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Neue Dimension in NRW

Neue Dimension in NRW

In Nordrhein-Westfalen soll die Mobilisierung der Privatwaldbesitzer verstärkt werden, damit sich die Holzversorgung der ansässigen Holzindustrie wieder verbessert. Mit der Etablierung einer schlagkräftigen Waldbesitzervereinigung werden wichtige Strukturen geschaffen.

So geschehen im Südosten des Landes, wo sich drei kleine Forstbetriebsgemeinschaften „alter Ordnung“ zur neuen WBV Wittgenstein w.V. zusammengeschlossen haben. Die Waldflächen der 640 Mitglieder umfassen zusammen 3 500 ha und gehören zum größten Teil zum Beritt des Regionalforstamts Siegen-Wittgenstein.
 

Der Sitz der Vereinigung ist in Bad Berleburg. Rund 450 ha Mitgliedswälder liegen sogar jenseits der Grenze im hessischen Forstamt Frankenberg. Klaus-Uwe Daum leitet das 2 800 ha große Revier „Eder-Elsofftal“ – den Kernbereich der neuen WBV. Er sieht in der Fusion die logische Fortsetzung einer 40-jährigen Entwicklung: „Mit der Flächengröße und dem anvisierten Vermarktungsvolumen von rund 30 000 Fm pro Jahr haben wir eine kritische Mindestgröße erreicht, um als Marktpartner ernstgenommen zu werden. Allein durch die Bündelung der Buchhaltung in einer einzigen Vereinigung ergeben sich schon erhebliche Synergieeffekte. Die ,regionaldemokratische‘ Aufteilung der Vorstandschaft könnte Vorbildcharakter für andere Verschmelzungen haben. Durch die Beibehaltung des sogenannten Ortsvertrauensmanns in jeder Gemarkung und eine paritätische Besetzung der Vorstandschaft ist sichergestellt, dass sich jedes einzelne Mitglied auch in der großen WBV gut vertreten fühlt.“Bündelung der HolzmengenAuch Nordrhein-Westfalen gehört zu den Bundesländern, in denen die Holzvermarktung im Nichtstaatswald vom Bundeskartellamt argwöhnisch beäugt wird. Wie hat sich die WBV Wittgenstein hier aufgestellt? Der wirtschaftliche Verein kauft sämtliches Holz seiner Mitglieder selbst ein – 75 % davon auf dem Stock, mit steigender Tendenz. Der Verkauf erfolgt zum Großteil über Rahmenverträge des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Hier tritt aber die Vereinigung als alleiniger Verkäufer auf. Für die Abrechnung der Kaufverträge mit den Mitgliedern wurde ein Bilanzbuchhalter auf Minijobbasis angestellt. Finanziert wird die Verwaltung zum einen über den Grundbeitrag von 5 – 8 €/ha im Jahr und zum anderen durch eine Marge beim Holzankauf. Deren Höhe wird jährlich neu kalkuliert und in der Jahreshauptversammlung beschlossen. Bündelungsprämien gibt es bisher nur von wenigen Holzkunden.Die Rolle des ForstamtsMit dem Forstamt besteht für die Mitgliedsflächen ein Dienstleistungs- und Beförsterungsvertrag. Die Beratung der Waldbesitzer, das Auszeichnen der Hiebsflächen und die Koordination von Unternehmereinsätzen werden über eine jährliche Hektarpauschale abgegolten, unabhängig davon, ob Leistungen in Anspruch genommen werden oder nicht. Ruft man sich allerdings die Einschätzung der Kartellbehörde für Baden-Württemberg in Erinnerung (F&T 2/2013, S. 40, gehört spätestens das Auszeichnen der zu entnehmenden Bäume zur „Vorbereitung des Holzverkaufs“ und dürfte somit künftig nicht mehr von staatlichen Bediensteten übernommen werden. Forstamtsleiter Diethard Altrogge erwartet jedoch nicht, dass diese Forderungen auch im Privatwaldland NRW drohen, wo sich die forstpolitischen Verhältnisse seiner Meinung nach stark unterscheiden von Baden-Württemberg: „Bei der gegebenen Waldbesitzerstruktur in der WBV Wittgenstein – der größte Privatwald umfasst gerade einmal 80 ha; im Durchschnitt liegen wir bei einer Besitzgröße von 5 ha – sind diese Dienstleistungen nicht ohne Weiteres kostendeckend zu erbringen. Deswegen gibt es die staatliche Unterstützung in Form der subventionierten Kostensätze. Aber die Vereinigung ist jetzt einen wichtigen Schritt nach vorne gegangen und kann sich weiterentwickeln, um einmal auf eigenen Füßen stehen zu können.“AusblickeNeben der weiteren Professionalisierung in den nächsten Jahren hat die WBV Wittgenstein auch noch andere Wachstumschancen. In der umliegenden Region gibt es noch einmal 3 500 ha Kommunal- und Privatwald, der ganz ähnlich strukturiert ist. Darüber hinaus ist auch hier die fortschreitende Urbanisierung der Grundeigentümer ein Thema: Immer weniger Menschen sind in der Lage, einen Wald selbst zu bewirtschaften. Der Bedarf an Waldpflegeverträgen wird kontinuierlich ansteigen.

Heinrich Höllerl

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