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Neue Forschungsergebnisse erfordern differenzierte Waldzustandsdiagnose

Neue Forschungsergebnisse erfordern differenzierte Waldzustandsdiagnose

60 Forstexperten untersuchen derzeit 8.472 Probebäume in ganz Thüringen auf ihren Zustand hin. Durch die okulare Einschätzung von Blatt- und Nadelverlusten in den Baumkronen werden seit 1991 im Freistaat Informationen über den Gesundheitszustand des Waldes erhoben. Auch wenn das jährlich durchgeführte relativ einfache Diagnoseverfahren mit Fernglas und Schreibbrett seit dieser Zeit unverändert blieb, so hat sich die Interpretation der erhobenen Daten im Lichte neuer Forschungsergebnisse deutlich verbessert. Denn der Wald, so die Experten von ThüringenForst, war noch nie 100 % gesund.

Allein die jährlichen und periodischen Schwankungen von Bodenzustand, Wasserversorgung und Sonneneinstrahlung haben unmittelbar Einfluss auf die Kronenausbildung der Bäume. Auch ist ein starkes Baumwachstum durch breite Jahrringe nicht zwangsläufig mit einem guten Gesundheitszustand gleichzusetzen. Durch den vom Menschen verursachten Klimawandel führen milde regenreiche Winter und verlängerte Vegetationsperioden sowie die seit Jahren fast unvermindert hohe Stickstoffeinträge zur verstärkten Produktion von Biomasse.
 
Die oft genug formulierte pauschale Annahme, früher war der Wald gesünder, können selbst Forsthistoriker leicht widerlegen: die durch Waldweide und Streunutzung ausgelaugten Waldböden haben sich im Vergleich zu früheren Jahrhunderten dramatisch verbessert und zeigen heute ein beachtliches Nährstoffangebot. Vor dem Hintergrund dieser neuen Forschungserkenntnisse bleiben auch die Ergebnisse der diesjährigen Waldzustandserhebung von größtem Interesse für die Forstpraktiker.
ThüringenForst

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