ForstBranche Holztransport

Kabotagetricks im Holztransport

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

Der 15. September seitens des Hessischen Fernfahrerstammtisches als Präsenzveranstaltung unter Corona-Bestimmungen ausgerichtete Aktionstag zu den Themenschwerpunkten „Technische Unterwegskontrolle und Holztransporte“ war außergewöhnlich gut besucht. Auch die Ergebnisse der gleichzeitig durchgeführten Großkontrolle des gewerblichen Güterverkehrs sprachen für sich.

Mit einem hohen Kräfteansatz von Polizeibeamten aus Ost- und Nordhessen, Kontrolleuren von Zoll, BAG, Feldjägern der Bundeswehr, Gutachtern der Fachgebiete Technik, Ladungssicherung, Gefahrgut und Containerverkehre wurden im Kontrollzeitraum von 10 Uhr bis 16 Uhr etwa 40 schwere Nutzfahrzeuge und 55 Personen kontrolliert. Aus den Kontrollfeststellungen resultierten 16 Ordnungswidrigkeiten- und eine Strafanzeige. Sieben Fahrzeugkombinationen musste aus Gründen der Abwehr von Gefahren für die Verkehrssicherheit vorübergehend die Weiterfahrt untersagt werden.

Ein Holztransport mit österreichischer Zulassung und rumänischem Fahrer stellte ein relativ neu bestehendes Phänomen im Güterverkehr dar. Der Sattelzug wurde laut Halterangaben in Deutschland im sogenannten „Binnen-Werkverkehr“ eingesetzt. Hierbei werden rein innerdeutsche Transporte durch außerdeutsche Unternehmen durchgeführt. Die Besonderheit liegt dabei darin, dass die zu befördernden Güter zuvor von den Transportfirmen angekauft werden. Mit diesem Erwerb des Transportgutes fallen die Beförderer momentan nicht mehr unter die Vorgaben des Güterkraftverkehrsgesetzes und der sogenannten „Kabotageverordnung.“ Diese Vorschriften begrenzen unter anderem die Anzahl innerdeutscher Transporte durch ausländische Unternehmen, um auch deutschen Transportunternehmen weiterhin einen Zugang zum heimischen Markt zu sichern. Durch den beschriebenen Binnen-Werkverkehr wird diese Beschränkung für ausländische Beförderer jedoch ausgehebelt und umgangen.

Weil der kontrollierte Holztransport darüber hinaus ernsthafte Ladungssicherungsmängel aufwies, musste ihm die Weiterfahrt durch die Autobahnpolizei Bad Hersfeld untersagt werden. Da der beanstandete Sattelzug selbst nicht über einen Ladekran verfügte, wurde durch den österreichischen Halter am Folgetag zur verkehrspolizeilich angeordneten Umladung und Nachsicherung ein weiterer Holztransportzug mit Ladekran herangeführt. Bei der Abnahme der Umladearbeiten stellte die Polizei hier allerdings auch an dem Ersatzfahrzeug erhebliche Mängel fest, die einerseits vor Wiederantritt der Fahrt behoben werden mussten, andererseits, genau wie bei dem zuvor beanstandeten Holztransport, für den Fahrer eine Einbehaltung eines Bußgeldes im Rahmen einer Sicherheitsleistung bedeuteten.

Polizeipräsidium Osthessen