel lediglich zu 15,7 % (oder sogar weniger) erfüllt würde. Dies könnte nach Auffassung von Fern und IFOAM die gesamte EU-Klimapolitik gefährden.
Die beiden NGOs schlagen deshalb vor, LULUCF nicht im Effort Sharing einzubeziehen, sondern eigene Ziele und Regularien zur Emissionsminderung zu formulieren. So blieben die Anstrengungen für die bisherigen Sektoren bestehen und LULUCF bekäme als separate Säule eigene Verpflichtungen.
Landwirtschaft sollte fairen Beitrag leisten
Fern und IFOAM kritisieren zudem die in Option 2 der EU-Konsultation beschriebene Möglichkeit einer Zusammenlegung von Landwirtschaft und LULUCF. Dies könnte bedeuten, dass sog. Senken aus LULUCF – beispielsweise Gutschriften durch Kohlenstoffspeicherung im Wald – die Anstrengungen der Landwirtschaft, ihre Emissionen zu senken, aushebeln. Bis zu 198 % der notwendigen Emissionsreduktion in der Landwirtschaft könnten so ausgehebelt werden, selbst bei einem separaten Ziel von minus 30 % für die beiden Sektoren zusammen. Die Landwirtschaft verursacht rund 10 % der Treibhausgasemissionen der EU und sollte daher einen fairen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dafür sollte sie eigene verbindliche Ziele unabhängig vom LULUCF-Sektor erhalten, heißt es bei IFOAM.
Risikofaktor Bioenergie
Die Studie zeigt zudem, dass es in den kommenden Jahren zu einem beispiellosen Waldeinschlag innerhalb der EU kommen kann. Dies sei, so die Wissenschaftler, u.a. die Folge einer wachsenden Bioenergienutzung – wiederum Resultat der erneuerbaren-Energien-Richtlinie der EU. Werden große Mengen Wald zur Energiegewinnung abgeholzt, werden bislang gespeicherte Treibhausgase freigesetzt. Emissionen aus der Bioenergienutzung müssen daher ehrlich in die Bilanz einfließen und insgesamt der Einsatz von Biomasse auf ein nachhaltiges Maß eingeschränkt werden.
Zur Studie: „Impacts on the EU 2030 climate target of including LULUCF in the climate and energy policy framework“
Öko-Institut/Fern

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